„Keine Ahnung vom Euro“: Guttenberg feuert Breitseite aus Halifax

„Keine Ahnung vom Euro“: Guttenberg feuert Breitseite aus Halifax

, aktualisiert 19. November 2011, 20:54 Uhr
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Bei seinem Comeback auf der öffentlichen Bühne fand Karl-Theodor zu Guttenberg deutliche Worte zur deutschen Euro-Politik.

von Markus ZienerQuelle:Handelsblatt Online

Aus sicherer Distanz hat sich Karl-Theodor zu Guttenberg zu Wort gemeldet. Bei seinem Comeback auf die öffentliche Bühne rechnet er mit Europa ab. Sein Fazit: Die Deutschen haben keine Ahnung wie der Euro funktioniert.

Halifax/KanadaDieser Karl-Theodor zu Guttenberg kennt mit Europa keine Gnade: Nicht mit dem europäischen Krisenmanagement rund um den Euro, nicht mit dem Sicherheitskonzept der Europäer, nicht mit den Führungsqualitäten der europäischen Regierungschefs. Bei seinem Comeback auf die öffentliche Bühne verteilt der ehemalige Verteidigungsminister seine Kritik in aller Großzügigkeit. Und er macht es fernab der Europas: Nördlich des 43. Breitengrads in Halifax, Neuschottland, Kanada.

Guttenberg, der seit ein paar Monaten im Bundesstaat Connecticut, nordöstlich  New Yorks lebt, hat sich das Sicherheitsforum von Halifax ausgesucht, um wieder bei seinen Lieblingsthemen mitzureden. Die heißen Verteidigung und Wirtschaft. Und auf beiden Gebieten gibt es derzeit reichlich Ansatzpunkte um zu schelten und dafür mit Applaus bedacht zu werden. Die Gesprächsrunde, in der Guttenberg als Experte auftritt, beginnt mit Untergangsszenarien. Ein Einspielfilmchen zeigt die „Occupy Wall Street“-Bewegung und wie sich der Zorn in bürgerkriegsähnlichen Protesten entlädt. Die Moderatorin spricht vom Ende des amerikanischen Empires, vom verlorenen Jahrzehnt und vom Aus für den Westen. Zwar sind all diese Einlassungen in Fragen gekleidet, doch was bleibt ist: Alarmierender kann die Weltlage kaum sein.

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Guttenberg sitzt derweil ganz links auf dem Panel, in schwarzem Anzug, mit hellblauer Krawatte und auch einer neuen Frisur, die ihn jünger macht - und hört zu. Der Mann, dessen politischer Aufstieg Anfang des Jahres von einer abgeschriebenen Doktorarbeit gestoppt wurde, hat da seine Botschaften gedanklich schon klar vorformuliert. Als er an die Reihe kommt, feuert er sie ab: Schlimm steht es um die Eurozone, sagt Guttenberg, aber es kann noch schlimmer kommen. Warum? „Die Deutschen haben keine Ahnung davon, wie der Euro, wie Europäische Union funktioniert“, sagt der 39-Jährige. Zu tun habe das mit der Unfähigkeit der politischen Führung in Deutschland, den Menschen zu erklären, was derzeit auf dem Spiel steht. „Es gibt keinerlei intellektuellen Ansatz darüber, wie die Europäische Union in der Zukunft aussehen soll“, klagt der CSU-Politiker. „Wir stolpern konzeptionslos von einer Krise zur nächsten“. Als Guttenberg das sagt, nickt der Brite auf dem Podium. Selten hat man von einem Deutschen eine derartige Fundamentalkritik zu hören bekommen.


„Es fehlt an Emotionen, Gefühl und Leadership“

Diejenigen, die dem einstigen konservativen Hoffnungsträger zuhören, sind keine Nobodys. Das Forum in Halifax hat sich unter der Regie des agilen kanadischen Verteidigungsministers Peter MacKay zu einem hochrangigen Treffen entwickelt. US-Senatoren wie John McCain aus Arizona oder Mark Udall aus Colorado  machen den langen Weg nach Norden. Ebenso wie zahllose Thinktanker, Botschafter und ehemalige hohe Regierungsbeamte wie etwa Anne-Marie Slaughter, bis Februar Direktorin im Planungsstab bei Hillary Clinton. Was Guttenberg sagt wird gehört und multipliziert sich. Auch, weil der Franke seine Einsichten in gewohnt geschliffenem Englisch präsentiert – was bei einem auf Effizienz getrimmten Publikum besonders gut ankommt.

Guttenbergs Angriffe auf Europa zielen aber nicht nur auf die handwerklichen Fehler der Macher in Brüssel. Guttenberg wirft den Architekten und Verwaltern der EU vor, die Menschen Europas bei ihrem Großprojekt seit langem vergessen zu haben. „Es fehlt an Emotionen, an Gefühl, wenn die Politiker über Europa sprechen“, sagt Guttenberg. Eine Kritik, die Teilnehmer aus dem Publikum gerne aufgreifen und flugs eine emotionale Offensive fordern. Jetzt ist es Guttenberg, der nickt und kurz darauf selbst beklagt, dass es in Europa an „Leadership“ fehle. Ein Vorwurf im Übrigen, der in Nordamerika immer gut ankommt.

Nach 80 Minuten ist der erste Auftritt des Ex-Wirtschafts- und Verteidigungsministers absolviert. Laut ist er ausgefallen, ungeduldig und ungnädig. So, als ob sich da einer nach Monaten der zwangsverordneten Ruhe Luft machen musste. Über den Euro, die Politik, das Leben. Vom amerikanischen Optimismus jedenfalls ist bei diesem Karl-Theodor zu Guttenberg noch nichts zu spüren. Aber das kann ja noch kommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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