Jobs: Weise: "Grund zur Sorge am Arbeitsmarkt"

Jobs: Weise: "Grund zur Sorge am Arbeitsmarkt"

von Bert Losse

Der Chef der Bundesarbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, sieht den Aufschwung am Arbeitsmarkt in Gefahr. Außerdem rechnet er mit mehr Sanktionen gegen Arbeitslose und den Abbau von 10.000 Stellen in seiner Behörde.

Es gibt Grund zur Sorge. Der Abbau der Arbeitslosigkeit lässt in seiner Dynamik nach", sagte er "WirtschaftsWoche Global", einem Sonderheft der WirtschaftsWoche zum Arbeitsmarkt. Weise bezweifelt, dass Wirtschaft und Beschäftigte bei einer neuen Krise so glimpflich davonkommen wie bei der vergangenen Rezession. "Wenn es erneut zu einem Einbruch der Wirtschaft kommt, werden einige Unternehmen nicht noch einmal eine solche Durststrecke durchstehen können." Weise wies in diesem Zusammenhang auf die gesunkene Schlagkraft seiner Behörde hin: "In der vergangenen Krise hatte die BA eine Rücklage von 18 Milliarden Euro, die sie einsetzen konnte, zum Beispiel für Kurzarbeitergeld. Jetzt ist die Kasse leer."

Der BA-Chef kündigte eine neue Strategie zur Integration von Hartz-IV-Empfängern an. Die BA arbeite derzeit an einem Konzept, wonach die Arbeitsagenturen für eine Übergangszeit Langzeitarbeitslose auch dann weiterbetreuen, wenn diese einen Job gefunden haben. Dies koste zwar Geld, sei aber eine "Investition mit guter Rendite". Weise: "Am Ende wird es für die Steuer- und Beitragszahler billiger sein, wenn ehemalige Hartz-IV-Empfänger durch unsere berufsbegleitende Betreuung ihren Arbeitsplatz länger behalten." Derzeit sind rund 50 Prozent der Hartz-IV-Empfänger, die einen Job finden, nach spätestens einem Jahr wieder arbeitslos.

Anzeige

BA rechnet 2011 mit Rekordzahl an Sanktionen gegen Arbeitslose

Die Zahl der Sanktionen gegen Arbeitslose, die Auflagen nicht einhalten, dürfte 2011 einen neuen Rekordstand von rund 900.000 erreichen, so Weise. Bereits in den ersten drei Monaten 2011 hätten die Arbeitsagenturen 218.000 Sanktionen verhängt, 30.000 mehr als im Vorjahresquartal.

„Überproportional viele Sanktionen verfügen die Arbeitsagenturen in Großstädten, bei jungen Arbeitslosen und bei erwerbslosen Migranten“, sagte Weise. Dies liege allerdings nicht daran, dass die Zahl der Verstöße stark zunehme, sondern „an der gestiegenen Routine der Jobcenter“, so der BA-Chef.

Bundesagentur für Arbeit will schrumpfen

Angesichts der gesunkenen Arbeitslosenzahlen und der demografischen Entwicklung will sich die Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Schlankheitskur verpassen. "Natürlich müssen wir uns der neuen Lage anpassen und die Kosten reduzieren", sagte Frank-Jürgen Weise im Interview. In den kommenden Jahren werden laut Weise von den 117.000 Stellen "rund 10.000 Stellen sozialverträglich wegfallen." Zudem plant die Behörde eine Organisationsreform - künftig könnten mobile BA-Vermittler die Kundschaft auch in Rathäusern oder Sparkassen empfangen. "Wir ziehen uns nicht aus der Fläche zurück."

Gerade in ländlichen Regionen kann es aber Sinn machen, die eine oder andere kleine Dienststelle aufzulösen und die Beratungs- und Vermittlungsarbeit an mobile Teams zu übertragen, die sich stundenweise in öffentlichen Verwaltungsgebäuden einmieten", so Weise. Die BA-Regionaldirektionen hätten bereits begonnen, nach Kooperationspartnern zu suchen. "Auch in Gewerbegebiete wollen wir gehen. So kommen wir näher an die Unternehmen ran", so Weise weiter. Er wolle "ein atmendes System."

Die BA-Organisationsreform soll laut Weise bis 2014 abgeschlossen sein.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%