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Insolvenz: Landtag aktiviert Millionen für Nürburgring

Der Haushalts- und Finanzausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags stellt weitere 254 Millionen Euro für den insolventen Nürburgring bereit.

Der von 2007 bis 2009 gebaute Freizeit-, Gastronomie- und Hotelkomplex an der weltbekannten Rennstrecke in der Eifel wurde mit öffentlichen Mitteln finanziert, weil private Geldgeber absprangen. Statt der veranschlagten 150 kostete das Projekt rund 330 Millionen Euro. Weil der Freizeitpark rote Zahlen schreibt, diskutieren rheinland-pfälzische Politiker dessen Schließung.

Das Land Rheinland-Pfalz stellt für den insolventen Nürburging mehrere Hundert Millionen Euro aus einer Rücklage bereit und kommt damit seinen Pflichten als Bürge nach. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Mainzer Landtags genehmigte am Mittwoch 254 Millionen Euro für die Rennstrecke samt Vergnügungspark. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen beschlossen gegen die Stimmen der oppositionellen CDU die Aktivierung der millionenschweren Haushaltsrücklage. Die CDU macht rechtliche Bedenken geltend und wirft Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) Missmanagement vor.

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Mit der Rücklage bürgt das Land für einen Kredit in Höhe von 330 Millionen Euro der insolventen staatlichen Nürburgring GmbH bei der landeseigenen Investitions- und Strukturbank (ISB). Nach Angaben von Finanzminister Carsten Kühl (SPD) sind noch weitere unplanmäßige Ausgaben in Höhe von 59,5 Millionen Euro einzukalkulieren.

CDU wollte Entscheidung verschieben

Die CDU verlangte vergeblich eine Verschiebung der Entscheidung, um Rechtsklarheit zu bekommen. Sie geht davon aus, dass der Kredit und auch die Rücklage gegen das Wettbewerbsrecht der EU-Kommission verstoßen. Die Fraktion warnte die Mitarbeiter der Landesregierung, dass sie sich bei der Umsetzung des Parlamentsbeschlusses der Untreue strafbar machen könnten. Das Finanzministerium wies das zurück. „Ich werde eine rechtssichere Entscheidung treffen“, versicherte Kühl. Gutachten dazu seien gerade in der Arbeit und würden bald dem Landtag vorgestellt.

Auch aus einer Stellungnahme der Bundesregierung gehe hervor, dass Fördermaßnahmen der ISB nicht dem Beihilferecht unterliegen. Zudem sei bei der Aktivierung der Rücklage Eile geboten, um die anfallenden Zinsen so gering wie möglich zu halten. Laut Ministerium verursacht jeder Tag, an dem das Darlehen nicht bedient wird, Kosten von 47.000 Euro für das Land. Die Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Julia Klöckner, warf der Landesregierung erneut Täuschung vor. „Der Wahrheitsgehalt der Aussagen der Landesregierung zum Thema Nürburgring seit 2007 gegenüber Parlament, Presse und Öffentlichkeit passt, wenn man groß schreibt, gerade mal auf eine Zehn-Cent-Briefmarke“, sagte Klöckner.

Plenarsitzung am Nachmittag

Der Nürburgring mit seiner Erlebniswelt musste Insolvenz anmelden, weil die EU-Kommission sich weigerte, bis Ende Juli über eine Rettungsbeihilfe des Landes in Höhe von 13 Millionen Euro zu entscheiden. Außerdem blieben Pachtzahlungen der mittlerweile gekündigten privaten Betreiber aus. Regierungschef Beck, der anders als sonst an der Ausschusssitzung teilnahm, war wegen der Nürburgring-Affäre stark in die Kritik geraten. Er hatte immer versichert, das Engagement an der Rennstrecke werde die Steuerzahler nichts kosten.

Am Nachmittag kommt der Mainzer Landtag zu einer Sondersitzung zusammen. Die Vorgänge am Nürburgring sind hoch umstritten. Nachdem eine Privatfinanzierung des Vergnügungsparks scheiterte, subventionierte das Land den Bau mit mindestens 486 Millionen Euro. Diese werden gerade von der EU in einem Beihilfeverfahren geprüft und sind möglicherweise rechtswidrig in die Eifel geflossen. Die erwarteten Besucherzahlen wurden am Nürburgring nie erfüllt, wenige Jahre nach der Eröffnung der Erlebniswelt schlossen die privaten Betreiber einige Teile bereits wieder.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.08.2012, 17:28 UhrChlodwig

    Eigentlich ist Herr Beck jetzt viel zu teuer für
    den Steuerzahler geworden.
    Es ist eine Unverschämheit, das der Steuerzahler
    nun für Becks versagen zahlen muss.

  • 01.08.2012, 15:23 Uhrwolfi-baerli

    Eine merkwürdige Republik sind wir: Wenn ein Bundesprfäsidentg einen günstigen Zinssatz für seinen Hauskredit bekommt, zwingen ihn die Medien zum Rücktritt. Wenn ein Ministerpräsident einige 100 Mio. Steuergfelder versemmelt, bleibt er im Amt.

    Universitäten das Geld entziehen, Familienzuschläge halbieren, alle möglichen "Kostendämpfungen" auf dem Rücken der Landesbediensteten aushecken - Kurti, mach ruhgig weiter, Du weißt ja, wir zahlen's gerne!

  • 01.08.2012, 14:57 Uhrzarromanowski

    Wiedereinmal zeigt sich im politischen System der BRD, wohin die Haftungslosigkeit der Verantwortlichen Politiker in diesem Staat führt - der Steuerzahler bezahlt die Zeche für deren Unfähigkeit ökonomisch sinnvoll zu handeln.
    Die politische Immunität der verantwortlichen Politiker für diesen Flopp,muß endlich aufgehoben werden. Beck und Konsorten müssen in die persönliche Haftung und Beck muß auf HartzIV-Niveau gestutzt werden. Wer erdet endlich diesen Elektrolehrling?

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