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Immobilien: Die wahren Ursachen der neuen Wohnungsnot

von Konrad Fischer und Max Haerder

Der Preisschock in den Städten erreicht den Bundestagswahlkampf. Regierung und Opposition ringen darum, wer die Bürger am besten vor steigenden Mieten beschützt. Allerdings könnte der Wettbewerb um Menschen, Mieten, Eruptionen nach hinten losgehen. Klüger wäre es, sich den Aufschwung zum Verbündeten zu machen – für eine zeitgemäße Stadtpolitik.

Platz 15: Düsseldorf

Wer sich in der Landeshauptstadt eine schicke Eigentumswohnung zulegen möchte, um es an den Wochenenden nicht weit für einen Spaziergang an der Rheinpromenade zu haben, der musste im Schnitt 2,821 Euro pro Quadratmeter investieren – fast 20 Cent mehr als im ersten Quartal des vergangenen Jahres. Damit ging es für das „Dorf“ mit der längsten Theke der Welt zwei Plätze rauf.

Quelle: Grundlage sind Berechnungen des Beratungsunternehmens empirica für das vierte Quartal 2012. Das Referenzobjekt ist ein Neubau mit 60 bis 80 Quadratmetern und gehobener Ausstattung.

Bild: dpa

Das schöne Schöneberg ist nur des Schrecklichen Anfang. Jan-Marco Luczak weiß nicht, wann genau es damit anfing, es spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Es ist einfach da, das Thema. Im Büro sowieso, aber auch in vielen Gesprächen mit Freunden, mit Bekannten, mit Wählern, er ist ja schließlich vom Fach. Immer geht die gleiche Klage: Alles so schwierig, alles so begehrt. Die Suche – sie dauert. Was da manchmal angeboten wird! Und die Preise – ach, hör doch auf!

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Luczak sitzt für die CDU im Deutschen Bundestag, und sein Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg wurde vom Wirbel auf dem Wohnungsmarkt erfasst. Berlin, das so gerne eine ganz große Weltmetropole sein möchte, erlebt wenigstens bei den Mietpreisen schon mal den ganz großen Rausch. Arme Hauptstadt, das war einmal: Immobilien kosteten hier Ende 2012 im Schnitt rund 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Mieten stiegen um neun Prozent. In manchen der gepflegten, ruhigen und gut gelegenen Altbauzüge Schönebergs sind die Preise sogar noch viel extremer geklettert.

Die Wahrheit ist viel härter

Kaum eine Bürgersprechstunde Luczaks vergeht jetzt ohne Fragen und Klagen. Er ist Mietrechtsexperte seiner Fraktion, wann immer er in Talkshows dazu Stellung bezieht, kommen die Briefe. Zum Beispiel jener aus München. Der Absender empört sich darin über Provisionen, die abgezockte Vermieter mittlerweile selbst verlangen, "quasi als kleines Bestechungsentgelt, da ja kein Makler im Spiel war".

Ein Zettel mit der Aufschrift "2000,-- Euro Belohnung für Vermittlung einer 3-4 Zimmer Wohnung in Haidhausen" hängt am 18.01.2013 in München Quelle: dpa
Die Mieten in Metropolen wie München werden immer teurer, aber nur wenige können sich das noch leisten Quelle: dpa

Die Wirklichkeit ist viel härter als die Debatten im Parlament. Die einen finden kein Dach überm Kopf, die anderen müssen immer mehr dafür bezahlen. Studenten in Hamburg schlafen in Turnhallen auf Gymnastikmatten, in Nordrhein-Westfalen werden leere Polizeistationen umfunktioniert. Egal, welche Großstadt: Die Mieten steigen seit mehreren Jahren. In München müssen mittlerweile mehr als zwölf Euro pro Quadratmeter kalt bezahlt werden – die Prognosen sagen: Bald sind es mehr als 13. Luczak ist sich sicher: "Das wird ein Wahlkampfthema." Explodierende Mieten und luxuriöse Neubauten, Ärger über Makler und Wohnungsnot, all das hat das Potenzial, im Bundestagswahljahr eine alte soziale Frage neu zu stellen: Was müssen vier Wände kosten, bevor die Politik zur Rettung schreitet?

Wohnungsnot: Wohnungsnot: Immobilienwirtschaft warnt vor Mietpreis-Deckelung

Trotz stark gestiegener Mieten in deutschen Städten warnt die Wohnungsbranche vor gesetzlichem Aktionismus: „Mit Hilfe von gedeckelten Mietpreisen wird keine einzige Wohnung zusätzlich gebaut – im Gegenteil“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, der WirtschaftsWoche.

Wohnungsnot::  Immobilienwirtschaft warnt vor Mietpreis-Deckelung

Parteien streiten um die Mieter

Deutschland ist schließlich – verglichen mit den europäischen Nachbarn – ein Mieterland. Hinter mehr als jeder zweiten Wohnungstür leben potenziell betroffene Wähler, da will sich niemand eine zu ruhige Hand nachsagen lassen. Schwarz-Gelb hat deswegen noch kurz vor Weihnachten eine Mietrechtsnovelle vorgelegt, samt einer im Hauruckverfahren verschärften Preisbremse für Bestandsmieten. Das, sagt Luczak, sei angesichts der Lage in Boombezirken wie seinem "gut und richtig". In den Ländern bereiten SPD-geführte Regierungen über den Bundesrat eigene Mieterschutz-Initiativen vor. Und der sozialdemokratische Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat das Thema zu einem seiner zentralen Wahlkampfschlager auserkoren: Bei Mieten und Wohnen soll die soziale Gerechtigkeit zu ihrem Recht kommen. Und er selbst zu Treffern gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.01.2013, 09:16 UhrB.Giertz

    Wir dhier nicht irgendwie vergessen, das mal aus steuerlichen Gründen Bürogebäude am Fliesband gebaut wurden, die teilweise heute noch leerstehen ...

  • 27.01.2013, 14:16 UhrPitgiss

    Das mit der Natur halte ich für ein Scheinargument. In Wirklichkeit ist das alles noch viel perfider: 1. Der Staat hat das Baulandmonopol. Er entscheidet, wo und wie gebaut wird. Mit Vitamin B geht da auch heute noch ziemlich viel. 2. Sinkende Immobilienpreise sind geldwirtschaftlich gesehen eine Katastrophe. Das hieße nämlich, dass viele langlaufende Immobilienkredite notleidend würden. Was das heißt ist: Deflation, Bankpleiten, Krise. 3. Der jetzt einsetzende Preisanstieg ist meiner Meinung nach hauptsächlich auf Kapitalzuflüsse von extern aufgrund der Finanzkrise zurück zu führen. Viel Schwarzgeld, aber auch viel Geld aus Staatsfonds ist unterwegs und sucht nach sicherer Anlagemöglichkeit. Und in Deutschland ist die Wirtschaft immer noch ein Quentchen besser als anderswo und die Preise sind immer noch ein bisschen besser....

  • 24.01.2013, 13:11 UhrMenschenZeitung

    Ich zitiere mal:Ein kleines Beispiel von Tausenden: Ich darf meinem Mieter das Rauchen in seiner (meiner) Wohnung nicht verbieten. Fühlt sich der Mietnachbar nebenan durch diesen Rauch belästigt, darf der seine Miete kürzen.

    Also, auf den Punkt gebracht: Ich kann nur davor warnen, in diesem Land in Mietwohnungen zu investieren. Dann besser im Ausland investieren.Zitatende

    Ja bitte, investieren Sie im Ausland. Verbieten Sie Ihren Mietern eigentlich auch den Kaffe? Ich als Nachbar würde nämlich gegen Kaffeegeruch die Miete kürzen, davon wird es mir schlecht, wenn ich gerade wach werde. Und gegen Alkoholiker im Haus würde ich Ihnen auch versuchen die miete zu kürzen, übrigens, Kindern sind ja nun absolut grauenvoll... und Haustiere erst.

    Wie sie sehen, habe ich eine gewisse Vorstellung von Ihnen als Vermieter und empfehle Ihnen, die Miete um 100% zu steigern, damit am besten nur ökogrüne Körner menschen bei Ihnen einziehen, wobei, gegen Krümel im Hausflur habe ich auch etwas...Bin ich froh, dass mir mein Häuschen gehört. Mieter tun mir echt leid!

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