Immigration: Zuwanderer als Vorbilder in Deutschland - Seite 2

Immigration: Zuwanderer als Vorbilder in Deutschland

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„In Kalifornien“, schreibt der wirtschaftsliberale Gelehrte, „wanderten Japaner und Mexikaner etwa gleichzeitig ein, waren anfangs Landarbeiter. Aber bei ihren Kindern in der Schule maß man größere Unterschiede beim IQ-Test als zwischen Schülern verschiedener Hautfarbe in den Südstaaten zur Zeit der Rassendiskriminierung.“ Kulturelle Herkunft hätte demzufolge also oft einen größeren Einfluss als ethnische Diskriminierung. Mit solchen Beobachtungen hat Sowell, der es selber vom bitterarmen Kind in North Carolina zum Professor an der Eliteuniversität Stanford gebracht hat, alte Gewissheiten vieler Landsleute erschüttert. In Deutschland, wo sich die Diskussion bisher ganz auf die erfolglosen Migranten konzentriert, scheint es ähnlich wie in Amerika zu sein. Erfolgreiche Immigranten, nach der Ursache für ihren Aufstieg befragt, kommen fast immer auf die Bildungsbeflissenheit ihrer Elternhäuser zu sprechen. Die meisten führen ihre Karriere auch darauf zurück, dass sie sich einerseits problemlos in die Mehrheitsgesellschaft eingefügt haben, andererseits aber auch ihre aus dem Herkunftsland stammenden kulturellen Eigenarten kultivieren. So waren sie in Deutschland etwas Besonderes. „Ich bin ein Dienstleister, das ist meine Mentalität und damit habe ich Erfolg“, sagt Ignatious Joseph, der katholische Designer und Kaufmann aus Sri Lanka, der von Düsseldorf aus edle Herrenausstatter in New York und Tokio mit Ware aus Italien und der Schweiz beliefert. Das Streben nach kultureller Extravaganz bei gleichzeitiger Anpassungsfähigkeit – das steckt wahrscheinlich hinter den meisten Erfolgsgeschichten von Migranten. Eigentlich eine sehr alte Erkenntnis, die im Deutschland des 20. Jahrhunderts allzu lange verschüttet war: Der Erfolg der Fremden bereichert das Land, das sie aufgenommen hat. Der deutsche Soziologe Georg Simmel, der vor mehr als 100 Jahren das Loblied auf den „Fremden“ als Motor des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritts sang, sprach von der „besonderen Wechselwirkung“ zwischen Einheimischen und jenem Fremden, der nicht „heute kommt und morgen geht“, sondern „heute kommt und morgen bleibt“. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass sich heute leichter Unternehmer und Manager aus türkischen Zuwandererfamilien in Deutschland finden lassen als Kinder von Spaniern oder Griechen in Führungspositionen: Die „Gastarbeiter“-Familien aus diesen Ländern sind viel eher zurückgewandert als die Türken. Allein schon die Möglichkeit der Rückkehr, die für viele türkische Familien schon lange nur noch theoretisch besteht, lähmt womöglich den Willen zur Karriere in Deutschland. Dagegen ist die Chance, als Unternehmer oder Manager die Tätigkeit auf die Heimat der Eltern auszudehnen, dem eigenen Erfolg oft förderlich. Der Softwareunternehmer Bülent Uzuner und der Automobilmanager Bülent Akgöl haben beide in der Türkei berufliche Erfolge gehabt – aber wichtig war ihnen immer das Standbein in Deutschland. Die Verwurzelung in zwei Kulturen gab ihnen wie vielen anderen Zuwanderern die Fähigkeit, auch in einer dritten, zunächst fremden Region zu bestehen. Dem Softwareunternehmer half das als Investor in Polen, dem Daimler-Manager im Umgang mit den brasilianischen Kollegen im Weltkonzern DaimlerChrysler. Migranten sind also prinzipiell bestens gerüstet für die Globalisierung; lokale Bindung in Deutschland ist für ihren Erfolg aber von großer Bedeutung. Der Bauingenieur Eke Ojukwu, Nigerianer mit britischem Pass, sitzt im Gemeinderat des kleinen Orts Ispringen bei Pforzheim – und ist glühender Lokalpatriot. Und der türkisch-schwäbische Manager Akgöl schwärmt von dem winzigen Dorf bei Stuttgart, wo er mit seiner französischen Ehefrau und den Kindern lebt und drei eigene Pferde hält.

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Auch die Mikrobiologin Nan Ma, die zunächst nur der Forschung wegen aus China über Singapur nach Rostock gekommen ist, lässt auf ihre mecklenburgischen Nachbarn nichts kommen: Von Ausländerfeindlichkeit merke sie nichts, und dank der Tochter, die in den deutschen Kindergarten geht, lernt auch die vielsprachige Mutter fließend Deutsch – für ausländische Naturwissenschaftler an deutschen Forschungsinstituten durchaus keine Selbstverständlichkeit. Nan Ma hatte in Singapur akzentfreies Englisch und das Leben zwischen den Kulturen gelernt – und auch das ist typisch für erfolgreiche Zuwanderer: Wer aus fernen Weltstädten nach Deutschland kommt, hat es leichter und gibt seinen Kindern die richtigen Impulse. Akgöls Vater stammte zwar vom Land, wie die meisten türkischen Zuwanderer. Aber jahrelang hatte er im Umkreis der Weltstadt Istanbul sein Glück gesucht, bevor ihn Deutschland lockte. Wahrscheinlich wecken die wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse in großen Städten am ehesten Bildungshunger und wirtschaftlichen Ehrgeiz. Im Zuwandererghetto von Berlin-Kreuzberg geschieht das seltener als an Zwischenstationen der Migration in Istanbul, Singapur oder Karatschi. Für Deutschlands Wirtschaft sind erfolgreiche Zuwanderer eine Bereicherung. Aber sind sie auch eine Hilfe, wenn es um die riesige Problemgruppe der in der Schule und am Arbeitsplatz versagenden Migrantenkinder geht? Trotz der wachsenden kulturellen und ökonomischen Unterschiede zwischen den Aufsteigern und den vielen, die zurückgefallen sind, geben sich Uzuner und Akgöl optimistisch. Der Automobilmanager berichtet stolz von den aus türkischen Familien stammenden Studenten, die sich in seine Lehrveranstaltungen an der Hochschule Mannheim drängeln. Und der Softwareunternehmer erzählt gerne von seiner ehrenamtlichen Beratungstätigkeit für Selbstständige aus Zuwandererfamilien. In diesem Winter gehörte Uzuner zur Wirtschaftsdelegation, die Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in der Türkei begleiten durfte. „Richtigen Stolz empfand ich da, dass Deutschland mich zum Repräsentanten in der Heimat meiner Eltern macht“, sagt der Unternehmer: Stolz nicht nur auf sich selbst, sondern auch „stolz auf Deutschland, dass so etwas möglich ist“. Ein schöneres Kompliment kann ein Zuwanderer der zweiten Generation seiner neuen Heimat kaum machen.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.05.2010, 19:11 UhrAnonymer Benutzer: Markus

    da stimme ich ihnen zu. Leider bewahrheiten sich Vorurteile stets und immer wieder auch wenn dieser bericht etwas anderes Vermuten lassen soll. Die traurige Ausnahme sind beispiele wie in diesem Artikel, die Regel allerdings ihre Schilderungen :-(

  • 11.07.2009, 20:31 UhrAnonymer Benutzer: Gaby

    ich kann nur sagen was ich eben mal wieder mit türkischen jungen Männern erlebt habe. ich fuhr mit meiner Mutter im bus nach Hause, und wurde beim Einsteigen schon massiv von ihnen ange-rempelt und danach als deutsche Hure und deutsche Schlampe be-schimpft. Weder kenne ich diese Typen, noch habe ich ihnen eine Veranlassung hierzu gegeben. Auch muslemische Frauen rempeln permanent deutsche Frauen an und beschimpfen uns. Was müssen wir uns hier in Deutschland eigentlich alles gefallen lassen?
    ich sage immigranten ja, aber sie müssen sich integrieren und benehmen, ansonsten sollte man sie zurück in ihr Land schicken.

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