Kindergeld und Ehegattensplitting: Wirtschaftsexperten fordern Kurswechsel in Familienpolitik

Kindergeld und Ehegattensplitting: Wirtschaftsexperten fordern Kurswechsel in Familienpolitik

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute fordern mehr Ganztagsbetreuungen für Kinder und kritisieren das Kindergeld. Kein gutes Haar lassen die Wirtschaftsforscher am traditionellen Ehegattensplitting.

Führende Wirtschaftsinstitute fordern einen Kurswechsel in der Familienpolitik. Anstelle einer Erhöhung des Kindergeldes müsse mehr in den qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung investiert werden, forderten das DIW, ifo-Institut und das ZEW am Mittwoch in Berlin. Der scheidenden Familienministerin Kristina Schröder stellten die Experten ein gemischtes Zeugnis aus. Während sie die Ausweitung der Kita-Plätze und das Elterngeld lobten, schneiden das Kindergeld und insbesondere das Familiensplitting in der Bewertung eher schlecht ab.

Die Institute waren beteiligt an der von der Bundesregierung veranlassten Evaluierung aller ehe- und familienpolitischer Leistungen, für die der Staat pro Jahr rund 200 Milliarden Euro ausgibt. Der Ausbau der Kinderbetreuung sei die einzige zentrale Maßnahme, die eine substanzielle Wirkung entfalte, sagte DIW-Expertin Katharina Spieß. Dadurch würden Familien bei ihren Erwerbswünschen unterstützt und könnten so ihr Einkommen stabilisieren. Auch das Elterngeld habe einen hohen Wirkungsgrad: Die im internationalen Vergleich relativ langen Erwerbsunterbrechungen von Müttern hätten sich dadurch verkürzt. Dadurch hätten sie mehr Geld und später höhere Altersbezüge.

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Das Kindergeld trägt nach Einschätzung der Forscher zwar zur finanziellen Stabilität von Familien bei, bietet aber kaum Anreize, ein Verhalten zu ändern - etwa früher in den Beruf zurückzukehren und einen Kinderwunsch zu erfüllen. Zudem wirke es sich eher auf Familien mit mittleren oder hohen Einkommen aus. Das Ehegattensplitting habe sogar negative Auswirkungen auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Es steht zu Recht in der Kritik, weil es dem Zweitverdiener - meist die Frau - einen Anreiz setzt, weniger arbeiten zu gehen“, sagte Holger Bonin vom ZEW. Gäbe es das Ehegattensplitting nicht, würden deutlich mehr Mütter arbeiten.

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