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Immobilien: Die wahren Ursachen der neuen Wohnungsnot

23. Januar 2013
von Konrad Fischer und Max Haerder

Der Preisschock in den Städten erreicht den Bundestagswahlkampf. Regierung und Opposition ringen darum, wer die Bürger am besten vor steigenden Mieten beschützt. Allerdings könnte der Wettbewerb um Menschen, Mieten, Eruptionen nach hinten losgehen. Klüger wäre es, sich den Aufschwung zum Verbündeten zu machen – für eine zeitgemäße Stadtpolitik.

Das schöne Schöneberg ist nur des Schrecklichen Anfang. Jan-Marco Luczak weiß nicht, wann genau es damit anfing, es spielt jetzt auch keine Rolle mehr. Es ist einfach da, das Thema. Im Büro sowieso, aber auch in vielen Gesprächen mit Freunden, mit Bekannten, mit Wählern, er ist ja schließlich vom Fach. Immer geht die gleiche Klage: Alles so schwierig, alles so begehrt. Die Suche – sie dauert. Was da manchmal angeboten wird! Und die Preise – ach, hör doch auf!

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Luczak sitzt für die CDU im Deutschen Bundestag, und sein Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg wurde vom Wirbel auf dem Wohnungsmarkt erfasst. Berlin, das so gerne eine ganz große Weltmetropole sein möchte, erlebt wenigstens bei den Mietpreisen schon mal den ganz großen Rausch. Arme Hauptstadt, das war einmal: Immobilien kosteten hier Ende 2012 im Schnitt rund 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Mieten stiegen um neun Prozent. In manchen der gepflegten, ruhigen und gut gelegenen Altbauzüge Schönebergs sind die Preise sogar noch viel extremer geklettert.

Die Wahrheit ist viel härter

Kaum eine Bürgersprechstunde Luczaks vergeht jetzt ohne Fragen und Klagen. Er ist Mietrechtsexperte seiner Fraktion, wann immer er in Talkshows dazu Stellung bezieht, kommen die Briefe. Zum Beispiel jener aus München. Der Absender empört sich darin über Provisionen, die abgezockte Vermieter mittlerweile selbst verlangen, "quasi als kleines Bestechungsentgelt, da ja kein Makler im Spiel war".

Ein Zettel mit der Aufschrift "2000,-- Euro Belohnung für Vermittlung einer 3-4 Zimmer Wohnung in Haidhausen" hängt am 18.01.2013 in München Quelle: dpa
Die Mieten in Metropolen wie München werden immer teurer, aber nur wenige können sich das noch leisten Quelle: dpa

Die Wirklichkeit ist viel härter als die Debatten im Parlament. Die einen finden kein Dach überm Kopf, die anderen müssen immer mehr dafür bezahlen. Studenten in Hamburg schlafen in Turnhallen auf Gymnastikmatten, in Nordrhein-Westfalen werden leere Polizeistationen umfunktioniert. Egal, welche Großstadt: Die Mieten steigen seit mehreren Jahren. In München müssen mittlerweile mehr als zwölf Euro pro Quadratmeter kalt bezahlt werden – die Prognosen sagen: Bald sind es mehr als 13. Luczak ist sich sicher: "Das wird ein Wahlkampfthema." Explodierende Mieten und luxuriöse Neubauten, Ärger über Makler und Wohnungsnot, all das hat das Potenzial, im Bundestagswahljahr eine alte soziale Frage neu zu stellen: Was müssen vier Wände kosten, bevor die Politik zur Rettung schreitet?

Wohnungsnot: Immobilienwirtschaft warnt vor Mietpreis-Deckelung

Trotz stark gestiegener Mieten in deutschen Städten warnt die Wohnungsbranche vor gesetzlichem Aktionismus: „Mit Hilfe von gedeckelten Mietpreisen wird keine einzige Wohnung zusätzlich gebaut – im Gegenteil“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, der WirtschaftsWoche.

Wohnungsnot::  Immobilienwirtschaft warnt vor Mietpreis-Deckelung

Parteien streiten um die Mieter

Deutschland ist schließlich – verglichen mit den europäischen Nachbarn – ein Mieterland. Hinter mehr als jeder zweiten Wohnungstür leben potenziell betroffene Wähler, da will sich niemand eine zu ruhige Hand nachsagen lassen. Schwarz-Gelb hat deswegen noch kurz vor Weihnachten eine Mietrechtsnovelle vorgelegt, samt einer im Hauruckverfahren verschärften Preisbremse für Bestandsmieten. Das, sagt Luczak, sei angesichts der Lage in Boombezirken wie seinem "gut und richtig". In den Ländern bereiten SPD-geführte Regierungen über den Bundesrat eigene Mieterschutz-Initiativen vor. Und der sozialdemokratische Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat das Thema zu einem seiner zentralen Wahlkampfschlager auserkoren: Bei Mieten und Wohnen soll die soziale Gerechtigkeit zu ihrem Recht kommen. Und er selbst zu Treffern gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Kommentare | 16Alle Kommentare
  • 23.01.2013, 09:28 UhrStein

    Der nächste Mietentreiber wird die von SPD und Grünen geforderte Wiedereinführung der Vermögensteuer.Die grossen Geldvermögen bekommen sie nicht besteuert,weil die längst im Ausland sind.Die Betriebsvermögen wollen sie schonen,also wird es die Immobilienbesitzer treffen und die werden diese Belastung nicht selbst tragen sondern mit etwas Zeitverzug auf die Mieten umlegen oder eben nicht weiter in Immobilien investieren.Beides erhäht die Mieten.Man könnte diese Argumentationskette noch auf die hohen Baukosten,die Auflagen,die Abschaffung der steuerlichen Förderung,die Energiewende ausdehnen,aber was bringt das?Die Linken handeln nach ihrem Weltbild,nehmt es den Reichen und verteilt es.Viel Spass damit,sie werden damit auch Deutschland schnell nach unten bringen.

  • 23.01.2013, 11:20 Uhrbond

    es liegt an den Kommunen selbst mehr Bauland auszuweisen als nachgefragt wird. Was passiert die Preise sinken. Aber nein man hat vor der Stadt ja Bäume, Wald und Felder oder Biotope die geschützt werden müssen. Somit steigen die Preise immer weiter, weiter, weiter

  • 23.01.2013, 11:28 UhrEinBuerger

    "Deutschland ist in Gegensatz zu den europäischen Nachbarn ein Mieterland."

    Das ist genau die Ursache des Problem, an dem über lange Jahre alle Parteien gemeinsam schuld waren und sind (exzessiver Mieterschutz, zu wenig Förderung des eigenen Wohneigentums).

    SPD + Grüne wollen jetzt den privaten Mietwohnungsbau praktisch ganz eliminieren um die Wohnungswirtschaft dann nach sozio-kommunistischer Art in "bewährte" staatliche Hände zu legen.

    Und übrigens:
    Da für Viele Mieten günstiger war als selbst zu Kaufen haben diese Bürger das Geld zur Bank gebracht - Geld das dann unwiederbringlich zum ClubMed geflossen ist. Danke, verehrte deutsche Politiker!

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