Ifo Institut: Kindergeld kostet den Staat doppelt

Ifo Institut: Kindergeld kostet den Staat doppelt

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Kindergeld bringt wenig, Kinderkrippe dafür umso mehr. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie des ifo-Instituts.

von Felix Ehrenfried

Das Kindergeld bringt Familien nur wenige Vorteile und ist ein erheblicher Kostenfaktor für den Staat. So lautet das Ergebnis einer Studie des ifo-Instituts zu den Zahlungen an Familien.

Was eigentlich die Unabhängigkeit von Müttern stärken und die Geburtenrate in Deutschland erhöhen sollte, bringt so gut wie nichts. So zumindest lautet das Ergebnis einer Studie des Münchner ifo Forschungsinstituts, die den schlichten Titel "Kindergeld" trägt. Das Kindergeld, eine der wichtigsten Säulen in der deutschen Familienpolitik, würde falsche Anreize für die Eltern setzen und somit wenig bis überhaupt nicht zur Familienentwicklung beitragen. Das Brisante an der Studie: Sie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Auftrag gegeben.

In ihrer Untersuchung des Kindergeldes konzentrierten sich die Wirtschaftswissenschaftler auf das Jahr 1996. Damals war das Kindergeld von umgerechnet 36 auf 102 Euro angehoben worden, und der steuerliche Freibetrag stieg um mehr als die Hälfte auf umgerechnet 3200 Euro. Jedoch liegen die finanziellen Veränderungen durch diese Reform nahe bei Null, erklären die Forscher. Grund dafür: In vielen Familien wurde die höhere staatliche Förderung durch geringere Arbeitszeit ausgeglichen.

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So lässt sich nach der Anhebung des Kindergeldes zwar eine vermehrte Teilzeittätigkeit unter Müttern beobachten, gleichzeitig sinkt aber der Anteil an Müttern, die in Vollzeit beschäftigt sind. Dieser Effekt sei besonders bei Familien mit geringem Einkommen zu beobachten. Die Arbeitszeit des Vaters blieb von der Anhebung übrigens unberührt. Lediglich bei alleinerziehenden Müttern zeige ein höheres Kindergeld auch positive Effekte, bei dieser Gruppe steige die Teilzeittätigkeit deutlich an. Der Ausgleich des Kindergeldes durch weniger Arbeitszeit kostet den Staat gleich doppelt. Zum einen fallen höhere Kosten durch einen höheren Kindergeldsatz an, zum anderen sinken Steuereinnahmen durch die geringere Beschäftigung der Mutter. Nach Einschätzung der ifo-Experten lägen dadurch die wahren Kosten einer Kindergelderhöhung etwa doppelt so hoch wie die nominellen, also die Differenz zwischen altem und neuem Kindergeldbetrag.

Das Kindergeld, das den Staat nach Angaben des Institut der deutschen Wirtschaft Köln jährlich 38,8 Milliarden Euro kostet, bringt laut Experten also wenig und ist doppelt teuer. Blickt man auf die Veränderung der Geburtenrate nach 1996, zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Forscher können keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen mehr Kindergeld und einer Veränderung der Geburtenrate identifizieren. „Bei der Entscheidung, Kinder zu bekommen, spielen für junge Paare rein monetäre familienbezogene Leistungen keine nennenswerte Rolle“, erklärt Familienökonom Helmut Rainer, der Leiter der Studie am ifo-Institut.

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