Internationale Diplomatie: Als die Sicherheitskonferenz noch Wehrkundetagung hieß

Internationale Diplomatie: Als die Sicherheitskonferenz noch Wehrkundetagung hieß

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Schmidt und Giscard wurden mit dem Ewald-von-Kleist-Preis für ihre Verdienste in der Konfliktbewältigung ausgezeichnet. Kissinger hielt die Laudatio.

von Matthias Kamp und Florian Willershausen

In München suchen Politiker wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach Lösungen für die vielen internationalen Konflikte. Männer der ersten Stunde wie Helmut Schmidt und Henry Kissinger erinnern sich, wie man es vor 50 Jahren gemacht hat.

Helmut Schmidt hält seinen Stock fest umklammert und blickt meist zu Boden, die Augenlider gesenkt. Henry Kissingers Kopf versinkt förmlich zwischen seinen mächtigen Schultern; hin und wieder schließt der frühere US-Außenminister die Augen. Und Egon Bahr, Urgestein der SPD und Außenpolitiker, lehnt sich in seinem Sessel weit zurück. Doch der Eindruck täuscht. Die Runde, die sich an diesem Nachmittag in München versammelt hat, ist hellwach. Der frühere französische Staatspräsident Valéry Giscard D’Estaing, der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski und David Miliband, früher Außenpolitiker Großbritanniens, sind noch dazugekommen.
Die Altherren-Runde versucht Lehren zu ziehen. Lehren aus den Zeiten des Kalten Krieges, dessen Produkt die Münchner Sicherheitskonferenz ja letztlich ist, für die Bewältigung der vielen Krisen heutzutage. 1963 hatte die Sicherheitskonferenz in München als Wehrkundetagung erstmals stattgefunden. „Die Frequenz der Kriege hat in den vielen Jahren sicherlich abgenommen“, sagt Giscard D’Estaing, „die Frequenz der Gewalt hat sich aber beschleunigt.“
Trotz der sich rasch verändernden Welt gebe es zum Glück noch Konstanten, wie der SPD-Haudegen Bahr findet. Das transatlantische Bündnis und die Nato gehörten dazu. „Die Grundstruktur der atlantischen Sicherheit existiert immer noch.“ Die Nato sei nicht mehr umstritten, außerdem sein man heute „in einer Situation, in der die Deutschen nicht mehr verrückt spielen können.“ Kissinger unterstreicht noch Mal, wie eng die Bindung zwischen Amerika und Deutschland damals war. „Wenn Berlin angegriffen worden wäre, wären die USA in den Krieg gezogen.“
Was man aus den alten Zeiten für die heutige Sicherheitsarchitektur lernen könnte, darauf bleiben die Männer die Antwort letztlich schuldig – was Schmidt sichtbar missfällt. „Mir gefällt die Diskussion hier überhaupt nicht“, nörgelt der Altkanzler. „Wir blicken auf die letzten 50 Jahre, ich aber schaue auf die nächsten 50 Jahre.“ Und da hält Schmidt eine Entwicklung für unausweichlich: Die Bedeutung Europas in der Welt werden abnehmen, allein schon aus demografischen Gründen. Kontinuierlich sinke der europäische Anteil an der Weltbevölkerung, rechnet er vor. Auch was die Politik in Europa betrifft, ist Schmidt nicht besonders optimistisch. „Wenn die EU weiter so vor sich hinwurstelt, wird es sie in zehn Jahren nicht mehr geben.“

Sicherheitskonferenz in München Zurück an den Hindukusch

Die Münchener Sicherheitskonferenz beginnt mit deutlichen Worten des Bundespräsidenten. Gauck mahnt eine stärkere Rolle Deutschlands in der Welt an. Weitere Themen sind die Lage in der Ukraine und die NSA-Affäre.

Bundespräsident Joachim Gauck bei der 50. Münchner Sicherheitskonferenz. Quelle: dpa

Einer, der das vermutlich anders sieht, ist Frank-Walter Steinmeier. Der neue alte Außenminister hatte in München bereits am Samstagmorgen auf der Sicherheitskonferenz gesprochen. Das Chefbüro im Auswärtigen Amt war noch dasselbe, als Steinmeier vor vier Wochen nach vier Jahren in die Behörde zurückkehrte – aber die Welt draußen habe sich verändert, sagte er: „Die gewaltsamen Konflikte sind näher an Europa herangerückt.“ Nach der gescheiterten Syrien-Friedenskonferenz in Genf fürchtet Steinmeier gar die „drohende Erosion jeder staatlicher Ordnung im ganzen Mittleren Osten, ähnlich wie im Krisenbogen von der Sahelzone bis zum Golf von Guinea“.

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