Islamistische Anschläge: Bundeskriminalamt befürchtet Terror-Nachahmer

Islamistische Anschläge: Bundeskriminalamt befürchtet Terror-Nachahmer

Nach den islamistischen Anschlägen in Frankreich werden europaweit die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Polizei-Experten warnen vor weiteren Attentaten. Sie stützen sich dabei auch auf Aufrufe von Extremisten.

Nach den islamistischen Anschlägen in Frankreich befürchtet das Bundeskriminalamt (BKA) mögliche Terror-Nachahmer in Deutschland. Das berichtet die „Welt“ unter Berufung auf ein 25-seitiges Lagebild der Wiesbadener Behörde. In dem als „VS - Nur für den Dienstgebrauch“ gestempelten Papier beziehe sich das BKA auch auf Sympathie-Bekundungen radikaler Islamisten im Internet. Die Rede ist auch von direkten Aufrufen zu Terroranschlägen in Deutschland. „Konkretisierende Erkenntnisse oder Hinweise“ auf geplante Attentate gäbe es derzeit jedoch nicht. Dennoch befürchte das BKA, dass sich Islamisten hierzulande von den Taten in Frankreich angespornt fühlen könnten.

Die wichtigsten Fakten zu "Charlie Hebdo"

  • Die Satire-Zeitung

    Die französische Satire-Zeitung im Zentrum des Terroranschlags von Paris arbeitet mit Provokationen: „Charlie Hebdo“ macht sich über Päpste und Präsidenten lustig - und auch über den Propheten Mohammed. Die Wochenzeitung, die am Mittwoch einem Angriff mit mindestens zwölf Toten zum Opfer fiel, rief mit Karikaturen des hoch verehrten Propheten in der islamischen Welt immer wieder Empörung hervor.

  • Der erste Anschlag

    Im November 2011 waren die Büros der Zeitung Ziel eines Brandbombenangriffs, nachdem sie eine Ausgabe publiziert hatte, in der Mohammed „eingeladen“ wurde, ihr Gastredakteur zu werden. Auf der Titelseite: eine Karikatur des Propheten.

  • Weitere Karikaturen

    Ein Jahr später veröffentlichte die Zeitung inmitten der Aufregung über einen islamfeindlichen Film weitere Mohammed-Zeichnungen. Die Karikaturen stellten Mohammed nackt und in erniedrigenden oder pornografischen Posen dar. Während die Emotionen hochkochten, nahm die französische Regierung die Redefreiheit in Schutz. Gleichzeitig warf sie „Charlie Hebdo“ vor, Spannungen zu schüren.

  • Die politische Orientierung

    Die Zeitung mit niedriger Auflage tendiert politisch betrachtet zum linken Spektrum. Sie ist stolz, mit Karikaturen und parodierenden Berichten Kommentare zum Weltgeschehen abzugeben. „Wir gehen mit den Nachrichten wie Journalisten um“, sagte ein Karikaturist mit Namen Luz 2012 der Nachrichtenagentur AP. „Einige nutzen Kameras, einige nutzen Computer. Für uns ist es ein Papier und Bleistift“, sagte er. „Ein Bleistift ist keine Waffe. Er ist einfach ein Äußerungsmittel“, meinte er.

  • Der Chefredakteur über Karikaturen

    Chefredakteur Stéphane Charbonnier, der bei dem Anschlag am Mittwoch getötet wurde, hatte die Mohammed-Karikaturen ebenfalls verteidigt. „Mohammed ist mir nicht heilig“, sagte er 2012. „Ich mache Muslimen keine Vorwürfe dafür, dass sie nicht über unsere Zeichnungen lachen. Ich lebe unter französischem Gesetz“, ergänzte er. „Ich lebe nicht unter Koran-Gesetz.“

  • Charbonniers letzte Karikatur

    Eine von Charbonniers letzten Karikaturen, die in der dieswöchigen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ veröffentlicht wurde, scheint in Anbetracht der Ereignisse wie eine unheimliche Vorahnung. „Noch immer keine Anschläge in Frankreich“, sagte ein Extremisten-Kämpfer darin. „Warte - wir haben bis Ende Januar, um unsere Neujahrswünsche vorzubringen.“

„Der Anschlag kann auch als Initial für in Deutschland lebende/aufhältige und tatgeneigte Personen wirken“, heißt es demnach in dem BKA-Lagebild. Auf deutschsprachigen Internetseiten und in arabischsprachigen Foren würden der Anschlag auf das Redaktionsbüro des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ begrüßt und gerechtfertigt sowie die Attentäter „beglückwünscht“. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kursiere zudem das arabische Hashtag „Wir haben den Propheten gerächt“.

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Laut BKA rief außerdem ein polizeibekannter Islamist am 7. und 8. Januar über Twitter in deutscher Sprache zu Anschlägen in Europa auf. Dabei erklärte er, Deutschland sei das „nächste Ziel“. Nach Informationen der „Welt“ konkretisierte der Twitter-Nutzer am Montag seine Drohung. Er schrieb nun, er hasse die Ungläubigen und werde sie bis zum Tod bekämpfen. Der Mann habe die bundesweiten Demonstrationen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung als „Schweinemärsche“ und potenzielles Anschlagsziel bezeichnet, berichtete die „Welt“ aus dem Lagebericht.

In der BKA-Analyse wird demnach auch vor möglichen islamfeindlichen „Resonanztaten“ auf die Anschläge von Paris gewarnt, wie sie in Frankreich bereits registriert wurden. „Derartige Reaktionen sind daher grundsätzlich auch in Deutschland nicht auszuschließen.“

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