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IZA-Direktor Schneider: "Massenarbeitslosigkeit können wir für Jahrzehnte abhaken"

von Bert Losse

Der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt ist nachhaltiger als viele Experten bisher glaubten.

Der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt ist nachhaltiger als viele Experten bisher glaubten. „Der Arbeitsmarkt ist auch für kommende Rezessionen gut gerüstet – und der demografische Wandel wird unsere Beschäftigungslage komplett umkrempeln. Die meisten machen sich noch gar keine Vorstellung davon, was da auf uns zukommt", sagt der Ökonom Hilmar Schneider, Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Das Thema Massenarbeitslosigkeit können wir für die kommenden Jahrzehnte abhaken", so der Ökonom.

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Von 2013 bis 2035 fehlten der Wirtschaft rechnerisch alle vier bis fünf Jahre rund eine Million Erwerbstätige. Schneider:  „Der Arbeitsmarkt wird zum Arbeitnehmermarkt, auf dem Fachkräfte von den Unternehmen hofiert werden." Dies werde wahrscheinlich zu deutlich steigenden Löhnen führen.  Künftig könnte es „sogar zu Firmenpleiten kommen, weil Unternehmen die Leute, die sie brauchen, schlicht nicht mehr bezahlen können. Manche Betriebe dürften auch abwandern."

Um den Arbeitsanreiz für Langzeitarbeitslose zu erhöhen, fordert der Ökonom in der WirtschaftsWoche eine Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger. Seine Begründung: „Wenn sie eh arbeiten müssen, werden sich die meisten nach einer Alternative auf dem ersten Arbeitsmarkt umsehen. Übrig bleiben jene, die am Markt wegen ihrer Defizite oder Lebenslage keinen höheren Lohn erzielen können als die Stütze. Diese Menschen sind wirklich auf staatliche Hilfe angewiesen und benötigen einen vom Staat bereitgestellten Job. Dabei geht es aber nur um rund 500 000 Personen. Das ist machbar."

Eine Aufweichung des Kündigungsschutzes, wie sie die Wirtschaft fordert, hält Schneider für kontraproduktiv.  „Der strenge Kündigungsschutz hat sein Gutes. Hätten die Unternehmen beim ersten Anzeichen der Krise ihre Belegschaften einfach entlassen können, hätten sie davon zweifellos Gebrauch gemacht.  So waren sie gezwungen, nach Ausweichlösungen zu suchen. Das Ergebnis ist, dass deutsche Unternehmen mit dem Wiederanziehen der Konjunktur aus dem Stand heraus in der Lage sind, die Nachfrage zu bedienen."

29 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.09.2010, 12:37 UhrAnonymer Benutzer: Anna35

    Siggi40 hat absolut recht! Herr Schneider schreibt, dass lediglich 500.000 der heute Arbeitslosten nicht zu qualifizieren sind und letztendlich als Arbeitslose, die von der Allgemeinheit zu finanzieren sind, übrig bleiben werden. ich befürchte, dass diese Einschätzung falsch ist.

    Aus der Praxis und mal keine Expertentheorie:

    ich versuche aus berufsgründen verzweifelt Facharbeiter einzustellen. Wir zahlen sehr gut, haben unbefristete Arbeitsvertäge, bieten eine langfristige Perspektive und nach 3 Jahren guter Zusammenareit sogar einen Firmenwagen.

    Leider vergeblich!

    ich finde unter den Arbeitslosen (mögen es nun 3 Mio. oder 8 Mio sein) keinen Facharbeiter aus dem Elektro- oder Metallbereich, der einstellbar ist und auch langfristig gut arbeitet. Zuverlässig, ehrlich usw. mal vorausgesetzt. Dabei versuchen wir über Annocen, internet und Arbeitsamt zu rekrutieren.

    Das ist die Realität schon heute und es wird nicht besser. Wer an einem Realitätsschock interessiert ist und wissen will, welche Einstellung zur Arbeit ein großer Teil der bevölkerung heute hat, sollte mal 400 Vorstellungsgespräche nach dem Prinzip "Hoffnung" in diesem bereich führen. Er wird erstaunt sein.....!

  • 23.08.2010, 22:50 UhrAnonymer Benutzer: Zumutung

    Dieser bericht ist eine Zumutung für jeden halbwegs intelligenten Menschen. Denn dieser ganze tolle Aufschwung ist nur mit immer neuen und größeren Staatsschulden möglich. Und vor allem nach dem tollen bundesdeutschen Wirtschaftskonzept, Waren in das Ausland zu exportieren und gleich noch die kreditierte Valuta zur bezahlung dazu.
    Dieses System kann nicht ewig funktionieren.
    Mir grauts schon vor all diesen Experten, die vor lauter Expertentum die gewaltige blase in den USA in 2008 natürlich nicht gesehen haben, obwohl sie für wirkliche Experten nicht zu übersehen war.

    Aber all diese Experten wissen natürlich ganz genau, wie der Arbeitsmarkt in der bRD in 30 Jahren ausschaut - einfach mal schnell in die Glaskugel schaun...

    Wer solche "Experten" ernst nimmt, ist selbst schuld daran.

    Es soll nachher niemand sagen, er sei nicht vor diesen Scharlatanen gewarnt worden....

  • 23.08.2010, 22:40 UhrAnonymer Benutzer: Private

    Jetzt wäre es wieder mal an der Zeit für eine grosse Massenarbeitslosigkeit. Daran muss gearbeitet werden. Wie sollen sonst Gewerkschaften, Linke, Weltverbesserer und Gutmenschen ihre Existenz begründen? in Scharen laufen die Mitglieder davon. So kann und darf es nicht weitergehen. Jeder Mensch, der keinen Vollzeitarbeitsplatz mit vollen Sozialbeiträgen hat, soll ab sofort als arbeitslos gelten. Auch Kinder und Rentner sind arbeitslos, zählen also voll mit. Zusätzlich muss daran gearbeitet werden, dass sich Arbeit nicht mehr lohnt. Hartz4 kräfig anheben und Arbeitslosengeld i zeitlich nicht mehr begrenzen bei voller Lohnpartät. Das sollte helfen.

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