Kirche: Erzbischof Zollitsch: "Paulus würde im Internet surfen"

Kirche: Erzbischof Zollitsch: "Paulus würde im Internet surfen"

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Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Robert Zollitsch will digitale Medien zum "Brückenbau" nutzen.

Im Interview mit der WirtschaftsWoche spricht Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, über das Internet als Chance, Stammzellenforschung und Atomkraft.

Erzbischof Robert Zollitsch, seit Februar Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, sieht das Internet „als ergänzende Chance, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und ihnen Informationen über Kirche und Glaube zu geben.“

Seit November nutzt sein Bistum als das erste weltweit die Internet-Welt Second Life, um dort regelmäßig Gottesdienste zu zelebrieren. Zollitsch ist sicher: „Lebte der Apostel Paulus heute, würde er im Internet surfen.“

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Er sieht im Internet nicht nur die Chance, aus passiven Gläubigen aktive Kirchgänger zu machen. Es gebe auch Kranken und Älteren, so der Erzbischof im Interview mit der WirtschaftsWoche, „die Möglichkeit, sich am Gemeindeleben zu beteiligen und das Wirken der Kirche zu verfolgen“. Ersetzen könne es die Wirklichkeit aber nicht: „Wir können im Internet weder Kinder taufen, noch Paare trauen, niemanden die Sakramente spenden und dort auch nicht die Heilige Messe feiern. Das bleibt dem realistischen Gottesdienst vorbehalten.“

Die Technik baue aber Brücken zu den Menschen. Vor allem zu Jugendlichen. „Sie sehen, dass ich mit ihrer Welt zumindest im Groben vertraut bin, dass ich nicht von vorgestern bin“, argumentiert Zollitsch.

Ja zur Biotechnologie

Auch gegenüber der Biotechnologie zeigt sich der Erzbischof aufgeschlossen: „Ja, wir brauchen die Forschung, wenn sie Pflanzen widerstandsfähiger macht und den Menschen mehr Nahrung bringt.“

Zur ursprünglichen kirchlichen Position „Wir dürfen die Schöpfung nicht verändern“ sagt Zollitsch: „Ich halte es mit Martin Heidegger, der gesagt hat, der Mensch sei der Hirte des Seins. Für mich heißt das: Wir sollen die Schöpfung bewahren und zugleich dafür sorgen, dass sie sich zum Wohle der Menschen weiterentwickelt.“

Selbst gegen eine Forschung mit adulten Stammzellen, die Erwachsenen entnommen sind, hat Zollitsch keine Einwände. Ganz anders aber sei seine Position bei der embryonalen Stammzellenforschung. Zollitsch: „Da ist für mich eine eindeutige Grenze erreicht: Ich darf nicht töten – auch nicht, wenn ich damit dem Leben dienen will. Selbst der beste Zweck gestattet nicht jedes Mittel.“

Auch zur Atomkraft hat Zollitsch eine klare Meinung: „Ich persönlich halte es für diskutabel, die Atomkraft so lange zu nutzen, bis ausreichend regenerative Energiequellen zur Verfügung stehen. Sie ist jedoch nicht die Energie der Zukunft. Dafür sind die Risiken zu unüberschaubar und die Gefahr der Endlagerung zu groß.“

Grundsätzlich sind für Zollitsch Glaube und Wissen kein Gegensatz. „ Ich bin überzeugt, dass Gott geradezu möchte, dass wir immer tiefer in die Geheimnisse seiner Schöpfung und der Natur eindringen. Je mehr der Mensch davon versteht, umso ehrfurchtsvoller und bewundernder wird er vor dem stehen, was Gott geschaffen hat.“

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