Kita-Streik: Verdi-Basis lehnt Schlichterspruch ab

Kita-Streik: Verdi-Basis lehnt Schlichterspruch ab

, aktualisiert 08. August 2015, 16:20 Uhr

Im Kita-Tarifstreit haben die Mitglieder der Gewerkschaft Verdi mit großer Mehrheit gegen den Schlichterspruch gestimmt. Nun könnten erneut Streiks drohen.

Im Tarifstreit an den kommunalen Kitas drohen neue Streiks. Die Mitglieder der Gewerkschaft Verdi und des Deutschen Beamtenbundes lehnten die Annahme eines Schlichterspruchs in dem Konflikt am Samstag ab. Beim Beamtenbund (dbb) stimmten mehr als 60 Prozent der Erzieherinnen, Kinderpfleger und Sozialarbeiter dagegen, bei Verdi waren es fast 70 Prozent. Der Beamtenbund sprach von einem deutlichen Signal und einem klaren Auftrag für die Verhandlungskommission.

Verhandlungsführer Andreas Hemsing kündigte an, die Geschäftsführung der dbb-Bundestarifkommission werde Anfang kommender Woche über das weitere Vorgehen und die Möglichkeit erneuter Streiks beraten. Die Arbeitgeber reagierten mit Unverständnis und Kritik auf das Nein zum Kompromiss. Die Tarifverhandlungen sollen am Donnerstag in Offenbach fortgesetzt werden.

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Fragen und Antworten zum Kita-Streik

  • Worum geht es bei der Tarifauseinandersetzung?

    Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber verhandeln nicht über eine prozentuale Tariferhöhung. Es geht darum, wie die Arbeit von Erzieherinnen und Sozialarbeitern bewertet und bezahlt wird. Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden. Nach ihren Angaben hätte dies im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung um zehn Prozent zur Folge.

  • Für wen wird verhandelt?

    Die Verhandlungen laufen nur für die bei den Kommunen beschäftigten Erzieher. Das ist laut Verdi etwa ein Drittel - zwei Drittel arbeiten für freie Träger wie Kirchen oder die Arbeiterwohlfahrt. Bei den freien Trägern orientieren sich die Arbeitgeber der Gewerkschaft zufolge am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, allerdings häufig mit Eingruppierungen unterhalb des Niveaus bei den Kommunen.

  • Wie begründen die Gewerkschaften ihre Forderung?

    Mit dem Ausbau der frühkindlichen Bildung seien die Anforderungen an die Erzieherinnen stark gestiegen, betont Verdi. Eine entsprechende Bezahlung sei aber ausgeblieben. Auch die Bertelsmann Stiftung streicht die gewachsenen Ansprüche an Erzieherinnen heraus. „Das Anforderungsprofil entspricht dem von Grundschullehrern“, sagt Anette Stein, die bei der Stiftung Direktorin des Programms Bildungsinvestitionen ist. Die Bezahlung bleibe aber „deutlich“ hinter der von Grundschullehrern zurück.

  • Wie werden Erzieherinnen bezahlt?

    Die Einstufung im Tarifsystem erfolgt nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Eine Kinderpflegerin erhält als Anfangsgehalt 2043 Euro brutto im Monat, die Leiterin einer Kita kann, bei besonders großen Einrichtungen, bis zu 4749 Euro im Monat verdienen. Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit bekommt nach Angaben von Verdi derzeit 2946 Euro im Monat, nach den Vorstellungen der Gewerkschaft soll sie künftig 3387 Euro erhalten.

  • Was sagen die Arbeitgeber?

    Die meisten Erzieherinnen seien bereits jetzt in die höchste Erfahrungsstufe eingruppiert und hätten damit ein Monatsgehalt von 3289 Euro. Die kommunalen Arbeitgeber vergleichen die Bezahlung der Erzieherinnen mit der von Handwerkern im öffentlichen Dienst oder Brandmeistern bei der Feuerwehr. Das Einkommen des Ausbildungsberufs Erzieherin liege oberhalb dieser Gruppen.

  • Und die Erzieherinnen?

    Viele Kita-Beschäftigte haben in einer aktuellen Befragung eine schlechte Bezahlung und fehlende Wertschätzung beklagt. Das Vorurteil „wir spielen, basteln und betreuen die Kinder nur“ sei noch weit verbreitet. In einer beim Kitaleiter-Kongress am Mittwoch in Dortmund vorgestellten repräsentativen Umfrage gaben fast 88 Prozent der Befragten an, ihre Bezahlung entspreche nicht den gestiegenen Anforderungen an ihre Arbeit.

Im Sozial- und Erziehungswesen der Kommunen sind rund 240.000 Menschen beschäftigt. Mit der Annahme des Schlichterspruchs hätten sich ihre Einkommen um zwei bis 4,5 Prozent erhöht. Verdi-Chef Frank Bsirske bewertete den Kompromissvorschlag jedoch schon vor Wochen sehr kritisch.

Trotz der Ablehnung forderte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle, einen raschen Tarifabschluss auf Basis des Kompromisses. Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter hätten der Einigungsempfehlung der Schlichter zugestimmt. "Wir haben kein Verständnis dafür, wenn dieser austarierte Kompromiss nun in den anstehenden Verhandlungen am Donnerstag abgelehnt werden sollte." Nachbesserungen schloss Böhle aus: "Weitere Veränderungen gegenüber dem Schlichterspruch kann es nicht geben." Für erneute Streiks habe er kein Verständnis.

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Die Tarifpartner hatten sich nach einem mehrwöchigen Arbeitskampf Anfang Juni auf die Schlichtung verständigt. Verdi fordert eine höhere Einstufung der Erzieherinnen und Sozialarbeiter in den Gehaltstabellen, durch die sich die Einkommen im Durchschnitt um zehn Prozent erhöhen würden. Die Arbeitgeber warfen der Gewerkschaft indes vor, durch die Höhergruppierung tatsächlich Gehaltssteigerungen von bis zu 21 Prozent durchsetzen zu wollen.

VKA-Präsident Böhle sagte, die Gewerkschaften hätten mit unrealistischen Forderungen und durch aggressives Vorgehen Erwartungen geweckt, die nicht zu erfüllen seien. "Sie sind nun offenbar nicht mehr in der Lage, den Tarifkonflikt zu beenden."

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