"Je suis Charlie": Wie mit "Charlie Hebdo" Geld gemacht wird

"Je suis Charlie": Wie mit "Charlie Hebdo" Geld gemacht wird

Bild vergrößern

T-Shirts mit dem Aufdruck "Je suis Charlie" werden in Kisten gepackt.

von Katharina Matheis

In der Aufmerksamkeit um "Charlie Hebdo" wittern viele das große Geschäft: Das französische Patentamt hat bereits über 50 Markenanträge auf den Slogan "Je suis Charlie" erhalten.

Tassen, T-Shirts, Autoaufkleber bis hin zu Wand-Tattoos: Auf Amazon und Ebay gibt es bereits eine breite Auswahl an "Charlie-Hebdo"-Accessoires; aus der Betroffenheit der Menschen ist ein großes Geschäft geworden. Noch am Tag des Anschlags haben die ersten Anbieter bedruckte Shirts angeboten.

Das französische Pantentamt verzeichnet über 50 Anträge auf das Markenrecht von "Je suis Charlie", wie die französische Presseagentur AFP meldet. Die für Markenrechte zuständige Institution INPI teilte am Dienstag mit, entsprechende Anträge abzulehnen. Der Slogan könne nicht geschützt werden, da er bereits massiv kollektiv verwendet werde.

Anzeige

Der Ausspruch geht auf Joachim Roncin zurück, einen Pariser Journalisten. Am Nachmittag der Terroranschläge teilte er auf Twitter sein spontanes Statement in großen schwarz-weißen Lettern: "Je suis Charlie". Es wurde weltweit übernommen und geteilt, es wurde zum Symbol der Solidarität. Dass nun offenbar zahlreiche Menschen versuchen, mit dem Slogan Geld zu verdienen, empfindet er als "skrupellos", wie er auf Twitter schreibt.

Lediglich eine kommerzielle Verwendung seiner Idee unterstützt der Erfinder: Die "Charlie"-Shirts der Organisation "Reporter ohne Grenzen", die die Einnahmen zur Verteidigung der Pressefreiheit einsetzt.

Doch nicht nur Trittbrettfahrer verdienen an der Betroffenheit der Menschen. Auch dem Verlag von „Charlie Hebdo" bringt das Attentat außergewöhnliche Geldsummen ein. Die aktuelle Ausgabe war in Frankreich vielerorts binnen weniger Minuten vergriffen. Vor vielen Pariser Pressegeschäften bildeten sich am frühen Morgen lange Schlangen. Eine Rekordauflage - in Frankreich sind es drei Millionen (sonst: 60.000) - wird auch im Ausland erwartet. Es werden 300.000 Exemplare in 25 Länder geliefert, sonst waren es 4000.

In Deutschland ist das Interesse groß: Ab Samstag soll das Heft an Bahnhofsbuchhandlungen ausliegen. Gedruckt wird es über mehrere Tage in einer geheimgehaltenen Druckerei. Diese Schutzmaßnahme erfolgte auf Anweisung des Innenministeriums. Daneben hat sich ein großer Markt um die Hefte von "Charlie Hebdo" entwickelt. Ausgaben des Magazins, von dem vorher die wenigsten im Ausland gehört haben, werden auf Ebay für 5000 Euro gehandelt.

Um das Magazin zu unterstützen hat Google eine Spende von 250.000 Euro angekündigt, auch die britische Zeitung „The Guardian" will 100.000 Pfund spenden. Auf einer Crowdfunding-Plattform haben Menschen weitere 150.000 Euro für "Charlie Hebdo" gesammelt.

weitere Artikel

Das Magazin selbst macht Witze über den ökonomischen Erfolg seit den Terroranschlägen. So ziehen die Satiriker eine Bilanz der Anschläge mit Pro und Kontra. Pro: Spenden der Regierung und von Google. Auf der Kontra-Seite ist die Zeichnung einer Leiche in Blutlache zu sehen.

Auch der Merchandising-Hype wird von den Satirikern in der aktuellen Ausgabe thematisiert: Eine Zeichnung zeigt Menschen in einer Fabrik in Bangladesch, die "Je suis Charlie"-Shirts nähen und dabei ausrufen: „...mit ganzem Herzen bei euch!"

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%