Karlspreis: Wolfgang Schäuble, der Bundeseuropaminister

Karlspreis: Wolfgang Schäuble, der Bundeseuropaminister

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, ein Mann mit kontinentalem Bewusstsein.

von Max Haerder

Der Finanzminister hat den renommierten Karlspreis erhalten und wird bald wohl auch das einflussreiche Amt des Eurogruppen-Chefs bekleiden. Der Kreis für Wolfgang Schäuble schließt sich: Das vereinte Europa ist sein großes politisches Lebensthema.

Um zu verstehen, was Wolfgang Schäuble wirklich bewegt, muss man einige Monate zurückschauen, 16 Monate um genau zu sein, zurück auf den 2. November 2010. An jenem Herbstabend ist Schäuble zu Gast an der Pariser Universität Sorbonne und hält dort eine Rede, auf Französisch. Er spricht dort über die deutsche Wiedervereinigung und das Glück, dass den Deutschen "Geschichte auch gelingen kann". Er spricht über Europa und das auf die Einheit folgende "Geschenk" der europäischen Einigung. Und er zitiert mit großer Zustimmung Jean-Claude Juncker, den luxemburgischen Premier, der am Tag vor der Euro-Einführung die neue Währung als "Friedenspolitik mit anderen Mitteln" feierte.

Die Rede an der Sorbonne war so etwas wie Wolfgang Schäubles Glaubensbekenntnis. Eigentlich gehören Nüchternheit, auch Sarkasmus und Schärfe, zu seiner Grundausstattung, geht es aber um Europa, greift Schäuble zu einem Pathos, das tief empfunden ist. Jean-Claude Juncker ist auch einer der Kollegen, auf die Schäuble als Träger des Aachener Karlspreises blicken kann. In wenigen Wochen wird er wohl auch das Amt des Eurogruppen-Chef von ihm übernehmen. Für Schäuble schließt sich der Kreis seines politischen Lebens.

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Neben einer Kanzlerin, die ein hartnäckiges Bekenntnisdefizit gegenüber fast allem hat, auch und gerade gegenüber Europa, wirkt das kontinentale Bewusstsein des Finanzministers umso wertvoller. Fast vergessen die Zeiten, in denen Schäuble, immerhin 69 Jahre alt, gezeichnet und geschwächt durch seine mangelnde Gesundheit, als sicherer Rücktrittskandidat im schwarz-gelben Kabinett galt.

Die Verleihung des Karlspreises, hat Schäuble jüngst gesagt, "bewegt und berührt mich". Man darf ihm das glauben. Schäuble ist Badener, geboren in Freiburg, und somit quasi von Geburt an mit einer besonderen regionalen Verbundenheit zu Frankreich gesegnet; sein Wahlkreis grenzt ans Nachbarland. Er hat die Wiedervereinigung mit verhandelt und den Vertrag von Maastricht.

So ist Schäubles Handeln immer zweierlei: bundesdeutsche Realpolitik verbunden mit europäischem Idealismus. Umso mehr muss gerade ihn die gegenwärtige Währungskrise schmerzen. Für den Finanzminister ist der Euro eben kein technokratisches Projekt, das fehl konstruiert seinem Zusammenbruch entgegenfiebert oder gleich rückabgewickelt werden könnte.

Als die Debatte um Eurobonds überkochte, nahm der überzeugte europäische Föderalist eine ausgesprochen differenzierte Haltung ein. Bis heute gilt: Für  Schäuble ist die Vergemeinschaftung von Schulden nicht per se des Teufels. Er argumentierte nicht polemisch - mit dem indiskutablen Griff in die deutsche Kasse. Er argumentierte teleologisch: Wer die Unionsanleihe wolle, der könne sie haben; allerdings nur zum Preis der politischen Union. Wer Bonds sagt, muss auch Vereinigte Staaten von Europa sagen. So denkt Schäuble. Viele trauten ihren Ohren nicht.

Man darf getrost davon ausgehen, dass dem altgedienten Minister in Berlin wie in Brüssel nur sehr wenige Namen einfallen, wenn es darum geht, wer ihm ebenbürtig sein könnte. Man darf  deshalb ebenfalls davon ausgehen, dass eine Berufung zum Eurogruppen-Chef für ihn nicht nur Belastung und Herausforderung bedeutete. Sondern vor allem: Genugtuung.

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