IG Metall: Mit neuer Strategie nach vorne

IG Metall: Mit neuer Strategie nach vorne

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Eine Stahlarbeiterin pustet am Mittwoch (29.09.2010) bei einer Protestkundgebung in Salzgitter in eine Trillerpfeife mit dem Logo der IG Metall. Mehrere tausend Gewerkschafter protestierten gegen die Sparpolitik der Bundesregierung. Die IG Metall hatte zu der Großkundgebung an der Zufahrt zum geplanten Atommüllendlager Konrad aufgerufen. Aufgerufen waren nicht nur die Beschäftigten der Industriebetriebe in Salzgitter und Peine, sondern auch alle Bürger der Region. Foto: Jochen Lübke dpa/lni (c) dpa - Bildfunk

Rote Fahnen, schwarze Zahlen Die IG Metall - kassiert 2011 über 442 Millionen Euro - erstmals seit 22 Jahren steigen die Mitgliederzahlen wieder. Wie hat die Gewerkschaft das geschafft und was bedeutet das für die Unternehmen?

Lüdenscheid ist weder übermäßig schön noch der Nabel der Welt – doch für die IG Metall hat das Städtchen im Märkischen Kreis eine besondere Bedeutung: 1948 schlossen sich in der örtlichen Schützenhalle die Metallgewerkschaften der amerikanischen und britischen Besatzungszone zusammen; es war die Geburtsstunde der Gewerkschaft nach dem Krieg.

Mehr als 60 Jahre später steht Lüdenscheid erneut im Fokus der Gewerkschaft, allerdings aus anderen Gründen. Die örtliche IG-Metall-Dependance sei „eine der erfolgreichsten in ganz Deutschland“, lobt Detlef Wetzel, zweiter Vorsitzender der IG Metall. Seit Jahren steigen hier die Mitgliederzahlen; allein in den ersten acht Monaten 2011 kamen über 900 Metaller hinzu. Jüngst legte ein eifriger Jung-Funktionär im Gewerkschaftshaus gleich 30 Neuanmeldungen von Auszubildenden auf den Tisch, die er angeworben hatte. Mitgliederschwund? Finanzprobleme? Bei den märkischen Metallern ist das Vergangenheit.

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Erstes Mitgliederplus seit 22 Jahren

Und nicht nur dort. Nach langem Siechtum dürfte die IG Metall in diesem Jahr auch insgesamt den Turn-around schaffen. Rund 1,3 Millionen Mitglieder gingen seit der Wiedervereinigung verloren, die Gesamtzahl sank auf 2,24 Millionen – für 2011 aber kündigt IG-Metall-Chef Berthold Huber „das erste echte Mitgliederplus seit über 22 Jahren“ an. Am Jahresende dürfte es 15 000 organisierte Metaller mehr geben als am Jahresanfang. Das wirkt sich auch auf die Kassenlage aus: 2011 ist der Haushalt erstmals seit 20 Jahren ausgeglichen. Wenn Huber übernächste Woche auf dem Gewerkschaftstag in Karlsruhe seine Bilanz der vergangenen vier Jahre zieht, werden es ihm die 481 Delegierten mit einer sicheren Wiederwahl danken.

Neue Strategie

Dass die Gewerkschaft die Talsohle durchschritten und so ihre tarifpolitische Macht erhöht hat, liegt zum einem an der guten Arbeitsmarktlage. Auch habe sich „das gesellschaftliche Ansehen der Gewerkschaften seit der Wirtschafts- und Finanzkrise verbessert“, sagt Hagen Lesch, Gewerkschaftsexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Doch vor allem ist der zarte Aufschwung das Ergebnis einer radikalen Strategie- und Organisationsreform. Unter Hubers Vorgänger Jürgen Peters hatte sich die Gewerkschaft in Flügelkämpfen zerrieben. Peters sah in der IG Metall eine allgemeinpolitische Kampfmaschine und träumte davon, mit Nichtregierungsorganisationen eine neue außerparlamentarische Opposition zu zimmern.

Nun lautet die Linie: Konzentration aufs Kerngeschäft. Dazu gehört eine zunehmend dezentrale Tarifpolitik. Die IG Metall müsse sich von einer „Betreuungsgewerkschaft“ in eine „Erschließungsgewerkschaft“ verwandeln, heißt es in einem Vorstandspapier. Alle Aktivitäten sollen dem Ziel dienen, neue Mitglieder und damit zusätzliche Tarifmacht zu gewinnen. Die 163 Verwaltungsstellen müssen Zielvorgaben erfüllen und sich einem Benchmarking stellen. Jeder Bezirk betreut „Zuwachsraum-Projekte“, um neue Branchen, Regionen oder Personengruppen für die IG Metall zu erschließen.

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