IW-Studie zu maroder Infrastruktur: Wer für notwendige Investitionen zahlen soll

IW-Studie zu maroder Infrastruktur: Wer für notwendige Investitionen zahlen soll

, aktualisiert 17. Februar 2014, 16:18 Uhr

Marode Brücken oder langsames Internet: Die deutsche Infrastruktur ist verbesserungsfähig, die Wirtschaft beklagt sich bereits über die Mängel. Die Behebung der Schäden würde rund 120 Milliarden Euro kosten.

Bild vergrößern

Kaputte Straßen wie diese sind kein Einzelfall in Deutschland. Doch für den Straßen- und Brückenbau sowie den Ausbau der Stromnetze wären Investitionen notwendig.

Überlastete Autobahnen, marode Brücken und langsame IT-Netze - rund 120 Milliarden Euro müssten einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge in den nächsten zehn Jahren in die Infrastruktur fließen, damit der Standort Deutschland seinen internationalen Wettbewerbsvorteil nicht verliert. Die heimischen Unternehmen bewerten den aktuellen Zustand derzeit zwar noch mit der Note "gut", wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter Berufung auf eine Umfrage unter 2800 Firmen mitteilte. Aber knapp zwei Drittel der Betriebe sehen ihre Geschäfte durch Mängel im Straßenverkehrsnetz bereits beeinträchtigt. Dabei stellten 23 Prozent eine deutliche und 41 Prozent eine geringe Beeinträchtigung fest. Im Vergleich der Regionen stellen Straßenschäden der Umfrage zufolge vor allem in Baden-Württemberg (71 Prozent) und Norddeutschland (70 Prozent) ein Problem dar. In Bayern (58 Prozent) wird am häufigsten über eine schwache Internetanbindung geklagt.

Auch für andere wichtige Infrastrukturbereiche fiel das Ergebnis der Umfrage nur wenig besser aus. Rund 54 Prozent der Befragten bewerteten den Zustand der Kommunikationsnetze als Hemmnis für ihre Arbeit. Mit Blick auf eine sichere und bezahlbare Stromversorgung waren es 43 Prozent. Insgesamt erhielt der Straßenverkehr von der Industrie die Schulnote 2,4. Die Internet-Anbindung wurde mit Note 2,3 bewertet und die Stromversorgung mit 1,9.

Anzeige

Eine gute Infrastruktur sei ein Standortvorteil für Deutschland, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Es seien aber Reformen notwendig, um die Qualität zu sichern und den Anschluss nicht zu verlieren. Allein für den Erhalt der Fernstraßen seien in den nächsten zehn Jahren zusätzlich 40 Milliarden Euro nötig. Jeweils die gleiche Summe sei für einen guten Ausbau des Breitband-Internets und für Stromnetze erforderlich. Die Stromnetze hingegen zwar derzeit in einem guten Zustand. "Sie müssen künftig aber neuen Anforderungen gerecht werden, die sich zum Beispiel durch Schwankungen bei Wind- und Sonnenstrom ergeben", so Hüter.

Weitere Artikel

Als Geldgeber für eine bessere Infrastruktur sieht das IW aber nicht nur den Staat in der Pflicht, sondern auch Unternehmen und die privaten Haushalte. Allerdings müsse der Bund mehr Mittel für Fernstraßen aufbringen und sollte dies vor allem auch effizienter tun - etwa über eine Betreibergesellschaft für die Verkehrsinfrastruktur. Als Vorbild könne Österreichs Autobahngesellschaft Asfinag gelten.

Den Ausbau des Breitbandnetzes hingegen müssten private Investoren und damit letztlich die Kunden schultern, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Die Politik müsse hier Rahmen und Anreize für Investitionen schaffen. Auch die Stromnetze würden von den Netzbetreibern gebaut sowie betrieben und von den Stromkunden über Netzentgelte finanziert.

Langfristig zahlten sich Investitionen in die Infrastruktur erfahrungsgemäß aus, rechnet das IW vor: "Steckt die Politik zehn Milliarden Euro sinnvoll in Straßen, Stromnetze und Co, erhöht das laut Faustformel die Wirtschaftsleistung um 2,5 Milliarden Euro pro Jahr." Die Investitionen lohnten sich schon nach vier Jahren.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%