Islam-Studie: Muslime orientieren sich an hiesigen Werten

Islam-Studie: Muslime orientieren sich an hiesigen Werten

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Freitagsgebet in der Moschee Eyüp Sultan Camii in Ronnenberg in der Region Hannover

Die hier lebenden Muslime sind mit dem deutschen Staat und der Gesellschaft eng verbunden, zeigt eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung. Das Problem ist nur: Die Mehrheitsbevölkerung merkt davon nichts.

Die meisten der vier Millionen Muslime in Deutschland orientieren sich in ihren Einstellungen und Sichtweisen stark an den Grundwerten der Bundesrepublik, vor allem Demokratie und Pluralität. Das ist das Ergebnis der "Sonderauswertung Islam" aus dem Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung.

Nach Befragung von 14.000 Muslimen in 13 deutschen Bundesländern in den Jahren 2012 und 2014 ergebe sich das Bild einer zwar mehrheitlich frommen, aber auch liberal eingestellten muslimischen Bevölkerung, deren Einstellungen sich deutlich von denen in den Herkunftsländern unterscheiden.

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Auch unter den hochreligiösen Muslimen in Deutschland halten 90 Prozent die Demokratie für eine gute Regierungsform. Neun von zehn Befragten haben in ihrer Freizeit Kontakte zu Nicht-Muslimen. Jeder zweite hat sogar mindestens genauso viele Kontakte außerhalb seiner Religionsgemeinschaft wie mit Muslimen.
63 Prozent der Muslime, die sich als ziemlich oder sehr religiös bezeichnen, überdenken regelmäßig ihre religiöse Einstellung. Einer Heirat unter homosexuellen Paaren stimmen rund 60 Prozent von ihnen zu.

Von den hochreligiösen Muslimen, die ihre Glaubensgrundsätze selten hinterfragen, tun dies immerhin noch 40 Prozent. In der Türkei hingegen, dem wichtigsten Herkunftsland der Muslime in Deutschland, gibt nur jeder dritte hochreligiöse Muslim an, seinen Glauben regelmäßig zu überdenken. Gleichgeschlechtliche Ehen befürworten dort lediglich 12 Prozent der Hochreligiösen.

Herkunftsländer der deutschen Muslime

  • 2,56 Millionen

    Knapp 2,6 Millionen der in Deutschland lebenden Muslime haben türkische Wurzeln.

  • 550.000

    Aus den Albanien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien stammen etwa 550.000 Personen.

  • 330.000

    Mit 330.000 Menschen kommt die drittgrößte muslimische Bevölkerungsgruppe in Deutschland aus dem Nahen Osten, konkret aus Ägypten, Irak, dem Libanon oder Syrien.

  • 280.000

    Aus Nordafrika kommen zwischen 280.000 der in Deutschland lebenden Muslime, die Mehrzahl davon aus Marokko.

  • 186.000

    Weitere 186.000 Menschen muslimischen Glaubens stammen aus Zentralasien.

  • 70.000

    70.000 Muslime, die in Deutschland leben, haben ihre Wurzeln im Iran.

  • 61.000

    Die zweitkleinste Gruppe der Muslime in Deutschland kommt dem sonstigen Afrika.

  • 17.000

    Die kleinste Gruppe der Muslime in Deutschland stammt aus Süd- beziehungsweise Südostasien. Rund 17.000 Menschen stammen aus dieser Region.

Als Problem stellen die Autoren dagegen heraus, dass diese Verbundenheit der Muslime mit Deutschland und seinen Werten, bei den Deutschen offenbar nicht als solche wahrgenommen wird. Nach einer aktuellen repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung empfinden 57 Prozent der nicht-muslimischen Bundesbürger den Islam als Bedrohung.

Im Jahr 2012 waren es 53 Prozent. So äußern 61 Prozent der Bundesbürger die Meinung, der Islam passe nicht in die westliche Welt. Im Jahr 2012 hatten das 52 Prozent gesagt. 40 Prozent der Befragten fühlen sich zudem durch Muslime wie Fremde im eigenen Land. Jeder Vierte will Muslimen sogar die Zuwanderung nach Deutschland verbieten.

"Für Muslime ist Deutschland inzwischen Heimat. Sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das anscheinend durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt wird", sagt Yasemin El-Menouar, Islam-Expertin der Bertelsmann Stiftung.

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Diese Einschätzungen sind nicht vom sozialen Status, vom Bildungsstand oder der politischen Orientierung abhängig. Allerdings vom Alter und dem Ausmaß der persönlichen Kontakte zu Muslimen. 61 Prozent der über 54-Jährigen, aber nur 39 Prozent der unter 25-Jährigen fühlt sich vom Islam bedroht.

Die Angst ist zudem dort am stärksten, wo die wenigsten Muslime leben. In Nordrhein-Westfalen, wo ein Drittel von ihnen wohnt, fühlen sich 46 Prozent der Bürger bedroht. In Thüringen und Sachsen, wo nur wenige Muslime leben, äußern das 70 Prozent.

"Wenn Muslime im eigenen Wohnumfeld leben und erfahren wird, dass keine reale Gefahr von ihnen ausgeht, fällt das Bedrohungsempfinden geringer aus", heißt es in der Studie, allerdings bleibe auch dann die generelle Ablehnung des Islam bestehen.



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