Kita-Streik: Schlichterspruch soll Dienstag verkündet werden

Kita-Streik: Schlichterspruch soll Dienstag verkündet werden

, aktualisiert 22. Juni 2015, 16:10 Uhr
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Eltern und Kinder demonstrieren gegen den Kita-Streik.

Hat der Kita-Streik am Dienstag ein Ende? Dann wollen die beiden Schlichter ihren Schlichtspruch bekannt geben. Noch dauern die Gespräche an.

In der Tarifauseinandersetzung für die Kita-Erzieher wird der Schlichterspruch voraussichtlich am Dienstag verkündet. Das wurde am Montag in Verhandlungskreisen bekannt. Wo die beiden Schlichter, der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) und der einstige Hannoveraner Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD), ihre Schlussverhandlungen führen und dann die Öffentlichkeit informieren, blieb zunächst unklar.

Die Gespräche dauerten am Montag an und sollten sich bis in die Nacht hinziehen. Nach drei Wochen Streik hatten sich die kommunalen Arbeitgeber und die Gewerkschaften Verdi, GEW und der Beamtenbund dbb Anfang Juni erstmals wieder zusammengesetzt. Nach tagelangen zähen Verhandlungen verkündeten beide Seiten ein Scheitern und leiteten die Schlichtung ein.

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Fragen und Antworten zum Kita-Streik

  • Worum geht es bei der Tarifauseinandersetzung?

    Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber verhandeln nicht über eine prozentuale Tariferhöhung. Es geht darum, wie die Arbeit von Erzieherinnen und Sozialarbeitern bewertet und bezahlt wird. Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden. Nach ihren Angaben hätte dies im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung um zehn Prozent zur Folge.

  • Für wen wird verhandelt?

    Die Verhandlungen laufen nur für die bei den Kommunen beschäftigten Erzieher. Das ist laut Verdi etwa ein Drittel - zwei Drittel arbeiten für freie Träger wie Kirchen oder die Arbeiterwohlfahrt. Bei den freien Trägern orientieren sich die Arbeitgeber der Gewerkschaft zufolge am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, allerdings häufig mit Eingruppierungen unterhalb des Niveaus bei den Kommunen.

  • Wie begründen die Gewerkschaften ihre Forderung?

    Mit dem Ausbau der frühkindlichen Bildung seien die Anforderungen an die Erzieherinnen stark gestiegen, betont Verdi. Eine entsprechende Bezahlung sei aber ausgeblieben. Auch die Bertelsmann Stiftung streicht die gewachsenen Ansprüche an Erzieherinnen heraus. „Das Anforderungsprofil entspricht dem von Grundschullehrern“, sagt Anette Stein, die bei der Stiftung Direktorin des Programms Bildungsinvestitionen ist. Die Bezahlung bleibe aber „deutlich“ hinter der von Grundschullehrern zurück.

  • Wie werden Erzieherinnen bezahlt?

    Die Einstufung im Tarifsystem erfolgt nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Eine Kinderpflegerin erhält als Anfangsgehalt 2043 Euro brutto im Monat, die Leiterin einer Kita kann, bei besonders großen Einrichtungen, bis zu 4749 Euro im Monat verdienen. Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit bekommt nach Angaben von Verdi derzeit 2946 Euro im Monat, nach den Vorstellungen der Gewerkschaft soll sie künftig 3387 Euro erhalten.

  • Was sagen die Arbeitgeber?

    Die meisten Erzieherinnen seien bereits jetzt in die höchste Erfahrungsstufe eingruppiert und hätten damit ein Monatsgehalt von 3289 Euro. Die kommunalen Arbeitgeber vergleichen die Bezahlung der Erzieherinnen mit der von Handwerkern im öffentlichen Dienst oder Brandmeistern bei der Feuerwehr. Das Einkommen des Ausbildungsberufs Erzieherin liege oberhalb dieser Gruppen.

  • Und die Erzieherinnen?

    Viele Kita-Beschäftigte haben in einer aktuellen Befragung eine schlechte Bezahlung und fehlende Wertschätzung beklagt. Das Vorurteil „wir spielen, basteln und betreuen die Kinder nur“ sei noch weit verbreitet. In einer beim Kitaleiter-Kongress am Mittwoch in Dortmund vorgestellten repräsentativen Umfrage gaben fast 88 Prozent der Befragten an, ihre Bezahlung entspreche nicht den gestiegenen Anforderungen an ihre Arbeit.

Voraussichtlich noch am Dienstag würden beide Seiten eine erste Bewertung zum Schlichterspruch abgeben. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich nicht an den Vorschlag halten. Abschließende Klarheit darüber, ob es neue Kitastreiks gibt, sei aber den verschiedenen Gewerkschaftsgremien vorbehalten.

Die Gewerkschaften fordern Einkommenserhöhungen für die rund 240.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst im Umfang von durchschnittlich zehn Prozent. Die Arbeitgeber lehnen eine pauschale Erhöhung ab. Die Gewerkschaften entgegneten: Sie hätten gar keine pauschale Forderung, sondern viele einzelne Forderungen für einzelne Beschäftigtengruppen.

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