Joachim Gauck: Bundespräsident tritt nicht zur Wiederwahl an

Joachim Gauck: Bundespräsident tritt nicht zur Wiederwahl an

, aktualisiert 06. Juni 2016, 12:03 Uhr
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Joachim Gauck ist der elfte Bundespräsident Deutschlands.

Quelle:Handelsblatt Online

Wochenlang wurde spekuliert, ob Joachim Gauck für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident antritt oder nicht. Nun erklärt Gauck, dass er sich im nächsten Jahr nicht für eine zweite Amtszeit zur Wahl stellen wird.

Bundespräsident Joachim Gauck wird sich im nächsten Jahr nicht für eine zweite Amtszeit zur Wahl stellen. Das kündigte der 76-Jährige am Montag im Schloss Bellevue an.

In den vergangenen Wochen wurde viel über eine zweite Amtszeit Gaucks spekuliert, zuletzt berichtete die „Bild“ am vergangenen Wochenende, Gauck wollte wegen seiner Gesundheit auf eine zweite Amtszeit verzichten. Das heizte auch die Debatte über eine mögliche Nachfolge an. Genannt wurden dabei unter anderem Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Der Spiegel“ berichtete am Wochenende, aus taktischen Gründen könnten CDU und CSU kurz vor der Bundestagswahl keinen gemeinsamen Kandidaten mit SPD oder Grünen präsentieren. Aus der Linken und der SPD wurden Stimmen laut, die einen gemeinsamen rot-rot-grünen Bewerber forderten.

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Gauck selbst wollte über seine Zukunft als Bundespräsident bis zum Frühsommer entscheiden. Union, SPD und Grüne befürworteten eine zweite Amtszeit; auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich für eine Wiederwahl Gaucks aus. Zuletzt meinten auch 70 Prozent der Bundesbürger in einer Umfrage, Gauck solle weitermachen.

Die Bundesversammlung, die das Staatsoberhaupt wählt, tritt am 12. Februar 2017 zusammen. Gauck hatte seine erste Amtszeit im März 2012 begonnen. Er war Nachfolger von Christian Wulff, der nach nur 20 Monaten im Amt wegen Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Hauskredit zurückgetreten war.

2010 war Gauck als Kandidat von Rot-Grün bei der Wahl des Bundespräsidenten noch gegen Wulff unterlegen. 2012 unterstützten nach einigem Zögern auch Merkel und die Union den parteilosen Ex-Pastor aus Rostock.

Bis zuletzt war darüber spekuliert worden, ob er wegen der Auswirkungen der Flüchtlingskrise und angesichts des Erstarkens der rechtspopulistischen AfD aus einem Bewusstsein der Verantwortung heraus noch einmal antreten würde. Er betonte aber auch, dass sich Deutschland trotz aller Herausforderungen nicht in einer Staatskrise befinde. „Das Staatsschiff ist nicht im Orkan, aber es gibt Wellen“, sagte er im Mai beim Katholikentag in Leipzig.

Gauck war in der Endphase der DDR 1989 als Unterstützer der Bürgerrechtsbewegung bekannt geworden. Nach der Wende wurde er als Kandidat für das Bündnis 90 in die letzte DDR-Volkskammer gewählt. Von 1991 bis 2000 war er Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen.

Ein Schwerpunkt seiner ersten Amtszeit war das Bemühen, Deutschlands Rolle in der Welt neu zu definieren und mehr Verantwortungsbewusstsein einzufordern. Auch militärisches Engagement dürfe nicht mit dem Hinweis auf die nationalsozialistische Vergangenheit ausgeschlossen werden, sagte er 2014 auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Auch die Flüchtlingskrise machte er zu seinem Thema. „Unser Herz ist weit. Aber unsere Möglichkeiten sind endlich“, betonte er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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