Industrieverband: Neuer BDI-Chef Keitel ist in Berlin gut verdrahtet

Industrieverband: Neuer BDI-Chef Keitel ist in Berlin gut verdrahtet

Bild vergrößern

Hans-Peter Keitel: Der langjährige Vorstandsvorsitzende des Bauriesen Hochtief soll Chef des BDI werden

Der langjährige Vorstandsvorsitzende des Bauriesen Hochtief soll Chef des BDI werden. Die WirtschaftsWoche stellt den neuen starken Mann des Industrieverbandes vor.

Der Ruf kam überraschend. Vor wenigen Wochen fragte BDI-Chef Jürgen Thumann seinen Stellvertreter Hans-Peter Keitel, ob er ihn zum Nachfolger vorschlagen könnte. Keitel erbat sich zuerst Bedenkzeit. „Das Amt ist in der entscheidenden Phase vor der Bundestagswahl 2009 und mehreren Landtagswahlen eine große Herausforderung“, sagt der 61-Jährige jetzt. Der zukünftige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie steht seit 2005 an der Spitze des Hauptverbandes der Deu tschen Bauindustrie.

Beim BDI bedeutet die Personalie einen Einschnitt: Noch-Präsident Thumann war im BDI wegen geringer Durchsetzungskraft umstritten. Außerdem galt er Kritikern im großindustriell dominierten BDI zu sehr als Mann des Mittelstandes und als zu wenig vernetzt in der Politik. Ganz anders Keitel: Der hatte schon vor seinem Amtsantritt beim Bauindustrie-Verband in Berlin hervorragende Kontakte. Als langjähriger Chef des größten deutschen Bauunternehmens Hochtief weiß Keitel schon lange, wie wichtig für die Infrastrukturindustrie Bau Verbindungen zur politischen Szene sind.

Anzeige

Der promovierte Ingenieur Keitel startete seine Karriere 1975 bei der Ingenieurgesellschaft Lahmeyer – damals wie Hochtief eine Beteiligung des Stromversorgers RWE. Seine ersten Sporen verdiente er sich bei Wasserbau- und Infrastrukturprojekten in Lateinamerika. Später war er Kontaktmann zum Bankenkonsortium für den Kanaltunnel. 1988 wechselte Keitel zu Hochtief; vier Jahre später übernahm er den Chefposten.

Früh erkannte er, dass die Zukunft von international operierenden Baukonzernen nicht allein im Kerngeschäft Bau liegt, sondern in Dienstleistungen wie Gebäudemanagement oder in sogenannten Public-Private-Partnership-Projekten, bei denen die privaten Investoren Schulen, Kasernen oder Autobahnen betreiben. Im vergangenen Jahr schied Keitel überraschend bei Hochtief aus. Seine Bilanz konnte sich sehen lassen: Die Bauleistung war mehr als fünfmal so hoch wie beim Einstieg 1992.

Seine Ziele

Den Ruf eines strategischen Kopfes hat sich Keitel bei Hochtief erworben. Er trimmte das einstmals klassische Bauunternehmen zu einem weltweiten Baudienstleister, der zum Beispiel nicht nur Flughäfen errichtet, sondern anschließend auch betreibt. Auch beim BDI will Keitel vorausdenken und vor allem die Chancen der Globalisierung herausarbeiten. Dabei nimmt er den Strukturwandel nicht nur in Kauf, sondern will ihn aktiv gestalten. Sein Credo lautet: „Am Markt überleben heißt sich ändern!“ Der in Berlin übliche Kampf um alte Pfründe müsste dem künftigen BDI-Präsidenten folglich ein Gräuel sein. Der Marktwirtschaft und der ihr zugrunde liegenden Ordnungspolitik dürfte ein solcher Spitzenfunktionär wohltun.

In aussichtslosen Gefechten will sich Keitel aber nicht verzetteln. Das zeigt schon, dass er in seiner angestammten Baubranche den Mindestlohn pragmatisch akzeptierte. An der Spitze des BDI, dem Dachverband der gesamten deutschen Industrie, muss Keitel zum Mindestlohn nun wohl eine andere Einstellung finden.

Seine Vorbilder

Bertholt Beitz: Ein Mann mit Quelle: dpa

Bertholt Beitz: Ein Mann mit Größe und klarem Kopf

Bild: dpa

Begeistert hatte Keitel in frühen Jahren sein Onkel Hans Blind, ein Professor für Wasserbau, der seine Studenten mit Praxisbezügen begeisterte. Ganz anders ist Martin Kohlhaussen. Am früheren Commerzbank-Chef und heutigen Aufsichtsratschef bei Hochtief fasziniert den designierten BDI-Präsidenten ein Pflichtbewusstsein, das sich aus der protestantischen Ethik speist.

Ehrfurcht zeigt Keitel gegenüber Berthold Beitz, dem großen alten Herrn der Krupp-Stiftung in Essen. Denn der habe auch in schwierigen unternehmerischen wie politischen Zeiten stets klaren Kopf bewahrt und als Lebensretter von Juden im von den Nationalsozialisten besetzten Polen Mut und wahre Größe gezeigt.

Zu seinen Idolen zählt Jazzpianist Keitel schließlich Daniel Barenboim. Für Keitel ist Barenboim nicht nur der begnadete Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, sondern auch der Friedensaktivist, der die Musik zur Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern nutzen will.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%