Kernkraftwerk Krümmel: Super-Gau: Vertrauen verspielt

KommentarKernkraftwerk Krümmel: Super-Gau: Vertrauen verspielt

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WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefanie Augter

Ein Störfall kommt selten allein: Nach den Pannen im Kernkraftwerk Krümmel und der Schnellabschaltung hat Betreiber Vattenfall offenbar erneut den Informationsfluss behindert. Der Energiekonzern riskiert damit nicht nur die Wiederinbetriebnahme seines Reaktors – sondern die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche, kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteurin Stefanie Augter.

"Geschlossen wegen Unzuverlässigkeit" steht auf dem Schild von Greenpeace. Aktivisten der Umweltorganisation haben sich an das Eisentor zum abgeschalteten Kernkraftwerk Krümmel gekettet, blockieren die Einfahrt und fordern: Legt den Pannenreaktor endlich still! Die Atomkraft-Gegner dürften ausnahmsweise auf breite Zustimmung stoßen – zumindest in diesem konkreten Fall.

Egal wie man zur Kernkraft steht: Krümmel ist ein schwieriger Kandidat. Nach zwei Jahren Stillstand war der Reaktor vor zwei Wochen wieder ans Netz gegangen, als er volle Leistung erreichen sollte, schaltete er sich selbstständig ab. Ursache war ein Kurzschluss in einem Transformator, ähnlich wie bei dem Störfall vor zwei Jahren. Das weckt kein Vertrauen.

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Noch misstrauischer als der Störfall selbst macht der nicht störungsfreie Informationsfluss: Die Atomaufsicht hörte zuerst über die Polizei von dem Zwischenfall, ehe Vattenfall sich selbst meldete. Jetzt muss der Betreiber erklären, warum es nicht möglich war, binnen 40 Minuten das Lagezentrum und die Aufsicht auf dem vorgeschriebenen Weg zu informieren.

Vattenfall ist in Erklärungsnot

Vattenfall ist in Erklärungsnot – da helfen Beschwichtigungen, alles sei nur halb so schlimm, nicht weiter.

Auch das zerknirschte Bedauern über die wieder mal verpatzte Kommunikation und die dadurch entstandene Verunsicherung der Öffentlichkeit wird wohl kaum ausreichen. Was Vattenfall jetzt braucht, ist eine lückenlose Aufklärung.

Hamburger Bürgern dürfte nach diesem Wochenende jedenfalls schwer zu vermitteln sein, dass Kernkraft eine sichere Energieversorgung garantiert: Kurz nach der Schnellabschaltung kam es zum Spannungsabfall im Stromnetz. Rund 1500 Ampeln fielen in der Millionenstadt vorübergehend aus, tausende von Hamburgern waren in der Nacht zum Sonntag ohne Wasser.

Neben Greenpeace und anderen Umweltorganisationen dürften vor allem die anderen Energiekonzerne auf die Barrikaden gehen. Schließlich arbeiten Eon, RWE und EnBW auf eine Verlängerung der Laufzeiten hin. Krümmel ist auch in dieser Hinsicht ein Störfall – der Pannenreaktor riskiert die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche.  

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