Kernkraft-Aus: Kater nach der Atom-Sause

Kernkraft-Aus: Kater nach der Atom-Sause

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Luftaufnahme des Kernkraftwerks Philippsburg

Biblis und Philippsburg lebten jahrzehntelang gut mit dem Atomkraftwerk vor der Tür. Jetzt stellen sie sich auf die harten Zeiten danach ein – oder auch nicht.

Hildegard Cornelius-Gaus ist der Vogel Strauß unter den Bürgermeistern. Wenn es unangenehm wird, verkriecht sie sich. Die Ortsvorsteherin des südhessischen Fleckens Biblis blockt alle Anfragen zum nahen Atomkraftwerk ab, sie wolle sich "zu diesem Thema nicht mehr äußern" und sei "zu beschäftigt", lässt sie ausrichten. Vor einigen Monaten klang das noch anders. Als die Bundesregierung im Herbst ihren Atomkonsens vorstellte, der eine kräftige Laufzeitverlängerung für ältere Meiler wie den in Biblis bedeutete, verkündete die parteilose Politikerin: "Biblis freut sich." Jetzt steht der Meiler still, und auch wenn Betreiber RWE dagegen klagt, spricht fast nichts dafür, dass er je wieder Strom, Konzerngewinne und Steuereinnahmen produzieren wird.

Drei Millionen Defizit

Doch was aus Sicht des brütenden Laufvogels Sinn ergibt, um sich und das die Flucht behindernde Ei im hohen Gras zu tarnen, wird Cornelius-Gaus nicht weiterhelfen. Schon heute ist Biblis alles andere als ein prosperierendes Örtchen. Die Häuser des unscheinbaren Straßendorfes sind schlicht und obwohl der Bahnhof von Umsteigern regelmäßig frequentiert wird, ist das Erscheinungsbild von rechtsradikalen Schmierereien geprägt. Ein Ortszentrum gibt es nicht, ersatzweise muss die alte Durchgangsstraße herhalten, doch der sieht man an, dass hier jahrzehntelang Schwertransporte entlangdonnerten. In den vergangenen zwei Jahren wies der Gemeindehaushalt ein Defizit von jeweils rund drei Millionen Euro aus, eine beachtliche Summe, liegen doch die Gesamteinnahmen nur bei knapp 13 Millionen Euro.

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Und die Zukunft verspricht Schlimmeres. Denn die Stadt hat wie keine andere ihr Schicksal an das der Atomkraft gekoppelt. In der Nachkriegszeit wurde im Ort zunächst gutes Geld verdient mit dem Bau von Möbeln und vor allem der Anpflanzung und Verarbeitung von Gurken, einige Konservenfabriken hatten hier ihre Heimat. Geblieben ist aus dieser Zeit einzig das jährliche Gurkenfest mit der unvermeidlichen Krönung einer Gurkenkönigin.

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