
„Die Piratenpartei ist die einzige politische Gruppierung in Deutschland, die tatsächlich basisdemokratisch funktioniert“, sagt Wolter. Diese Idee spiegelt auch das grundlegende Organisationsprinzip der Piratenpartei wider, die sogenannten „Crews“.
Die Partei hat keine Ortsverbände, die ihre Terrains strikt aufteilen, sondern ausschließlich kleine Aktionsgruppen. Die bilden sich spontan, sobald sich in einem Gebiet mindestens fünf Personen zusammentun. Sie organisieren sich über das Internet, treffen sich dann regelmäßig bei Stammtischen und planen ihre Aktivitäten in der realen Welt. Sobald zu einer Gruppe mehr als neun Personen gehören, kommt es zur Zellteilung — aus einer Crew werden zwei.
Transparenzprinzip dauerhaft haltbar?
Bei Entscheidungen in der Partei gilt das Prinzip absoluter Transparenz: Die Vorstandssitzungen werden per Video- oder Sprachkonferenz veranstaltet, jeder Pirat kann sich einschalten und mitreden. Sogar die Finanzlage der Partei, die Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Crews und die Spendensummen sind im Internet öffentlich zugänglich.
Doch in der Partei mehren sich Zweifel, wie lange die praktizierte Demokratisierung aufrechtzuerhalten ist. Die Zahl der Crews ist in den vergangenen Wochen so stark gestiegen, dass es für die Landesverbände immer schwieriger wird, die Aktivitäten zu überblicken. Auch die inhaltliche Ausrichtung einzelner Crews bereitet der Partei zunehmend Probleme. So wollte eine Gruppe aus Brandenburg mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens in den Wahlkampf ziehen – erst kurz bevor die Plakate gedruckt wurden, konnte der Bundesvorstand die Crew zurückpfeifen.
In den Foren der Partei wird seit Wochen diskutiert, ob sich die unbegrenzte Transparenz durchhalten lässt oder ob strategische Entscheidungen in geheime Gremien gehören. Bisher ist die Mehrheit für Transparenz. Doch wie ein Erfolg bei der Bundestagswahl die Partei verändern würde, ist nicht abzusehen.
Zudem muss sich zeigen, wie es die Partei schafft, ihre Mitglieder vom Bildschirm auch zum Wahlkampf auf der Straße zu bewegen und die „Offlinies“ anzusprechen, wie es im Parteijargon heißt. Denn der Durchschnittswähler hat das Bild einer Chaotentruppe, wenn er die Piraten überhaupt kennt.
Deshalb tut Pirat Patrick Wolter zurzeit jedes Wochenende das, was schon etliche Parteimitglieder anderer Parteien seit Jahrzehnten praktizieren: Er tingelt durch die Fußgängerzonen und Bahnhofshallen des Ruhrgebiets, verteilt Flyer, diskutiert mit Passanten. Er weiß: Um ins Parlament einzuziehen, nutzen der Piratenpartei Sympathiebekundungen im Internet nichts — dafür muss sie rund 2,4 Millionen Menschen dazu bewegen, von der Couch aufzustehen und ins reale Wahllokal zu gehen.














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Alle Kommentare lesen22.09.2009, 19:21 UhrAnonymer Benutzer: Nana
Den Namen könnte man noch tolerieren - Soweit die Partei ein venrünftiges Konzept vorlegt. Hier ist das leider nicht der Fall. Und die Partei würde mit Sicherheit genauso abschneiden, wie sie es jetzt tut, wenn sie SPD oder CDU heißen würde.
17.09.2009, 17:47 UhrAnonymer Benutzer: Partei Versteher
wo kommt der Name her? aus Somalia? Villeich ein paar Jahre früher wäre es noch ok, aber jetzt..
also ich möchte nicht die Entscheidungen der Partei z.b. über die Sicherheitspolitik (innen und außen) überlassen, die sich Saddam oder ähnlich nennen würde.
09.09.2009, 19:46 UhrAnonymer Benutzer: Nana
Piratenpartei - schön und gut. Natürlich sind auch ihre Ziele nicht zu verachten. Aber eine große reale Chance sehe ich nicht für die Partei. Dafür konzentriert sich ihr Vorhaben viel zu sehr auf das internet und Computer. Mehr Ziele für die Politik im bezug auf ganz Deutschland (also auch die nicht-vernetzten bereiche) wären schön.
Allerdings ist es schon erstaunlich und bewunderswert, dass es eine so kleine, neue Partei in so kurzer Zeit geschafft hat, sich zu vermehren. Das zeigt, dass man die internezpräsenz nicht verachten sollte.