Ifo-Präsident: Zuwanderung ist für Deutschland Verlustgeschäft

Ifo-Präsident: Zuwanderung ist für Deutschland Verlustgeschäft

Der bekannte Ökonom Hans-Werner Sinn heizt die Debatte um Kosten und Nutzen von Zuwanderung an. Er sagt: Wir ziehen die falschen Migranten an. Bei der AfD hat Sinn viele Fans.

Die Zuwanderung ist in ihrer jetzigen Form für Deutschland nach Ansicht eines renommierten Wirtschaftsforschers doch eher ein Verlustgeschäft. Zu diesem Ergebnis kommt der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ/Montag). Sinn widersprach damit einer im November veröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Ausländer in Deutschland

  • Aus der EU

    Besonders viele Ausländer kommen aus den Ländern, die 2004 der EU beigetreten sind. Die Zahl stieg gegenüber 2011 um 15,5 Prozent. Spitzenreiter ist Ungarn mit einem Plus von 29,8 Prozent, gefolgt von Polen mit +13,6 Prozent.

  • Euro-Krisen-Länder

    Die Zahl der Ausländer aus den von der Euro-Krise betroffenen Mittelmeerstaaten hat sich erhöht. Aus Griechenland sind 5,1 Prozent mehr Ausländer als im Vorjahr nach Deutschland gekommen, aus Spanien waren es 9,1 Prozent mehr Ausländer.

  • Überraschung Türkei

    Die registrierte Bevölkerung mit türkischer Staatsangehörigkeit ist, ähnlich wie in den Jahren zuvor, um zwei Prozent zurückgegangen. Grund dafür ist die relativ hohe Zahl der Einbürgerungen.

  • Beliebstes Bayern

    Die meisten Ausländer zogen nach Bayern, das sind rund 65.900 mehr als im Jahre 2011. Den geringsten prozentualen Anstieg verzeichnet das Saarland mit einem Plus von 1,6 Prozent. 

Die ZEW-Studie hatte festgestellt, jeder in Deutschland lebende Ausländer zahle im Schnitt 3300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben, als er an staatlichen Transferleistungen erhalte. Der Ifo-Präsident kritisierte nun, allgemeine Staatsausgaben für Infrastruktur und das Rechtssystem, Polizeikosten und Kosten für die öffentliche Verwaltung seien bei dieser Berechnung unberücksichtigt geblieben. Rechne man diese dazu, dann läge die Nettobilanz pro Einwanderer nicht im Plus, sondern bei durchschnittlich minus 1450 Euro - nähme man auch noch die Verteidigungsausgaben dazu, sogar bei minus 1800 Euro.

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Demo Pegida - das Aufbegehren der Mitte

In Dresden begehren Montag für Montag Menschen auf, die sich mehrheitlich zur Mitte der Gesellschaft zählen. Die Politik hat sie in den vergangenen Jahren vergessen – mit schwerwiegenden Folgen.

Teilnehmer einer Demonstration des Bündnisses Pegida in Dresden Quelle: imago

Daraus zu schließen, dass die Einwanderer-Zahlen sinken müssten, sei aber falsch, erklärte Sinn. Deutschland müsse nicht weniger Migranten aufnehmen, sondern vielmehr versuchen, mehr ausländische Arbeitnehmer mit guter Berufsausbildung anzulocken. Diese würden durch das hiesige System der Umverteilung derzeit eher abgeschreckt. Sie bevorzugten daher Staaten wie die Schweiz, Luxemburg oder Großbritannien. Eine mögliche Lösung für dieses Problem wäre es seiner Ansicht nach, „wenn Migranten nur erschwert oder nach längerer Verzögerung Zugang zum steuerfinanzierten Sozialsystem erhalten“. Der Ifo-Präsident stellte fest: „So wie die Migration derzeit läuft, läuft sie falsch, weil die Struktur der Migranten durch die künstlichen Anreize des Sozialstaates verzerrt wird.“

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Sinn rechnet vor: Wollte man das heutige Rentenniveau halten und gleichzeitig die Beitragssätze zur Rentenversicherung einfrieren, dann bräuchte Deutschland in den kommenden 20 Jahren 32 Millionen zusätzliche Einwanderer. Dies würde die Assimilationskraft und die Toleranz der Gesellschaft aber überschreiten. Stattdessen seien radikale Änderungen im Steuer- und Rentenrecht notwendig, damit Familien mit Kindern künftig bessergestellt würden. In diesem Punkt liegt Sinn auf der Linie der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD), die geringere Renten für Kinderlose fordert, und seine Vorschläge am Montag begrüßte. „Wer keine Kinder bekommen will oder kann, dem kann zugemutet werden, dass er das Geld, das andere für die Kindererziehung ausgeben, am Kapitalmarkt anlegt, um sich so eine Zusatzrente zu verschaffen“, erklärte Konrad Adam, Mitglied des Führungsgremiums der Partei.

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