Institutionen: Stiftungen hadern mit den Auswirkungen der Finanzkrise

Institutionen: Stiftungen hadern mit den Auswirkungen der Finanzkrise

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Deutsche Stiftungen kämpfen auch 2010 mit den Folgen der Finanzkrise. Sie müssen sparen - das heißt weniger Geld für neue Stipendienprogramme, Kindergärten und karitative Einrichtungen. Mehr Zusammenarbeit soll nun helfen.

Sinn für das große Ganze, das war für Jochen Schoeller immer selbstverständlich. Bei allen sozialen Problemen heutzutage, sagt der Unternehmer, „muss man doch was tun“. Und Schoeller tut tatsächlich was, aus Tradition sogar: Er sitzt im Vorstand der Caesar Schoeller-Stiftung in Düren, einem 90.000-Einwohner-Städtchen rund 45 Kilometer westlich von Köln. Die Stiftung, ursprünglich ein Knabenhort, hat sein Ururgroßvater gegründet. Sie verdankt ihr heutiges Vermögen dem Verkauf eines Grundstücks, auf dem einst die Tuchfabrik des Ahnen stand.

Ein Vermögen allerdings, das nicht so sicher war wie gedacht. Zeitweilig schrumpfte es im vergangenen Jahr um gut ein Drittel, und die Erträge litten mit. Also musste Jochen Schoeller Ausgaben streichen, wenn auch schweren Herzens. Statt der gewohnten 12.000 Euro konnte er 2009 nur noch knapp 10.000 Euro ausschütten. Auch in diesem Jahr muss er mit dieser Summe auskommen – anderen wird das Geld fehlen. Ein Kindergarten in Düren und die evangelische Gemeinde des Ortes bekommen nun weniger vom sonst so verlässlichen Gönner. „Was nicht mehr da ist“, sagt er, „kann man eben nicht ausgeben.“

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So wie Jochen Schoeller geht es derzeit vielen Stiftungslenkern. Deutschlandweit verwalten die rund 16.500 Stiftungen, konservativ geschätzt, ein Vermögen von rund 100 Milliarden Euro. Doch insgesamt dürften bei den Stiftungen zwischen sechs und zehn Milliarden Euro durch die Finanzkrise vernichtet worden sein. Insgesamt, sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, sei damit die Krise noch glimpflich verlaufen: „Große Verluste hat es nur bei wenigen Stiftungen gegeben.“

Geld fließt nicht mehr so üppig

Vor der Krise konnten sie mit jährlichen Fördermitteln von durchschnittlich 15 Milliarden Euro Gutes tun. Nun fließt das Geld nicht mehr so üppig. Dabei wären die Wohltaten der Stiftungen als Korrektiv des hoch verschuldeten Sozialstaats wichtiger denn je. Deshalb suchen sie nach Wegen, auch mit knappen Budgets ihrem Stiftungszweck nachzukommen. Und sie ziehen Lehren aus der Krise: Anlagestrategien werden überdacht und Kooperationen angeschoben.

Tabelle: Deutsche Stiftungen

Tabelle: Deutsche Stiftungen

Zwar hat sich im aktuellen Börsenhoch so manches Stiftungskapital erholt. Doch ein Problem bleibt: Das historisch niedrige Zinsniveau drückt insbesondere in risikoarmen Anlageklassen auf die Erträge und damit die Fördermittel. Die Folge: Neue Projekte werden aufgeschoben. Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers rechnet jede dritte Stiftung in Deutschland damit, 2010 weniger Geld ausschütten zu können. Jede zweite will ihre Projektbudgets strenger prüfen.

Was bleibt, ist abspecken zulasten des Sozialen: So muss die Landesstiftung Baden-Württemberg ihre Fördermittel in diesem Jahr auf rund 30 Millionen Euro herunterschrauben. Noch 2008 hatte das Volumen bei 50 Millionen Euro gelegen. Bewährte Projekte wie das Baden-Württemberg-Stipendium für den Studentenaustausch zwischen Landes- und internationalen Partnerhochschulen oder die Stiftung Kinderland für Bildungsprojekte müssen sparen. Bei der Hertie-Stiftung, mit rund 800 Millionen Euro Vermögen Deutschlands zehntgrößte Stiftung, fürchtet Geschäftsführer Holger Benke, 2010 werde sogar „schwieriger als 2009“. Hertie kümmert sich um Projekte wie die vorschulische Förderung von Migrantenkindern oder Debattierprojekte für Jugendliche.

Auch das Stiftungskapital der Hamburger Zeit-Stiftung litt im Zuge der Finanzkrise. 2009 gingen die Erträge um rund 20 Prozent zurück und damit auch das Fördervolumen. Für 2010 erwartet Finanzchef Michael Berndt ein ähnliches Ertragsniveau. Dementsprechend vorsichtig ist man bei der Finanzierung laufender und neuer Projekte. Die Stiftung engagiert sich unter anderem bei der Leseförderung für Hauptschüler und vergibt internationale Forschungsstipendien. Aber auch im Ausland wird gespart. So gibt die Stiftung für das Bucerius Institute for Research of Contemporary German History and Society an der Universität Haifa zunächst nur eine Förderzusage von zwei statt drei Jahren. Ein Drittel der Erträge ist ohnehin fest an die Finanzierung der wichtigsten Stiftungstöchter Bucerius Law School und Bucerius Kunst Forum gebunden.

Verglichen mit dem Schicksal der großen amerikanischen Verwandten, die bis Mitte 2009 als Vorreiter einer modernen Geldanlage galten, können die deutschen Stiftungen immerhin noch erleichtert sein. Die Stiftungen der Eliteuniversitäten Harvard und Yale streuten ihre Anlagen extrem breit in Rohstoffe, Immobilien, aber auch in Hedgefonds und Zertifikate. Die Quittung: Beide Stiftungen büßten rund ein Drittel ihres Vermögens ein, zusammen knapp 18 Milliarden Dollar.

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