Kinderbetreuung: Run auf die Kitas ungebrochen

Kinderbetreuung: Run auf die Kitas ungebrochen

, aktualisiert 27. Juli 2017, 16:52 Uhr
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Warteschlangen vor Kitas sind derzeit – vor allem im Westen Deutschlands – weit verbreitet.

von Barbara GillmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Zahl der Kleinkinder, die auswärts betreut wird, ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Ein Ende des Runs auf Kitas und Krippen ist nicht in Sicht – den höheren Geburtenzahlen und der Zuwanderung sei Dank.

BerlinDer Run auf die Krippen und Kitas der Republik hält an: Am 1. März dieses Jahres wurden rund 763.000 Kinder unter drei Jahren in einer Einrichtung oder von einer Tagesmutter betreut, teilten die Statistiker heute mit. Das waren 41.300 Kinder mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 waren es lediglich 287.000, also rund ein Drittel.

Der Run begann, als der Staat am 1. August 2013 einen bundesweiten Rechtsanspruch für Kinder ab dem ersten Geburtstag auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz einräumte. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen: Denn aktuell besucht erst rund ein Drittel der Null- bis Dreijährigen eine Kita oder wird von einer Tagesmutter betreut. Schätzungen gehen aber davon aus, dass der Bedarf in dieser Altersgruppe eher bei 50 Prozent liegt.

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Aktuell sind jedenfalls Warteschlagen vor den Kitas vor allem im Westen Deutschlands weit verbreitet. In Berlin schließen gerade die Wartelisten für 2018. Selbst die zuständige Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) spricht nur von einem „neuen Streckenrekord“ – und verlangt „mehr Engagement des Bundes in der Kindertagesbetreuung“.

Für eine Verlängerung des Runs spricht auch, dass es mehr Nachwuchs gibt, als bisher erwartet. Die Bertelsmann Stiftung hatte vor wenigen Tagen eine Prognose vorgelegt, wonach es wegen der gestiegenen Geburten und der Zuwanderung schon 2025 rund 8,3 Millionen Schüler in Deutschland geben wird – gut eine Millionen mehr, als die Kultusminister bisher kalkulierten.

Doch „diese Welle an zusätzlichen Kindern kommt natürlich zuerst in den Krippen und Kitas an“, sagte Dirk Zorn von der Bertelsmann Stiftung dem Handelsblatt. „Schon 2021 wird es etwa 370.000 Kinder mehr zwischen null und sechs Jahren geben als noch 2016“, rechnet er die Dimension vor. Davon entfallen allein 100.000 auf die Gruppe der Unter-Dreijährigen. Gemessen an der bisherigen Ausbaugeschwindigkeit der Betreuungseinrichtungen „ist das eine riesige Herausforderung“, sagt Zorn, der die Prognose mit dem Bildungsforscher Klaus Klemm erstellt hatte. Denn Bund, Länder und Kommunen benötigten immerhin zehn Jahre, um 400.000 neuen Krippenplätze zu schaffen.

Für den weiteren Ausbau fehlt nicht nur das nötige Geld. „Noch viel schwieriger wird es, auf dem praktisch leergefegten Markt für Erzieherinnen genügend Kräfte zu finden“, warnt Zorn. „Da rächt es sich jetzt möglicherweise, dass Ausbildungsbedingungen und Bezahlung für diese Berufsgruppe nach wie vor ziemlich unattraktiv sind.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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