Kernkraft: Atomstrom-Pause für Deutschland

Kernkraft: Atomstrom-Pause für Deutschland

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Das Kernkraftwerk in Lingen (Kreis Emsland)

Das ist einmalig: Ab diesem Wochenende sind von allen 17 deutschen Kernkraftwerken vorläufig nur noch vier am Netz. Die Gründe: Das Moratorium der Bundesregierung und Wartungsarbeiten. Sind Stromlücken die Folge?

Fast fühlt es sich an wie ein Atomausstieg: Wenn am morgigen Samstag der Betreiber RWE das Kernkraftwerk im Emsland für Wartungsarbeiten vom Netz nimmt, ist es das 13. Kraftwerk, das innerhalb weniger Wochen den Betrieb einstellt – und das leistungsstärkste in Deutschland. Eine außergewöhnliche Situation, auch für die Netzbetreiber.

Doch warum wird es so knapp mit dem Atomstrom? Der Engpass war absehbar: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte kurz nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima Mitte März ein Moratorium verhängt, mit dem die sieben ältesten Kernkraftwerke in Deutschland für drei Monate stillgelegt werden. Und das, obwohl im Zeitraum von März bis Juni fünf Reaktoren zur routinemäßigen Revision vom Netz sollten und das Kraftwerk Krümmel seit Jahren außer Betrieb ist. Von 17 bleiben vorerst nur noch vier am Netz.

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Keine Angst vor Strommangel

Dass rund drei Viertel der Kraftwerkskapazitäten still stehen, ist in der Geschichte des deutschen Atomstroms einmalig. Wie sich das auf die Stromversorgung auswirken wird, kann deshalb keiner so genau sagen – auch nicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es zu einem flächendeckenden Stromausfall kommen könnte.

In der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nimmt man die Situation nicht auf die leichte Schulter. „Zu Spitzennachfragezeiten brauchen wir 80 Gigawatt an Strom. Die gesicherte Leistung mit nur vier AKW am Netz beträgt dann auch ungefähr 80 Gigawatt. Es wird also eng – und eine große Herausforderung für die Netzstabilität. Kohlekraftwerke müssen besser ausgelastet werden“, meint Claudia Kemfert.

Doch selbst wenn bestehende Kraftwerke mehr ausgelastet werden, kämen die Betreiber kaum über 82 Gigawatt, so Kemfert. Zwar glaubt Kemfert daran, dass erneuerbare Energien dabei helfen können, die Stromlücke zu schließen – aber eben nur, wenn die Sonne scheint und der Wind weht. „Wenn nicht, muss trotzdem ausreichend Strom in den Netzen sein, um für Stabilität zu sorgen“, so die Expertin. Dass in Deutschland die Lichter ausgehen könnten, schließt sie aber aus.

"Angespannt, aber unter Kontrolle"

So sieht das auch der Netzbetreiber Amprion, der allein in Deutschland ein 11.000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz betreibt. „Die Lage ist angespannt, aber unter Kontrolle“, versicherte Amprion-Sprecher Marian Rappl. Allerdings müsse das Stromnetz sorgfältig gesteuert werden, damit es nicht zu Überlastungen kommt. Weil die meisten Atom-Meiler in Süddeutschland stehen – und viele von ihnen abgeschaltet sind bzw. in Revision gehen – muss verstärkt Strom vom Norden Deutschlands in den Süden transportiert werden. In der Nordhälfte Deutschlands hingegen, vor allem im Ruhrgebiet, stehen viele konventionelle Kraftwerke wie Kohle oder Gas, und nicht so viele Atommeiler.

Dass jetzt mehrere Kernkraftwerke gleichzeitig in Revision gehen, ist kein Zufall, erklärt Rappl: „Jetzt ist eine Jahreszeit, in der der Strombedarf nicht so enorm ist: Die Menschen benutzen die Heizung nicht mehr, aber es ist auch nicht so heiß, dass schon die Klima-Anlagen laufen“. Außerdem sei eine Revision von langer Hand geplant und sehr kostenintensiv, meint Manfred Lang von RWE. Das ließe sich nicht einfach verschieben – und das wolle man auch nicht, schließlich gehe es um Sicherheit. Das Kraftwerk im Emsland bleibt bis zum 9. Juni vom Netz. Lang sieht das gelassen, denn: „Wenn ordentlich Wind bläst, hätten wir wegen der großen Windkraftanlagen im Norden ohnehin Überkapazitäten“.

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