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Im Gespräch: Gerald Wood: „Die Wahlforscher sind zu nahe an den Parteien“

Der Gallup-Deutschland-Chef äußert sich im Handelsblatt-Interview zu Versäumnissen von Demoskopen, falschen Prognosen und fehlender Konkurrenz.

Gerald Wood leitet seit Anfang 2002 die Deutschlandzentrale von Gallup. Zuvor hatte der heute 42-jäh
Gerald Wood leitet seit Anfang 2002 die Deutschlandzentrale von Gallup. Zuvor hatte der heute 42-jährige bei verschiedenen Firmen in Marketing und Vertrieb gearbeitet. Das 1935 gegründete US-Meinsungsforschungsinstitut Gallup ist das älteste der Welt. Foto: Handelsblatt.

Herr Wood, die deutschen Wahlforscher werden heftig kritisiert, weil ihre Prognosen weit vom Wahlergebnis entfernt lagen. Ist die Kritik berechtigt? Wood: Ich lehne eine pauschale Kritik an „den Meinungsforschern“ ab, und man muss mehr, nicht weniger forschen. Insofern breche ich auch eine Lanze für Forsa, Allensbach und wie sie alle heißen. Aber? Wood: Aber ich kritisiere die Vermischung von Meinungsforschern und Parteien. Vergangene Woche hat CDU-Generalsekretär Kauder sich beschwert: „Da gibt man Unmengen Geld aus für Meinungsforschung, und dann kommt so ein Ergebnis raus.“ Die Wahlforscher sind zu nahe an den Parteien. Es ist doch nichts Anrüchiges daran, für eine Partei zu arbeiten. Wood: Doch, es ist anrüchig: Sobald Sie gegenüber einer politischen Partei in die Lage des Auftragnehmers kommen, verlieren Sie Ihre reine Weste. Aus unserer Sicht geht es um Folgendes: Wir wollen die Wahrheit wissen. Dafür muss man unabhängig sein vom Auftraggeber. Wir sehen noch nicht, was so schlimm daran ist, für eine Partei zu arbeiten, solange man professionell vorgeht und sich nicht beeinflussen lässt. Wood: Marktforschungsinstitute unterliegen den ganz normalen wirtschaftlichen Zwängen. Wenn sie anfangen, größere Teile ihres Umsatzes mit politischen Parteien zu machen, und bei Forsa und möglicherweise Allensbach ist das der Fall, liegt die Möglichkeit nahe, dass man nicht objektiv ist. Das Zitat von Kauder beweist doch das Gegenteil: Er beschwert sich ja darüber, dass die Umfragen zu optimistisch für die CDU waren – er will auch die Wahrheit wissen.

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