Julia Klöckner: Gehen Sie zurück auf Los!

ThemaWahlen 2016

KommentarJulia Klöckner: Gehen Sie zurück auf Los!

, aktualisiert 14. März 2016, 11:30 Uhr
von Dieter Schnaas

Julia Klöckner, die restdeutsche Antwort auf bajuwarischen Dirndl-Patriotismus, muss sich nach ihrer krachenden Wahlniederlage nicht neu erfinden. Allein reifen, das sollte sie schon.

Warum hat Julia Klöckner die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz verloren? Wegen der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel? Wegen der vielen Stimmen, die die AfD einheimsen konnte? Oder weil Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) so sympathisch ist? Weil die Grünen in Scharen zu Dreyer übergelaufen sind, um sie, Klöckner, zu verhindern? Das alles spielt eine Rolle, gewiss.

Aber Julia Klöckner ist vor allem an sich selbst gescheitert, an ihrer schneidenden Präpotenz - und an der politischen Reife der Wähler. Die Rheinland-Pfälzer haben durchschaut, dass die stellvertretende CDU-Vorsitzende das Musterbeispiel einer Politikerin ist, die sich an das anschmiegt, was sie für die Mehrheitsmeinung hält, die sich „Stimmungen“ anverwandelt, um sie augenblicklich auszunutzen, immer auf der Suche nach den ganz einfachen Elfmetern.

Anzeige

Wird sie verstehen, dass sie ihren Politikstil gründlich ändern muss, wenn sie (auch) künftig noch eine bundespolitische Rolle spielen will?

Analyse AfD wird Ost-Volkspartei, FDP läuft sich für Bundestag warm

Der Erfolg der AfD ist vor allem für CDU und SPD ein Problem. Die SPD wird in ihren Juniorrollen immer schwächer und die CDU bekommt Konkurrenz von rechts. Nur einer kann sich freuen: FDP-Chef Christian Lindner.

AfD-Wahlparty. Quelle: dpa/Picture-Alliance

Vorerst sieht es nicht danach aus. Als Klöckner gestern abend vor ihre Parteifreunde trat, ihr Gesicht zum Passbild erfroren, als könne sie Niederlagen weglächeln wie Hillary Clinton, deutete sie ihre krachende Niederlage in einem halben Triumph um: Zwei Ziele habe sie mit der CDU verfolgt, so Klöckner, eins davon habe sie nicht erreicht: stärkste Kraft im Land zu werden - ein anderes aber wohl: Rot-Grün steht ohne Mehrheit da.

+++Landtagswahlen 2016 - der Wahlabend+++ Die Wähler zieht es wieder mehr an die Urnen

Die drei Landtagswahlen verzeichnen eine deutlich höhere Wahlbeteiligung, die vor allem der AfD nützt. CDU und SPD verlieren deutlich an Zustimmung. Der Abend im Überblick.

Die Wähler zieht es wieder an die Urnen Quelle: dpa

Sie sagte das wie einstudiert, als habe ihr ein Politikberater eingeflüstert, sie dürfe jetzt bloß nicht ihr Gesicht verlieren; wahrscheinlich konnte sie noch immer nicht fassen, wie ihr geschehen war.

Vor wenigen Wochen noch fühlte sich Klöckner wie eine Titelverteidigerin: sicher und souverän im Amt. Umfragen sagten ihr ein Ergebnis von 40 Prozent und mehr voraus. In manchen Medien wurde sie schon zur heimlichen Nachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel ausgerufen - und tatsächlich: 

Mit Julia Klöckner, der restdeutschen Antwort auf bajuwarischen Dirndl-Patriotismus, feierte die CDU gewissermaßen ein Deja-vu mit sich selbst und ihrer alten, goldenen, vor-merkelschen Vergangenheit: westdeutsch, erdverbunden, katholisch - und noch dazu gerade so fesch-frech und fraulich, dass auch die Freunde der traditionellen Arbeitsteilung in Familien ganz auf Linie sind.

Anzeige

3 Kommentare zu Julia Klöckner: Gehen Sie zurück auf Los!

  • So dürften die ehemalige Wähler der CDU/CSU inzwischen ein-
    gesehen haben, daß vom kfm. Standpunkt aus Angela Merkel mit
    ihrer Einstellung: ''Die Menschen Deutschlands haben kein
    Recht auf Demokratie und freie Marktwirtschaft in alle Ewigkeit''
    von ihr zum 60-jährigen Gründungsjubiläum der CDU am 5.7.2005
    geäußert, es sich mit ihrer Politik um eine Verramschung und
    Verscherbelung der Deutschland AG zum Nulltarif in Zusammen-
    arbeit mit der EZB handeln. Daß sie sich damit ihren eigenen
    Ast absägt, dürfte auf ihr mangelndes Gefühl an wirtschaft-
    lichen Zusammenhängen zurückzuführen sein und da sie das
    nicht selbst erkennt, müssen die Wähler wohl in Zukunft
    über ihr finanzielles und wirtschaftliches Wohl und Wehe
    mit der Abwahl einer solchen 'Führung' selbst sorgen.

  • Ja - an dem Kommentar ist was dran. Nur hatte Fr. Klöckner überhaupt eine Chance ? Es war schließlich für Fr. Dreyer einfacher ein Teil der CDU Wähler durch eine Lobhudelei auf Fr. Merkel an sich zu binden als es Fr. Klöckner möglich gewesen wäre an SPD Wähler ranzukommen.
    Ohne die Flüchtlingspolitik von Fr. Merkel wäre Fr. Klöckner jetzt Ministerpräsidentin - das ist sicher ! Wenn Sie sich klüger angestellt hätte - wäre evtl. ein Patt möglich gewesen? So wird Fr. Dreyer jetzt 3 Jahre weitermachen - dann an Herrn Lewentz übergeben - und dann sehen wir weiter ...

  • Nun gut, Klöckner mag nicht die Richtige sein, um sich gegen den Flüchtlingsterror durchzusetzen. Dazu ist sie vermutlich zu brav und mainstreamkonform konditioniert. Aber diese Wahl hat sie eindeutig verloren, weil Merkel ihr die ganze Zeit auf der Schulter saß und nicht wegzubekommen war.

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%