Industrierabatte: Thüringen stellt sich quer

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Industrierabatte: Erster Erfolg Gabriels bei der Energiewende

Thüringen stellt sich quer

Drei große Trassen hat die Bundesnetzagentur definiert, mit denen Windstrom aus Norddeutschland in den Süden transportiert werden soll. Im Westen führte eine Strecke von der Küste bis ins Ruhrgebiet, im Osten geht es von Mecklenburg nach Bayern. Doch Thüringen stellt sich quer, weil die Landesregierung schon genug Proteste mit der seit Jahren stockend im Bau befindlichen „Thüringer Strombrücke“ hat. „Wenn jetzt noch eine Hochspannungs-Gleichstromleitung dazu kommt, werden die Thüringer richtig sauer“, heißt es skeptisch im Kanzleramt.

Zubau von Solaranlagen seit 2012

Zubau von Solaranlagen seit 2012

Überflüssig, das haben hochrangige Energieexperten der Bundesregierung inzwischen durchkalkuliert, ist dagegen die Sued-Link genannte Stromautobahn, die vom Norden mitten durch Deutschland bis zum Kernkraftwerk Grafenrheinfeld im nordwestlichen Bayern führt. Aufgrund der Neuausrichtung der Energiewende und des langsameren Windausbaus auf See wird sie erst mal nicht gebraucht. Fast ein wenig tragisch: Politisch war diese Trasse bislang kein großes Problem – schon deshalb, weil sie nur 30 Kilometer auf bayrischem Territorium verläuft.

Braunkohlekraftwerke produzieren am günstigsten

Horst Seehofer, der Ministerpräsident in München, fürchtet, großflächige Bürgerproteste könnten die wiedergewonnene Allmacht der CSU aufs Neue gefährden. Vielmehr stört ihn deshalb die Südost-Passage genannte Leitung aus Sachsen. Es sei den Bürgern des Freistaats nicht zu vermitteln, dass ihre schöne Landschaft auf etwa 250 Kilometer durch eine Trasse zerschnitten wird, auf der Schmuddelenergie aus Braunkohle fließt. Das Problem: Die Südost-Passage ist energietechnisch sinnvoll, weil sie einerseits Windstrom aus dem Norden heranführen kann, aber eben auch sicheren Ersatzstrom aus Braunkohle, falls mal Flaute herrscht.

Wie das EEG funktioniert

  • Gibt es Unsicherheiten?

    Die Netzbetreiber schätzen ab, wie sich die Lage im Folgejahr entwickelt: Wie viel erneuerbare Energie kommt hinzu? Wie entwickelt sich der Marktpreis? Wie vielen Industriebetrieben werden Ausnahmen gewährt, die die übrigen Verbraucher belasten? Außerdem wird noch eine Liquiditätsreserve eingeplant.

  • Was wird finanziert?

    Die EEG-Umlage wird erhoben, weil Betreiber von Anlagen für Solarenergie, Windkraft oder Biogas eine auf 20 Jahre festgelegte Bezahlung je Kilowattstunde (kWh) Strom bekommen. Je niedriger der Börsenpreis für Strom ausfällt, desto größer ist die Differenz, die durch die Umlage von den Verbrauchern finanziert werden muss. Je mehr Industriebetriebe zudem von der Umlage befreit sind, desto stärker steigen die Kosten für die verbleibenden Zahler.

  • Wie wird gerechnet?

    Die Umlage wird jeweils am 15. Oktober fürs Folgejahr bekannt gegeben. Berechnet wird sie von den Netzbetreibern auf Basis der Septemberdaten – ausgehend davon, wie viele Anlagen für Erneuerbare am Netz hängen und welcher Börsenpreis für Strom erwartet wird.

Genau deshalb drängt Sachsen auf den Bau dieser insgesamt relativ kurzen Strippe. Damit ließe sich sicherstellen, dass seine heimische Braunkohle weiter im Geschäft bleibt und halb Süddeutschland versorgen könnte. „Braucht man überhaupt neue Kraftwerke?“, fragt der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) rhetorisch. „Wir haben in Sachsen genug Kapazitäten. Wenn wir die Braunkohle länger nutzen, können wir uns einen Teil des Leitungsbaus sparen“, wirbt er. Auch brauche man künftig „marktwirtschaftliche Lösungen und nicht noch mehr Subventionen“, verlangt der Regierungschef aus Dresden. Kein Wunder: Dank des Überangebots an Ökostrom und der verfallenen Preise für die CO2-Verschmutzungsrechte sind derzeit Braunkohlekraftwerke die günstigsten konventionellen Stromlieferanten.

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Unterstützung kommt aus einem westlichen Kohleland. „Die bisherigen Vorschläge zu Kapazitätsmärkten sehe ich skeptisch“, sagt die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). „Die überzeugen mich nicht, weil sie noch mehr Subventionen bedeuten würden. Ich möchte sowohl bei den erneuerbaren Energien als auch bei konventionellen Reservekraftwerken eine Marktintegration, also eine marktwirtschaftliche Lösung, statt Subventionen.“

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