IG Metall: Die Büchse der Pandora geschlossen halten

KommentarIG Metall: Die Büchse der Pandora geschlossen halten

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Hängematte für alle: Die IG Metall setzt sich bei den laufenden Tarifverhandlungen für die unbefristete Übernahme der Azubis in der Metall- und Elektroindustrie nach der Ausbildung ein.

von Bert Losse

Bei der Metall-Tarifrunde spielt Geld nur eine Nebenrolle. Der Knackpunkt ist die Knebelung der Zeitarbeit. Die Arbeitgeber wehren sich gegen den Vorstoß der Gewerkschaften - aus guten Gründen.

Die IG Metall macht ernst. Weil die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie nicht vorankommen, überzieht die Gewerkschaft das Land seit Tagen mit massiven Warnstreiks. Über 100 000 Arbeitnehmer legten in der vergangenen Woche für mehrere Stunden die Arbeit nieder. Wenn es in der vierten Gesprächsrunde, die je nach Region bis zum 14. Mai stattfindet, keine Annäherung gibt, könnte bereits Anfang Juni ein Großstreik losbrechen – mit allen negativen Konsequenzen für Industrieproduktion und Wachstum.

Worum geht es in dem aktuellen Tarifstreit? Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, eine Übernahmepflicht für Auszubildende und mehr Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte beim Einsatz von Zeitarbeitern. Dass es der Gewerkschaft vordringlich um kräftig steigende Löhne geht und die anderen Forderungen nur Beiwerk und taktisch motivierte Verhandlungsmasse sind, hat IG-Metall-Chef Berthold Huber kategorisch ausgeschlossen: „Es sind drei gleichwertige Forderungen – und im Zweifel werden wir einen Konflikt um alle drei Themen führen.“

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Damit aber haben nicht nur die Arbeitgeber ein Problem, sondern auch die IG Metall. Wer sich so früh so stark festlegt, kommt von diesem Forderungsniveau schlecht wieder herunter, ohne die Basis zu erzürnen. Mehr noch: Wenn die IG Metall tatsächlich in einen flächendeckenden Streik zieht, ruiniert sie nicht nur den hart erarbeiteten Ruf einer pragmatischen Gewerkschaft, die sich ihrer gesamtwirtschaftlichen Verantwortung bewusst ist. Sie muss sich überdies den Vorwurf gefallen lassen, die Tarifpolitik für organisationspolitische Zwecke zu missbrauchen.

Die Gewerkschaften fordern ein Vetorecht

Längst spielt das Geld in dieser Tarifrunde nur noch eine Nebenrolle. Die Arbeitgeber sind zu einer kräftigen Lohnerhöhung bereit; das von Gesamtmetall vorgelegte erste Angebot von 3,0 Prozent ist die höchste Offerte seit 20 Jahren. Auch eine Vier vor dem Komma, gepaart mit längerer Laufzeit, dürfte im Arbeitgeberlager auf keinen übermäßig großen Widerstand stoßen. Selbst bei der Azubi-Übernahmepflicht werden die Tarifstrategen einen Kompromiss hinbekommen, mit dem beide Seiten leben können – etwa eine zeitlich befristete Übernahmepflicht mit großzügigen Ausnahmeregelungen für die Betriebe.

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Der Knackpunkt aber ist die von der IG Metall vorangetriebene Eindämmung der Zeitarbeit über ein Vetorecht der (von der IG Metall dominierten) Betriebsräte. Hier geht es für die Unternehmen ans Eingemachte. Wenn die Arbeitgeber einem so weitreichenden Eingriff in ihre Personalpolitik zustimmen, öffnen sie ein großes Tor.

Dann will die IG Metall in der nächsten Tarifrunde womöglich bei Art und Umfang von Werkverträgen mitbestimmen oder Investitionspläne der Unternehmen zur Kontrolle vorgelegt bekommen. Weil die Arbeitgeber das ahnen, geben sie sich bei der Zeitarbeit kompromisslos.

Und das zu Recht.

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