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Jahresbilanz: Das Jahr nach der Abwrackprämie

von Dieter Schnaas, Thorsten Firlus und Christopher Schwarz

Die Krise hat auch ihre guten Seiten. 2010 wird vieles nicht mehr so sein, wie es war. Zehn Dinge, bei denen uns das freut. Oder ärgert.

Beleuchtete Büros in der Quelle: dpa
Beleuchtete Büros in der Arcandor-Zentrale in Essen Quelle: dpa

Nummer 1: Arcandor Waren Sie schon mal bei Arcandor einkaufen? Eben. Arcandor, der im Frühjahr 2007 aus der Taufe gehobene neue Name der Holding von KarstadtQuelle, sollte das Klang gewordene Signal für den Aufbruch in eine neue Ära des Warenhaus- und Touristikkonzerns sein. Ein Name, der für Werte wie Treue, Mut und Verlässlichkeit steht. Managementfehler haben den Konzern, hinter dem sich die bekannten Marken Karstadt und Quelle verbargen, in die Insolvenz geführt. Bedauerlich für die Mitarbeiter, gut für unser Gedächtnis – denn den Nicht-Namen ohne Verwurzelung brauchen wir uns nun nicht mehr zu merken. Seit Mitte November gibt es das Unternehmen Arcandor nicht mehr. Bei Karstadt kaufen die Menschen immer noch ein.

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Nummer 2: Schneeballsystem Wer einmal Hermann, den Hefeteig, überreicht bekam, weiß, wie das endet. Man backt ihn einige Male, pflegt ihn und reicht ihn so lange weiter, bis alle Onkels und Freunde selber einen haben und niemand mehr einen will. Und irgendwie hat Bernie Madoff so die Investoren genarrt. Den ersten versprach er tolle Renditen, den nächsten auch. Und bezahlte mit deren Geld die Anleger der ersten Runde – das Schneeballsystem ist geboren. Die Kugel kommt in Bewegung, rollt immer schneller auf den Abgrund zu. Das Gute an der Krise: Irgendwann war Schluss, weil keine neuen Investoren der Kugel neuen Schnee, ergo frisches Geld, zuschossen. Was wir daraus fürs neue Jahr lernen: Traue keinem. Schon gar nicht einem ehemaligen Börsenchef. Anleger müssen wachsamer und vorsichtiger werden, die Banken hoffentlich auch. Wir nehmen jedenfalls keinen Hermann mehr an. Wer weiß, wo das noch endet.

Nummer 3: Schuldenbremse Seien wir ehrlich: Geld ausgeben macht doch viel mehr Spaß, als zu sparen. Und dafür hat die Krise unseren Politikern für 2010 den Himmel auf Erden bereitet – genannt Konjunkturpaket. Damit werden Schulen renoviert, in denen bald keine Schüler mehr lernen. Und Brücken gebaut, ohne die es seit Jahrzehnten auch gut ging. Egal – das Geld ist da, jetzt muss es auch rausgehauen werden. Darüber geriet die Schuldenbremse genannte Politik der abgewählten großen Koalition völlig in Vergessenheit. Deren Prinzip: Weil wir gestern über unsere Verhältnisse gelebt haben, müssen wir heute sparen und wachsen, um morgen wieder über unsere Verhältnisse leben zu können. Das Problem daran: Diese aus heutiger Sicht völlig antiquierte Art der „Schuldenbremse“ hindert Politiker jetzt an der Ausübung ihrer Berufung – nämlich Geld auszugeben. Das große Verdienst der neuen Regierung besteht nun darin, dass sie diese Dialektik steuerpolitisch auf die Spitze treibt – und dadurch eine Stimmung erzeugt, die quasi aus sich selbst heraus wachstumsbeschleunigend wirkt. Diese gute Stimmung hat einen einfachen Grund: Endlich dürfen wir schon heute wieder über unsere Verhältnisse leben, weil wir morgen umso schneller wachsen werden – und frühestens übermorgen den Haushalt konsolidieren.

Nummer 4: Bad Bank Was ist eine „schlechte Bank“? Zunächst: Was ist überhaupt eine Bank? Ganz pragmatisch gesehen, ein Institut, bei dem Dienstleistungen für den Zahlungsverkehr verkauft werden – Geld und Kredit. So gesehen, gab es 2009 wenig Banken, um nicht zu sagen: gar keine. Die Wirtschaft klagte, dass die Geldinstitute nach Jahren der Produktvielfalt nichts mehr anzubieten hätten. Nix Bares, null Vorschuss – wahrscheinlich ist es das, was man sich unter einer schlechten Bank vorstellen muss. Natürlich haben die Banken versucht, das, was in ihren Regalen verdarb, ihrem dümmsten Kunden anzudrehen: dem Staat. Der wollte zugreifen und eine Bad Bank gründen. Doch dann lernte der Staat in der Krise schnell, auch weil er merkte: Dafür ist gar kein Geld da. Das ist wenigstens etwas Gutes an den Staatsschulden, über das wir uns auch 2010 noch freuen können.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 07.01.2010, 09:58 UhrAnonymer Benutzer: Neue Modelle bis zum Bankrott

    Erst wird der bevölkerungsgruppe, die Geld ausgeben würde über Steuern 50% weggenommen. Die anderen, die es haben legen es lieber in Aktien, Derivaten an um nominal noch mehr zu haben.
    Dann versucht man mit unsinnigen Programmen die Leute zum Ausgeben zu annimieren.
    Wäre die Gier der nominal "Reichen - Elite" nicht so groß, würde das marktwirtschaftliche System noch länger gut funktionieren. So hangelt sich das marktwirtschaftliche System von einem Subventionstopf zum anderen Subventionstopf. Der beobachter weiß dann schon nicht mehr: "Haben die Marktwirtschaft, Planwirtschaft oder ist das schon eine Form der Kapital-Diktatur."
    Egal was es von den dreien ist, wir sind in einem Experiment was sich am besten als "Regulierte Marktwirtschaft" bezeichnen lässt. Leider ist es bei Experimenten so eine Sache - selbige gelingen manchmal und es ist der große Wurf, manchmal gehen diese aber auch schief. Hoffen Wir alle dass das Experiment "Regulierte Marktwirtschaft" noch lange gut geht, wenigstens 2010.

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