Jürgen Stark: EZB provoziert Inflation

Jürgen Stark: EZB provoziert Inflation

Quelle:dapd

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, findet keine guten Worte für die Notenbank. Sie habe nichts aus der Finanzkrise gelernt.

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat die lockere Geldpolitik der Notenbank scharf kritisiert und vor einer Inflation gewarnt. „Sowohl die Politik als auch die Zentralbanken sind der Versuchung erlegen, allen Problemen der Welt mit einer Flutung der Märkte zu begegnen“, sagte Stark dem „Handelsblatt“. Dabei sei historisch erwiesen, „dass jede besonders starke Expansion der Zentralbankbilanz mittelfristig zu Inflation führt“. Es sei nicht möglich, die im Dezember und Februar über zwei Dreijahresgeschäfte in den Bankensektor gepumpte Liquidität von mehr als einer Billion Euro rasch zu absorbieren, sofern dies aufgrund anziehender Preissteigerungsraten notwendig werde, sagte er.

Stark, der Ende vergangenen Jahres aus dem EZB-Direktorium zurückgetreten war, warf der Politik außerdem vor, nichts aus der globalen Finanzkrise von 2009 gelernt zu haben. „Die Politik will gar nicht zum Kernproblem der Rolle und der Größe des Finanzsektors vordringen“, sagte er. Ähnlich hatte er sich bereits im Dezember geäußert: Bei Reaktionen auf Krisen handele es sich "politischen Entscheidungen, die nicht an dem Gesamtproblem ausgerichtet sind, sondern immer nur Teilprobleme in den Blick nehmen."

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Jürgen Stark „Das kann nicht Aufgabe einer Zentralbank sein"

Jürgen Stark, der scheidende Chefökonom der Europäischen Zentralbank, kritisiert die Anleihenkäufe der Zentralbank - und erklärt die Gründe seines Rücktritts.

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In den Rohstoff- und Vermögenspreisen schlage sich die aktuelle üppige Liquiditätsversorgung bereits nieder. Zugleich unterstützte Stark die Forderung von Bundesbankpräsident Jens Weidmann, rasch über ein Ausstiegskonzept aus den Notmaßnahmen nachzudenken. „Eine Zentralbank muss immer, gerade bei diesen Nicht-Standard-Maßnahmen, den Ausstieg in verschiedenen Szenarien mit durchdenken“, erklärte Stark. Nötig sei auch eine Debatte über die überbordende Größe des internationalen Finanzsektors. Die Dimension des Sektors „ist ein Punkt, der in seiner Bedeutung für unsere missliche Situation noch nicht von allen verstanden wird“, kritisierte Stark.

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Damit bestätigt er seine Aussagen, die er bereits Ende 2011 in einem Interview mit der WirtschaftsWoche getroffen hat. Damals kritisierte er, dass die EZB seit Mai 2010 bereits für rund 210 Milliarden Euro Staatsanleihen gekauft hatte. "Dieses Instrument ist von Zeit und Volumen her begrenzt, wir können nicht unbegrenzt unsere Bilanz ausweiten." Die Anleihenkäufe hätten "allenfalls temporär die Märkte beruhigt und die Anleihezinsen für Staaten gesenkt." Gerade Letzteres könne nicht Aufgabe einer Zentralbank sein. Bisher hat die EZB rund eine Billion Euro zu extrem günstigen Konditionen an die Banken ausgereicht und die Zinsen auf dem Tiefstand von 1,00 Prozent belassen. Die Bilanzsumme der EZB wird vor allem durch die Liquiditätshilfen für angeschlagene Banken des gemeinsamen Währungsgebiets aufgebläht und hatte jüngst die Drei-Billionen-Grenze überschritten.

Quelle:  dapd
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