Immigration: Die Pegida-Verzerrung

KommentarImmigration: Die Pegida-Verzerrung

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"Lügenpresse" war eine der Schmähungen von den Pegida-Protestanten

von Max Haerder

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt: Die Deutschen sind Einwanderern gegenüber deutlich aufgeschlossener als noch vor wenigen Jahren. Probleme werden trotzdem nicht ignoriert.

„Lügenpresse“ gehörte zu den bevorzugten Schmähungen der Pegida-Protestanten. „Lügenpresse“ hieß als Vorwurf nichts anderes, als dass die etablierten Medien dieses Landes Missstände in dieser Republik entweder überhaupt nicht wahrnahmen oder – noch schlimmer – die eigentliche „Wahrheit“ einfach ignorierten, in kumpelhafter Verschwörung eng umschlungen mit „denen da oben“ in der Politik. Die abgehobene Elite gegen das Volk da unten, Verblendung gegen Wirklichkeit, von dunklen Mächten angeordnete Verdummung gegen den aufrechten gesunden Menschenverstand – so lag der hübsch übersichtliche Frontverlauf.

Wenn die Welt denn so einfach wäre. Vielmehr waren es doch gerade aufgeklärte, seriöse Medien, die dem Protest von einigen zehntausend Bürgern in einer Stadt mit fünfhunderttausend Einwohnern (Dresden) in einem Land mit mehr als 80 Millionen Bürgern eine derart große Aufmerksamkeit und damit Öffentlichkeit schenkten, dass irgendwann die Wahrnehmung zugunsten von Pegida vollkommen verzerrt war: am Ende lag der Eindruck nahe, Pegida wäre möglicherweise doch mehr als eine (in einer offenen, freien Gesellschaft hinzunehmende) Randerscheinung.

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Einwanderung Deutschland ist offener für Zuwanderer

Die Deutschen gehen mit offeneren Armen auf Einwanderer zu. Laut einer Studie entwickelt sich die Willkommenskultur in Deutschland positiv. Nur in den neuen Bundesländern bleibt die Skepsis groß.

Zwei Frauen mit Kopftüchern schieben ihre Kinderwagen Quelle: dpa

War es nicht. Diese Aussage kann man nun befreiend finden oder fürchterlich. Dass man sie aber eben finden kann, wie man will, dass nahezu jede Meinung – ob faktengesättigt oder nicht – erlaubt ist, dass man sie äußern kann, ohne Schlimmeres dafür zu erwarten als Verbalinjurien – das ist ein unbestreitbarer Vorzug dieses Landes. Oder anders gesagt: Schimpfen Sie, werte Leser, mich ruhig „Lügenpresse“. Sie stärken damit Artikel 5 des Grundgesetzes.

Viel wichtiger aber: Die Mehrheit der Deutschen denkt nicht ganz so einseitig wie Pegida schrie, sondern sieht zugleich offen wie realistisch auf den Zuwanderungsboom der vergangenen Jahre. Diesen Befund hat nun die Bertelsmann Stiftung mit einer repräsentativen Umfrage vorgelegt. Dass Einwanderer freundlich empfangen werden, fanden 2012 etwa 50 Prozent der Bevölkerung, heute hingegen sagen dies rund 60. Und noch wichtiger: Vor drei Jahren empfanden sich 57 Prozent der Migranten von Behörden willkommen geheißen, 2015 sind es deutlich mehr, nämlich 68 Prozent.

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Interessanterweise vollziehen sich mehrere Entwicklungen gleichzeitig: Zum einen steigt die Erwartung der Deutschen, dass Neuankömmlinge sich selbst um ein gutes Zusammenleben bemühen, von 88 auf 97 Prozent. Zum anderen wünschen sich immer mehr, dass die Zuwanderer uns ihre eigene Kultur näher bringen (80 statt 69 Prozent). Forderungen und Neugierde gehen also Hand in Hand.

Es ist auch mitnichten so, dass Probleme ignoriert würden, sie werden nur ganz selbstverständlich gegen die Chancen abgewogen. Positive Aspekte der Zuwanderung wie Internationalität und Vielfalt betont eine Mehrheit der Befragten ebenso wie Konflikte in Schulen oder Sorgen um einen überbelasteten Sozialstaat. So sollte es sein.

Und um es ganz deutlich zu formulieren:  Dies sind Fakten gegen die pauschale Pegidaisierung des Abendlandes.

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