Karl-Theodor zu Guttenberg: Minister vorne ohne

KommentarKarl-Theodor zu Guttenberg: Minister vorne ohne

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

von Henning Krumrey

Wer schreibt, der bleibt, heißt es im Journalismus. Wer abschreibt, bleibt zumindest in der Politik. Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich für das Karrieremodell Roland Koch entschieden: Durchhalten und den Ansehensverlust mit politischer Hornhaut überdecken. Das wird die nächsten Tage gut gehen – es darf bloß nichts mehr dazukommen.

Denn genau betrachtet hat der Bundesminister der Verteidigung innerhalb weniger Tage seine Haltung um 180 Grad gewendet – und mindestens in einem Punkt nicht die Wahrheit gesagt. Von den anfänglich als „abstrus“ gebrandmarkten Vorwürfen gegen seine Doktorarbeit schwenkte der 39-jährige CSU-Mann zu „gravierenden handwerklichen Fehlern“ um. Und stets betonte er: „Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht.“ Nun fragt er sich selbst  - oder wen sonst: „Wie konnte das passieren?“

Gegenfrage: Kann man in „siebenjähriger mühevollster Kleinarbeit“ zu Dutzenden Fundstellen weglassen und absatzweise fremdes geistiges Eigentum in seine Arbeit schieben, sogar einen Zeitungstext als Einleitung kopieren – also gravierende handwerkliche Fehler begehen –, ohne dies bewusst zu wollen? Ohne dies zu merken geht dagegen durchaus – wenn man nicht selbst geschrieben hat. Zwar liegt der Verdacht des Vorsatzes in beiden Fällen nah, zu beweisen ist er aber nur im zweiten Fall – wenn sich ein wahrer Autor ermitteln ließe.

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Für seine Kollegen schwer erträglich ist die Selbstverständlichkeit, mit der zu Guttenberg seine Fehler vorträgt. Nachdem er die gravierenden handwerklichen Fehler entdeckt hat, lobt er sich noch dafür, wie richtig es war, dass er drei Tage zuvor auf das Führen des Doktortitels verzichtet habe, wenn auch „vorübergehend, ich betone vorübergehend“. Auch jede neue Wendung präsentierte der bisherige CSU-Aufsteiger im Brustton der Überzeugung, im Stile einer Tatsache. Nur dass sich die Tatsachen täglich änderten.

Schon die Wortwahl ist verkehrt – so verkehrt, wie alle Pannen-Politiker sie verwenden: Zu Guttenberg „entschuldigt sich“ bei jenen, die er mit seinem Kopieren verletzt habe. Nur: das geht nicht. Der Täter kann sich nicht selbst entschuldigen (also entschulden), er kann nur um Entschuldigung bitten. Politiker freilich erledigen den lästigen Bußgang gern allein und selbstständig: Ich entschuldige mich, ich übernehme die volle Verantwort – und ich mache weiter wie bisher.

Die Fragen der Opposition und der Medien werden sich in den nächsten Tagen auf die Frage richten, wie belastbar ein Verteidigungsminister ist, der – nach eigener Aussage – bei seiner Promotion den Überblick verloren hat und der in den vergangenen Tagen keine glaubwürdige Figur abgegeben hat. Guttenberg bleibt auf absehbare Zeit: bedingt abwehrbereit.

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