Joachim Gaucks Weihnachtsansprache: Es spricht der Bundespriester

Joachim Gaucks Weihnachtsansprache: Es spricht der Bundespriester

von Henning Krumrey

In seiner traditionellen Weihnachtsansprache kehrt Bundespräsident Joachim Gauck den Pfarrer heraus. Anstatt von Politik zu sprechen, stellt Gauck Frieden und Verständigung in den Mittelpunkt seiner Ansprache in Berlin.

Bundespräsident Joachim Gauck stürzt die Bürger in ein Wechselbad der Gefühle. Mal scheucht er sie mit seinen Mahnungen, Deutschland müsse mehr Verantwortung in der Welt übernehmen, aus ihrer heimeligen Selbstzufriedenheit auf. Damit stützt er die aktuelle Außenpolitik der Bundesregierung. Dann wieder rüffelt er die Koalition, wenn sie zu wenig an die nächste Generation denkt. Oder er schilt die SPD, weil sie sich in Thüringen der Linkspartei als Koalitionsjuniorpartner andient (die Linkspartei schilt er dabei natürlich auch).

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Am Abend des ersten Weihnachtstages kommt das Staatsoberhaupt den Deutschen als Pastoral-Präsident in die Wohnstube. In der traditionellen Weihnachtsansprache spürt jeder: Dieser Mann war einst Pfarrer, ein einfühlsamer Prediger. Anders als bei seinen markanten Äußerungen im zu Ende gehenden Jahr spricht Gauck am Weihnachtstag kein Wort zur aktuellen Politik. Die wirtschaftliche Situation des Landes kommt nur als kurzer Teil in einem frohgemuten Satz vor: „Deutschland hat mehr Arbeit als je zuvor, es ist im Ausland beliebt wie nie, und Fußball-Weltmeister sind wir auch.“

Joachim Gauck Berlin ernennt Bundespräsidenten zum Ehrenbürger

Klaus Wowereit hat Bundespräsident Joachim Gauck zum 117. Ehrenbürger der Hauptstadt gemacht. Er wolle damit sein Wirken als Staatsoberhaupt und sein Eintreten für Freiheit und Demokratie würdigen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD, rechts) verleiht im Roten Rathaus in Berlin dem Bundespräsidenten Joachim Gauck die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin. Quelle: dpa

In dieser Weihnachtsansprache geht es um Frieden und Verständigung – in Deutschland wie in der Welt. Die vielen Krisen in der Welt zeigten, dass Frieden nicht selbstverständlich sei. „Jeder Frieden, ja, auch der, den wir bei uns glücklich und in Freiheit erleben, ist kostbar.“ Deutschland müsse alles in seiner Macht stehende tun, Leid zu lindern und eine bessere Zukunft zu bauen. „Unsere Kultur, unsere Demokratie steht gegen Unfrieden, Hass und todbringende Gewalt.“

Deshalb sehe er mit Freude, wie viele Menschen „ein deutliches Zeichen für die Menschlichkeit“ setzten, indem sie sich für die Aufnahme von Flüchtlingen engagierten. „Dass die Allermeisten von uns nicht denen folgen, die Deutschland abschotten wollen, das ist für mich eine wahrhaft ermutigende Erfahrung dieses Jahres.“ Das ist bei diesem Auftritt schon der deutlichste Anklang an die aktuelle politische Debatte, obwohl bei diesem Thema die Einmischung des Staatsoberhauptes nicht problematisch wäre – anders als seine gezielte Kritik an der damals hoch aktuellen Koalitionsbildung.

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Gauck warnt davor, verängstigt an die anstehenden Probleme heranzugehen. „Fürchtet Euch nicht“ – diesen Teil der Weihnachtsbotschaft betont er ebenso stark wie das „Friede auf Erden“. Zuversicht möchte Gauck verbreiten: „Mit angstgeweiteten Augen werden wir Lösungswege nur schwer erkennen, wir werden eher klein und mutlos.“ Nicht zuletzt erinnere der 25. Jahrestag des Mauerfalls daran, „dass sich die Verhältnisse zum Besseren wenden lassen“.

Bei seiner Weihnachtsansprache war das Staatsoberhaupt also pastoral und milde gestimmt wie selten. Diesmal also der Bundespriester. Aber was kommt als nächstes? Mit Joachim Gauck wird auch das Jahr 2015 spannend.

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