IG Bergbau, Chemie, Energie: Bindeglied zwischen Gewerkschaften und Regierung

IG Bergbau, Chemie, Energie: Bindeglied zwischen Gewerkschaften und Regierung

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Der künftige Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis

von Bert Losse

Der künftige Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie ist der jüngste Gewerkschaftsboss. Michael Vassiliadis will deren undogmatischen Kurs fortsetzen – und könnte zum Bindeglied zwischen Gewerkschaften und Regierung werden.

Am Dienstag kommender Woche darf sich Michael Vassiliadis beruhigt zurücklehnen. Wenn auf dem Gewerkschaftstag der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) die Wahl des neuen Vorsitzenden ansteht, ist nicht die Frage, ob der 45-Jährige gewählt wird – sondern allein, ob ihm die 350 Delegierten im Congress Centrum Hannover ein ebensolches Spitzenergebnis bescheren wie dem scheidenden Chef Hubertus Schmoldt im Jahr 2005 – damals holte Schmoldt 96,5 Prozent der Stimmen.

Politische Schlüsselrolle für Vassiliadis

Die Kür von Vassiliadis dürfte vor allem die Arbeitgeber beruhigen, denn sie bürgt für Kontinuität bei Deutschlands drittgrößter Gewerkschaft. Die IG BCE ist seit jeher das politische Gegenmodell zu IG Metall und vor allem Verdi. Wo die Kollegen gern die Konfrontation suchen, hat sich die IG BCE einem pragmatischen, konsensorientieren Kurs verschrieben, zuerst unter Urgestein Hermann Rappe, dann seit 1997 unter Schmoldt. Den letzten Streik in der Chemiebranche gab es 1971.

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„Die IG BCE pflegt ein ideologiefreies Verhältnis zu den Arbeitgebern – und das wird auch künftig so bleiben“, kündigt Vassiliadis gegenüber der WirtschaftsWoche an. In der Chemiebranche gebe „es ein stabiles Grundvertrauen zwischen den Tarifparteien, das Kompromisse erleichtert“.

Eine politische Schlüsselrolle kommt Vassiliadis beim künftigen Verhältnis zwischen Schwarz-Gelb und den Gewerkschaften zu. Das Klima zwischen FDP und DGB, IG Metall & Co. ist völlig zerrüttet. Da könnte der Pragmatiker Vassiliadis, wenngleich SPD-Mitglied, neue Brücken zu den Liberalen schlagen. Und auch zur Kanzlerin: Angela Merkel kennt er bereits von mehreren ihrer Spitzentreffen mit Gewerkschaftern.

Freunde und Gegner

Der große Mentor und Förderer des neuen Vorsitzenden ist der alte: Der scheidende IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt wurde in seiner Funktion als Bayer-Aufsichtsrat schon 1987 auf den jungen Leverkusener Gewerkschaftssekretär Vassiliadis aufmerksam. Man blieb in Kontakt, 1997 holte Schmoldt ihn dann als Büroleiter und rechte Hand in die Zentrale nach Hannover. 2004 zog Vassiliadis in den Geschäftsführenden Hauptvorstand ein, und es war von vornherein klar, dass Schmoldt ihn als seinen Nachfolger aufbaut.

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