exklusivIT-Sicherheit: Innenminister Friedrich will Bundes-Cloud aufbauen

17. Dezember 2011
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Quelle: dapdBild vergrößern
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) Quelle: dapd
von Jürgen Berke

Der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich treibt den Bau einer Bundes-Cloud voran, damit sensible Regierungs- und Unternehmensdaten nicht bei US-Behörden landen.

Das Cloud Computing treibt nicht nur Unternehmen und Bürger um. Jetzt plant auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Aufbau einer besonders sicheren deutschen Cloud, quasi eine Bundescloud. Sie soll so strenge Sicherheitsvorschriften erfüllen, die auch den Umgang mit vertraulichen Dokumenten und Daten von Regierungsstellen und Behörden regeln. Die Regierung, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Deutsche Telekom hätten in den vergangenen Wochen bereits miteinander gesprochen, heißt es aus Kreisen von T-Systems, der IT-Sparte der Telekom. Ergebnis sei, dass das BSI nun exakte Schutzprofile erstellen solle. Davon sollen auch Unternehmen profitieren. Denn mithilfe der Profile kann das BSI IT-Dienstleister sowie deren Cloud-Lösungen prüfen und Sicherheitszertifikate vergeben. Solch geprüfte Anbieter sollen dann auch Unternehmen schneller in die Cloud locken.

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Sicherheitsbedenken sind das größte Hindernis für die Ausweitung der Cloud-Dienste. So vertrauen nur wenige Unternehmen sensible Daten der Cloud an (siehe Grafik). Denn Programme und Daten lagern dann nicht mehr auf der lokalen Festplatte, sondern werden so abgespeichert, dass sie im Internet abrufbar sind. Zwar ist die Kostenersparnis dabei zum Teil enorm. Aber viele befürchten, dass ihre Daten dann von Unbefugten gelesen werden. Zudem verpflichten die Antiterrorgesetze der USA amerikanische Cloud-Anbieter wie Microsoft, den US-Behörden bei Bedarf auch die Daten auszuhändigen, die in Europa gespeichert sind. Die niederländische Regierung lehnt es darum ab, Aufträge an amerikanische Cloud-Anbieter zu vergeben.

Auch T-Systems-Chef Reinhard Clemens macht sich für mehr Patriotismus in der IT-Industrie stark und fordert eine „deutsche Cloud“, betrieben von einem nationalen Dienstleister. Nach dem Vorbild der staatlich geförderten Nationalen Plattform Elektromobilität könnte seiner Ansicht nach schon im kommenden Jahr eine „Nationale Plattform sichere Cloud“ entstehen. T-Systems wäre als größter deutscher Cloud-Anbieter auch größter Profiteur.

Die französische Regierung hat sich bereits für einen nationalen Alleingang entschieden. Unter Regie der staatlichen Förderbank gründete France Télécom mit den Rüstungskonzernen Thales und Dassault am 1. November das Gemeinschaftsunternehmen Andromède. Ziel der in Europa bislang einmaligen Sicherheitsinitiative ist es, bei der Verwaltung sensibler Behörden- und Unternehmensdaten nicht auf außereuropäische Anbieter angewiesen zu sein.

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Kommentare | 8Alle Kommentare
  • 17.12.2011, 17:44 UhrHubertD

    Da konnte ich mir dann das Lachen nicht verkneifen: der T-Systems Chef scheint sich ob der deutschen Befindlichkeiten zum Patriot Act und dem damit für seine Firma kostenlos generiertem Marketing so diebisch zu freuen dass er "Patriotismus in der IT-Industrie fordert". Schon klar, keine Marketingaktion und kein Geld dieser Welt hätte ihm schneller die Pferde nach Haus treiben lassen. Und weit und breit keine Stimme die leise anmahnt "Deutschland ist frei von Anti-Terrorgesetzen?" oder "Jeder der Bier oder Unterhosen vertreibt kommt automatisch in Terrorverdacht?". Auf auf Patrioten holt das Geschäft husch zurück in den heimischen Stall.

  • 18.12.2011, 09:49 Uhrtgo

    Na da sind ja alle Spezialexperten vereinigt. Der Internetversteher Friedrich und die für ihre schnelle, kompetente und kostensparende Projektumsetzungen berüchtigten T-Systems. Na da kann ja nix mehr schief gehen.

  • 18.12.2011, 09:51 UhrThomas

    Der Vorteil ist wenigstens.. bei den Involvierten Firmen können wir sicher sein das wir alle bald zugriff drauf haben werden.
    Schliesslich ists das Who ist Who der gescheiterten Firmen im IT Segment.
    Wird wahrscheinlich das 20fache einer vernünftigen Lösung kosten, 2 Jahre zu spät heraus kommen, total veraltet sein und für jeden 14 Jährigen zugänglich weil es nur so vor Fehler strotzen wird...
    Wie immer halt wenn diese super Kompetenten Firmen irgendwo mitarbeiten.

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