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Indien: Kräftig ausweiten

von matthias.kamp@wiwo.de

Nach China nehmen ausländische Unternehmen nun den Investitionsstandort Indien ins Visier. Allerdings machen gesetzliche Beschränkungen und strukturelle Defizite den Investoren noch den Einstieg schwer.

AP
Indien: Die Skepsis gegenüber der Globalisierung macht neuer Zuversicht Platz

Die Folklore-Gruppe hat ihre Darbietung beendet, es wird still, und Frank Strauß betritt die Bühne im Garten des Sheraton-Hotels von Kalkutta. Er zieht ein Tuch über einem großen Schild zur Seite, die rund 150 Gäste sehen ein blaues Quadrat, darin ein blauer ansteigender Balken auf weißem Grund. „Die achte Deutsche-Bank-Filiale in Indien ist hiermit eröffnet“, verkündet Strauß, zuständig für Privat- und Geschäftskunden der Bank in der Region Asien-Pazifik. Dazu donnern ein Dutzend Lautsprecher die Fanfaren des Popsongs „The Final Countdown“ in den Nachthimmel über dem Golf von Bengalen. Etwa 40 Mitarbeiter werden in der neuen Niederlassung an der Shakespeare Sarina in der Innenstadt von Kalkutta arbeiten. Um rund 25 Prozent ist die Kreditvergabe in Indien im vergangenen Jahr gestiegen, das Privatkundengeschäft legte sogar um 41 Prozent zu. Davon will sich die Deutsche Bank eine Scheibe abschneiden. In ihren Indien-Filialen beschäftigt sie bereits 600 Mitarbeiter, Schwerpunkt ist das Anlagegeschäft. „Wir wollen beim Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden kontinuierlich wachsen“, betont Strauß. Andere ausländische Konzerne auch. Stand bisher China im Mittelpunkt der Investitionsstrategien der Unternehmen, rückt nun zunehmend auch Indien in ihren Fokus: Allein in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres haben Unternehmen aus Europa und den USA hier Investitionen in Höhe von 19 Milliarden Dollar für die kommenden Jahre angekündigt. Bisher flossen jedes Jahr zwischen vier und sechs Milliarden Dollar ausländische Direktinvestitionen nach Indien. „Da müssen jedes Jahr noch zwölf Milliarden Dollar drauf“, meint Montek Singh Ahluwalia, stellvertretender Vorsitzender der staatlichen Planungskommission und ein enger Berater von Premierminister Manmohan Singh. China, der große Nachbar im Norden und die unangefochtene Nummer eins unter den Investitionsstandorten, verbuchte im vergangenen Jahr gut 62 Milliarden Dollar an ausländischen Direktinvestitionen. Nach jüngsten Erhebungen der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney ist Indien inzwischen das zweitattraktivste Ziel für Direktinvestitionen noch vor den USA. Vor allem die niedrigen Lohnkosten und das riesige Reservoir an gut ausgebildeten, Englisch sprechenden Fachkräften sorgen für steigendes Interesse. Bei der Herstellung von Maschinen, medizinischen Geräten oder Elektrogeräten lassen sich in Indien zwischen 40 und 60 Prozent der Kosten sparen. Dazu kommt, dass Indien, nachdem es bisher vor allem als Outsourcing-Standort für Dienstleistungen gefragt war, zunehmend an Attraktivität für die verarbeitende Industrie gewinnt.

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