Johanna Wanka: Eine Grenzgängerin in Merkels Kabinett

09. Februar 2013
Die Nachfolgerin Schavans ist derzeit niedersächsische Wissenschaftsministerin: Johanna Wanka (CDU) Quelle: dpaBild vergrößern
Die Nachfolgerin Schavans ist derzeit niedersächsische Wissenschaftsministerin: Johanna Wanka (CDU) Quelle: dpa

Sie ist neben Merkel die zweite Naturwissenschaftlerin im Kabinett: Die Mathematikerin und Nachfolgerin von Annette Schavan verfügt über Ansehen in der Wissenschaftswelt und Erfahrung in der Bildungspolitik.

Die designierte Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka ist eine echte Grenzgängerin in der deutschen Politik. Denn die in Sachsen Geborene und in Brandenburg Lebende ist die erste Ostdeutsche, die Ministerin in einem westdeutschen Bundesland war. Im April 2010 hatte sie der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff in die schwarz-gelbe Landesregierung nach Hannover geholt, wo Wanka bis zur Abwahl der Regierung im Januar als Wissenschaftsministerin tätig war.

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Nun hat Wanka schneller als erwartet eine Anschlussverwendung gefunden. Im Kreis der Kandidaten für eine Schavan-Nachfolge gab es mehrere Kriterien, die für die frühere Rektorin der Fachhochschule Merseburg sprachen. Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel kennt Wanka nicht nur aus deren Zeit als Vorsitzende der brandenburgischen CDU in den Jahren 2008 bis 2010. Die Mathematikerin Wanka besitzt zudem Ansehen in der Wissenschaftswelt, war 2005 als brandenburgische Kultusministerin auch Vorsitzende der Kultusminister-Konferenz gewesen.

Chronologie der Plagiatsaffäre um Annette Schavan

  • September 1980

    Annette Schavan reicht im Alter von 24 Jahren ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation „Person und Gewissen“ an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf ein. Die Arbeit wird mit „sehr gut“ benotet.

  • 29. April 2012

    Auf einer Internetplattform wird anonym der Vorwurf des Plagiats gegen Schavan erhoben.

  • 2. Mai

    Die Universität Düsseldorf beauftragt die zuständige Promotionskommission, die Vorwürfe zu prüfen.

  • 10./11. Mai

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Schavan ihr Vertrauen aus.

  • 27. September

    Der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher, legt intern einen Sachstandsbericht vor. Das Ergebnis: An zahlreichen Stellen der Arbeit sei plagiiert worden. Es liege eine systematische Vorgehensweise und damit eine Täuschungsabsicht vor.

  • 14. Oktober

    Der „Spiegel“ zitiert aus dem vertraulichen Bericht Rohrbachers. Schavan weist eine Täuschungsabsicht zurück.

  • 15./16. Oktober

    Merkel spricht Schavan erneut das Vertrauen aus. Rückendeckung bekommt sie auch von ihrem Doktorvater Gerhard Wehle. Auf der Suche nach der undichten Stelle erstattet die Universität Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

  • 17. Oktober

    Die Prüfungskommission berät über den internen Bericht Rohrbachers.

  • 10. November

    Schavan reicht nach Informationen der „Rheinischen Post“ bei der Uni Düsseldorf eine schriftliche Stellungnahme ein, in der sie den Vorwurf des Plagiats bestreitet.

  • 18. Dezember

    Die Promotionskommission empfiehlt nach Prüfung der Arbeit und Anhörung Schavans, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Befinden muss darüber der Rat der Philosophischen Fakultät.

  • 22. Januar 2013

    Der Fakultätsrat stimmt mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung für die Einleitung des Hauptverfahrens zur möglichen Aberkennung des Doktortitels. Für den 5. Februar setzt der Rat eine weitere Sitzung an.

  • 31. Januar

    Schavan räumt im „Zeitmagazin“ Flüchtigkeitsfehler in ihrer Doktorarbeit ein, weist den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber erneut zurück.

  • 5. Februar

    Der zuständige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf stimmt im Plagiatsverfahren für die Aberkennung des Doktortitels. Schavan hält sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf.

  • 6. Februar

    Kanzlerin Merkel spricht ihr erneut „volles Vertrauen“ aus. Der Druck aus Politik und Wissenschaft nimmt zu.

  • 9. Februar

    Die Bundesbildungsministerin tritt nach einer Aussprache mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück.

Mit ihren Erfahrung als Wissenschaftsministerin in Niedersachsen und Brandenburg (2000 bis 2009) sowie in der Parteiarbeit dürfte Wanka daher weniger als Notbesetzung angesehen werden als dies etwa im Fall einer Ernennung des abgewählten niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAlisters der Fall gewesen wäre. Dazu kommt, dass die 61-Jährige auch weniger Probleme damit hat als ein ehrgeiziger, junger Aufsteiger, möglicherweise nur wenige Monate bis zur Bundestagswahl dem Bundeskabinett angehören zu können.

Regionaler Proporz hat für Merkel wie schon bei der Ernennung des Saarländers Peter Altmaier zum Umweltminister erneut keine Rolle gespielt: Allerdings hatten die ostdeutschen CDU-Landesverbände mehrfach darauf verwiesen, dass es außer der Kanzlerin selbst keinen Minister aus den neuen Ländern im Bundeskabinett gebe. Diese Lücke schließt die CDU-Chefin nun.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 09.02.2013, 17:43 Uhrmathias

    Ihre OSTTITEL sind sehr wohl angreifbar ( UNGÜLTIG )

    Oder wird hier von der Presse und anderen wieder unterschiedliche
    Bewertung vorgenommen.

    Was für andere galt, gilt für mich noch lange nicht?

    Deshalb wird über Merkels Arbeit auch nichts veröffentlicht.

    Was Herr Biedenkopf von sich gibt- mit Verlaub Herr Biedenkopf
    habe ich oben schon gesagt.
    Juristisch haben Sie auch Unrecht- Frau Schavan wurde über die
    Grundlagen für Ihre Arbeit aufgeklärt.
    Deshalb hat Sie grundsätzlich - mit Forsatz zu täuschen- gehandelt.

    Also hat Frau Scharan schon einen Juristen und einen Professor zur
    Seite.
    Und weil diese Frau kein Charakter hat, wird Sie klagen.
    Und letztlich gibts ein "GEFÄLLIGKEITSURTEIL"denn die Richterinnen
    am VG-Düsseldorf haben auch im Kindergartenalter (24) Dr.Titel.

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