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Interview Clemens Fuest: "Wir brauchen einen Aufstand der Jungen"

von Cornelia Schmergal

Der Finanzwissenschaftler und Regierungsberater Clemens Fuest über die schlechte Lobby der Jugend in der Hauptstadt.

Clemens Fuest, Professor für Unternehmensbesteuerung an der Universität Oxford Quelle: Michael Dannemann für WirtschaftsWoche
Clemens Fuest, Professor für Unternehmensbesteuerung an der Universität Oxford Quelle: Michael Dannemann für WirtschaftsWoche
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WirtschaftsWoche: Herr Fuest, Zinsen auf die Staatsschulden und Zuschüsse für die Renten zählen zu den dicksten Brocken im Bundeshaushalt. Auch die neue Regierung macht keine Anstalten, daran etwas zu ändern. Warum geht Politik so oft zulasten der Jungen?

Fuest: Generell gibt es in der Politik eine Neigung, Lasten in die Zukunft zu verschieben. Staatsverschuldung zum Beispiel ist für Politiker ungeheuer attraktiv, weil die Schulden vor allem von künftigen Generationen bedient werden müssen, die heute noch nicht zur Wahl gehen. Da fällt es leicht, großzügige Zuschüsse an die Sozialkassen zu gewähren...

...weil die Rentner so viel Macht haben?

Polit-ökonomisch sind Rentner eine sehr schlagkräftige Wählergruppe. Da die deutsche Bevölkerung altert, wird es in den nächsten Jahren immer schwerer, die Renten oder Leistungen der Pflegeversicherung zu begrenzen. Das verstieße gegen die Interessen der Älteren. Daher spricht man ja auch von einer drohenden Gerontokratie in Deutschland, der Herrschaft der Alten.

Sind deren Interessen tatsächlich so eng?

Natürlich nicht. Viele ältere Menschen haben Kinder und Enkel und wollen gar nicht auf Kosten der jüngeren Generation leben. Wenn es aber konkret wird, bringt man ältere Wähler mit Rentenkürzungen gegen sich auf. Daher neigt die Politik dazu, vor einer Wahl Geschenke an die Älteren zu verteilen.

Warum haben die Jungen in Berlin eine so schlechte Lobby?

Die 20 Millionen Rentner haben ein starkes, gemeinsames Interesse an Rentenerhöhungen. Sie sind als Wählergruppe gut mobilisierbar. Für die jüngere Generation gilt das nicht: Die Jungen arbeiten in unterschiedlichen Branchen und sind unterschiedlich ausgebildet, manche haben Kinder, andere nicht. Daher sprechen sie nicht mit einer Stimme.

Was ist denn der größte politische Kniefall vor der Macht der Alten?

In letzter Zeit sicherlich die vor der Bundestagswahl gewährte Rentengarantie. Das ist ein schlimmer Anschlag auf die Generationengerechtigkeit. Die Versuchung für die Politik war einfach zu groß, eine breite Wählergruppe durch dieses Geschenk für sich zu gewinnen.

Diese Garantie hebelt drohende Rentenkürzungen aus. Schwarz-Gelb hält daran fest, soll die Kürzungen aber später nachholen. Steht zu befürchten, dass die neue Regierung dabei kneift?

Zu Kürzungen wird es nicht kommen, aber es stellt sich die Frage, ob die Koalition es überhaupt durchhält, den Rentnern eine Reihe von Nullrunden zuzumuten. Ich fürchte, die Koalition wird spätestens vor der nächsten Wahl einknicken und die Renten erneut erhöhen.

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13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.12.2009, 14:47 UhrAnonymer Benutzer: Andreas

    Lösung wäre es,den überbordenden Sozialstaat abzuschaffen/zu verkleinern, die Politikerkaste ebenfalls und sämtliche Verbände und Lobbies aufzulösen.
    Ebenso aufzulösen/umzuändern:
    - Subventionen: weg
    - teure EU-Mitgliedschaft: weg
    - keine kostenlosen U-boote mehr für israel
    - Privathaftung für geldverschwendende (sozialistische?) Politiker (,,Untreue'')
    - Haftung für Vorstände der (Groß)-banken

    Da sowieso aufgrund des Endes der Dollarhegemonie und damit auch des € (Reservebestände cash der EZb fast nur $$) eine Währungsreform mehr oder weniger ohnehin vor der Tür steht, wäre das ein adäquater Neubeginn.

  • 07.12.2009, 14:40 UhrAnonymer Benutzer: Andreas

    @gerechter Sozialist

    iRONiE
    Daher ist die DDR auch so ein reiches Land geworden, das heute,2009, weltweit Exportweltmeister sozialistischer Errungenschaften ist.

    Vielleicht erstmal den Kopf in einen Eimer kaltes Wasser rein und dann nochmal überdenken, bevor so ein Mist geäußert wird.

    Die Sozialisten (und Gutmenschen) sind das Problem und nicht die Lösung.

    Natürlich will der Durchschnitts-Sozialist permanent Geld verteilen und die bösen Reichen sind Schuld. Aber immer nur das Geld (Eigentum) der Anderen. ==> prinzipiell Diebstahl/Raub ( wie es unsere Politiker auch machen)

  • 27.11.2009, 09:38 UhrAnonymer Benutzer: Observer

    Ein Faktum wird bei der ganzen Diskussion völlig übersehen.

    Ein Faktum, welches mir gestern wie Schuppen von den Augen gefallen ist.

    Ein sehr tröstlicher Aspekt für all diejenigen die glauben, dass mit der Gerontenrepublik kein Staat zu machen ist. Gestern dacht ich auch noch so - heute bin ich schlauer :)

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