Kinderbetreuung: Kampf um die Quote bei Kita-Plätzen

Kinderbetreuung: Kampf um die Quote bei Kita-Plätzen

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Augen zu und durch: Viele Städte werden im Herbst nicht genug Kita-Plätze haben

von Konrad Fischer

In deutschen Städten entscheidet sich gerade, wie viele Kita-Plätze sie zum Stichtag Anfang August tatsächlich anbieten können. Eine exklusive Befragung zeigt: Auf den letzten Drücker entwickelt sich eine beeindruckende Dynamik.

Überraschend kommt die Anfrage anscheinend nicht. „Wenn ich noch eine Kindertagesstätte bis Anfang August brauche, schaffen Sie das?“ „Einen Moment bitte, ich verbinde Sie mit Herrn Schmidt.“ Hans-Werner Schmidt ist Konstrukteur beim Siegerländer Bauunternehmen Kleusberg, dessen Spezialität im Modulbau liegt. Aus vorgefertigten Teilen plant und baut die Firma von der simplen Baustellenbude bis zum Krankenhaus in kurzer Zeit fast jedes Gebäude.

Darunter auch Kindertagesstätten, um die kümmert sich Schmidt. „Wir werden in den vergangenen Wochen von solchen Anfragen überrannt“, sagt er. Doch langsam wird es selbst für die schnellen Modulbauer knapp: Die Vorbereitung von Statik und Fundamentplänen braucht drei bis vier Wochen, der Rohbau weitere 14 Wochen. Mit Innenausbau kommt Schmidt auf 25 bis 29 Wochen. „Vor Mitte September wird das nichts mehr.“ Er schränkt weiter ein: „Und all das setzt ja voraus, dass die Ausschreibung schon gelaufen ist.“

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Mit anderen Worten: Wer jetzt noch keine Kita hat, der baut auch keine mehr. Zumindest bis zum Herbst, wenn das Damoklesschwert des Rechtsanspruchs vom Faden reißen wird. Ab dem 1. August, so will es das Gesetz, haben Kinder ab dem Alter von einem Jahr einen Anspruch auf Betreuung. Angesichts dessen ist es kein Wunder, dass im März in den meisten Bundesländern und Kommunen Fristen ablaufen, zu denen die endgültigen Ausbauzahlen beschlossen und gemeldet werden müssen.

Wie eng wird es im Herbst?

Die WirtschaftsWoche hat jetzt exklusiv in den 50 größten deutschen Städten nachgefragt, wie eng es im Herbst tatsächlich wird. Die Auswertung verrät, welche Städte mit Klagen rechnen müssen und wo der Übergang glimpflich laufen könnte.

Insgesamt zeigt sich, dass es in den meisten Städten in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Dynamik gegeben hat. Betreuungsquoten von weniger als 20 Prozent, wie sie vor Jahresfrist noch häufig waren, wird es im Herbst nicht mehr geben. Durchschnittlich erreichen die Städte eine Quote von rund 39 Prozent, das entspricht dem von der Bundesregierung anvisierten Zielwert. Knapp die Hälfte der Städte bleibt jedoch unter den jeweiligen Zielmarken von 51 Prozent im Osten und 37 Prozent im Westen.

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Rechtsanspruch gilt

Der Rechtsanspruch gilt ohnehin unabhängig von dieser Zielmarke. Wer einen Kita-Platz beantragt, dem muss einer zur Verfügung gestellt werden. In den meisten Städten wird damit gerechnet, dass eine Betreuungsquote von 40 bis 50 Prozent notwendig sein wird, um alle Wünsche zu erfüllen.

Was genau passiert, wenn die Städte nicht genug Plätze bieten können, ist noch unklar. „Ich rechne in jedem Fall mit mehr Klagen als bei der Einführung des Rechtsanspruchs auf Kindergartenplätze“, sagt Cornelia Weidenbusch, bei der Stadt Wuppertal für Kindertagesstätten zuständig. „Allein schon, weil sich die Anwaltskultur in den vergangenen Jahren so stark verändert hat.“ Ob diese Klagen aber auch Erfolg haben werden, ist alles andere als ausgemacht.

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