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Kanzlerkandidat im Netz: Steinbrücks erste Twitter-Lektion

von Tina Halberschmidt und Tina Halberschmidt Quelle: Handelsblatt Online

Sein erstes Twitterview darf Peer Steinbrücks als ersten Erfolg werten. Doch ob der SPD-Kanzlerkandidat das Web 2.0 wirklich verstanden hat, wird sich zeigen.

Der Screenshot zeigt die Twitter-Seite des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Unter dem Hashtag #fragpeer konnte man sich mit Fragen an den Politiker wenden. Quelle: dpa
Der Screenshot zeigt die Twitter-Seite des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Unter dem Hashtag #fragpeer konnte man sich mit Fragen an den Politiker wenden. Quelle: dpa

Noch vor wenigen Monaten outete sich Peer Steinbrück als stolzer Twitter-Verweigerer. Inzwischen scheint dem stets etwas knorrig wirkenden SPD-Kanzlerkandidaten bewusst geworden zu sein, dass er im Bundestagswahlkampf nicht vollkommen auf Twitter, Facebook und Co verzichten kann. Seit wenigen Tagen verfügt der 65-Jährige über einen eigenen Twitter-Account – und das ist noch nicht alles: Am heutigen Mittwoch stellte sich Steinbrück sogar erstmals in einem Twitterview, also einem Frage- und Antwortspiel via Twitter, den Fragen der Nutzer.

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Unter dem Twitter-Hashtag #fragpeer zeigte sich der SPD-Kanzlerkandidat offen und nahbar, antwortete meist schnell und direkt. Lutz Kinkel, Redakteur von stern.de, zählte ungefähr alle 100 Sekunden einen Tweet. „Kein schlechter Schnitt“, urteilt der Berlin-Korrespondent.

Trotzdem waren nicht alle Twitter-Nutzer zufrieden. So manch einer beschwerte sich, warum ausgerechnet seine Frage nicht beachtet worden sei. Einer hatte sogar das Gefühl, er würde bei Steinbrück „gegen eine Wand rennen“.

Kritik wurde auch laut, weil sich Steinbrück zum Thema Netzpolitik diskret zurückhielt: „Es ist auch eine Message, wenn @peersteinbrueck in seinem Twitter-Interview keine Fragen zu Netzpolitik beantwortet“, bemängelt beispielsweise @netzpolitik alias Blogger und Netzaktivist Markus Beckedahl.

Auf andere Fragen ging Steinbrück allerdings überraschend direkt ein und ließ sich dabei auch von weniger ernst gemeinten Wortmeldungen nicht aus der Ruhe bringen. „Wo bleibt mein Bier“, wollte zum Beispiel ein Nutzer wissen. „Ist das eine konkrete Frage oder Ihre Art von Humor“, konterte Steinbrück, der seine Follower zunächst wie selbstverständlich mit „Du“ und „Ihr“ angesprochen hatte, während er von den meisten gesiezt wurde.

Auf die kritische Nachfrage eines Nutzers, ob man ihn jetzt auch überall „Peer statt Herr Steinbrück“ nennen dürfe, zwitscherte der Kanzlerkandidat: „Treten Sie der SPD bei, dann können auch Sie mich duzen.“


Hat Steinbrück verstanden, wie das Web 2.0 „tickt“?

Nach einer Stunde war dann Schluss, der Account @peersteinbrueck hatte in dieser Zeit rund 500 Follower hinzugewonnen. Steinbrück und sein Team dürften ihr erstes Twitterview also als vollen Erfolg werten, zumal Angela Merkel noch nicht einmal einen persönlichen Twitter-Account ihr Eigen nennt.

Ob der 65-Jährige aber wirklich verstanden hat, wie das Web 2.0 „tickt“, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Ein Twitter-Account, eine Facebook-Fanpage und ein – insgesamt gelungenes – Twitterview sind vielleicht ein Anfang, aber nicht mehr.

Denn Kommunikation im Social Web will gelebt werden, am besten persönlich und unmittelbar. Dass man sich mit den technischen Gegebenheiten der verschiedenen Tools und Plattformen, auf denen man aktiv wird, auskennt, ist zudem Grundvoraussetzung.

Steinbrück jedoch zwitscherte die Antworten auf die Twitterview-Fragen nicht persönlich. Der Kanzlerkandidat diktierte seine Antworten einem Mitarbeiter, der während der Aktion neben ihm saß. Er selbst erklärte, der Kollege könne einfach schneller tippen. Trotzdem drängt sich die Frage auf, ob oder inwiefern sich Steinbrück wirklich mit dem Kommunikationsinstrument Twitter beschäftigt hat.

Noch ist Steinbrück - oder sein Social-Media-Team? - nicht mit allen Twitter-Grundregeln vertraut. Zwar wurde im Vorfeld mit #fragpeer ein spezielles Hashtag veröffentlicht, unter dem die Nutzer ihre Fragen posten sollten. Steinbrück hängte dieses Hashtag aber nicht an alle Tweets an und zwitscherte zudem direkt an den jeweiligen Fragesteller. Dies führte dazu, dass bestimmte Antworten nicht für alle Nutzer direkt sichtbar waren.

Den entsprechenden Hinweis eines Nutzers kommentierte Steinbrück so: „Sorry, aber das ist doch falsch.“ Der Kanzlerkandidat musste sich darauf von offensichtlich kundigeren Twitter-Nutzern eines Besseren belehren lassen.

Das – und die Tatsache, dass über @peersteinbrück in den Tagen vor dem Twitterview nur ein einziger Tweet abgesetzt wurde – könnte dafür sprechen, dass Steinbrück im Grunde seines Herzens immer noch der Twitter-Verweigerer von einst ist. Er würde dies aber sicher nicht mehr so offen zugeben.

 

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