Klimaschutz: Geschäft mit erneuerbaren Energien in Niedersachsen boomt

Klimaschutz: Geschäft mit erneuerbaren Energien in Niedersachsen boomt

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Windkraftanlage von Enercon: Ostfriesisches Know-How für europäische Windparks

Zwischen Nordsee und Harz boomt das Geschäft mit den erneuerbaren Energien. Auch jetzt in Zeiten der Krise.

Nur ein viertel Millimeter Durchmesser hat sie, gerade noch groß genug, um sie mit bloßem Auge erkennen zu können. Dazu einen Namen, der nach Silicon Valley klingt: Rear-Inter-digitated Single Evaporation-Emitter Wrap Through, kurz RISE-EWT. Doch die Solarzelle mit dem derzeit höchsten Wirkungsgrad kommt nicht aus dem sonnigen Kalifornien, sondern ist made in Niedersachsen. Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten hier eng zusammen, um die Energieträger der Zukunft zu entwickeln.

Niedersachsen gehört zu den Top-Bundesländern bei der Energiegewinnung aus regenerativen Energieträgern. Rund 20 Prozent des niedersächsischen Strombedarfs werden durch den Einsatz von Wind, Sonne und Biomasse gedeckt. Damit liegt das Land deutlich über dem deutschen Durchschnitt von derzeit rund 14 Prozent. Doch trotz der Vorreiterrolle wird immer noch der größte Teil des Energiebedarfs aus fossilen Energieträgern und der Kernkraft gedeckt. Der Anteil der erneuerbaren Ressourcen am Energiemix soll zwar in den nächsten Jahren erhöht werden, bis zum geplanten Atomausstieg 2022 werden sie den Bedarf jedoch nicht decken können. Forscher tüfteln bereits an Verfahren, Windkraft, Sonnenenergie und Biogasnutzung noch effizienter zu machen.

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Windkraftanlagen für den europäischen Markt

Längst ist die grüne Energie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Auch die niedersächsischen Hersteller von Windkraftwerken konnten in den letzten Jahren einen deut-lichen Zuwachs verzeichnen – die Nachfrage stieg weltweit: 80 bis 90 Prozent der in Deutschland gebauten Windräder und Windkraftanlagen werden mittlerweile exportiert. Wichtige Märkte seien vor allem China und die USA, sagt Johannes Schiel, Windkraftexperte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). 2007 setzte die Branche rund sechs Milliarden Euro um.

Niedersächsische Unternehmen erwirtschaften dabei gut ein Viertel des gesamtdeutschen Branchenumsatzes. Marktführer Enercon mit Sitz in Aurich produziert Windkraftanlagen hauptsächlich für den europäischen Markt. An den Standorten Emden und Aurich beschäftigt Enercon rund 3000 Mitarbeiter und stellte 2007 Windkrafttechnik im Wert von 2,4 Milliarden Euro her.

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Doch die weltweite Wirtschaftskrise trifft auch die Windbranche. Für große Projekte, die noch nicht durchfinanziert sind, dürfte es schwierig werden, Kre- » dite zu bekommen. Schiel kann der Krise aber auch eine positive Seite abgewinnen. „Viele Unternehmen können jetzt die Zeit nutzen, ihre Wertschöpfungsprozesse zu optimieren.“ In den vergangenen Jahren lagen die Wachstumsraten der Windbranche um 30 bis 40 Prozent über der des gesamten Maschinenbaus. Eine Erholungsphase sei für die Hersteller daher nicht schlecht. Denn: „Wir erwarten auch in den kommenden Jahren einen wachsenden Markt“, so Schiel. Durch die Klimaschutzziele von Bund und EU seien Wachstumsraten von 10 bis 20 Prozent quasi vorgeschrieben.

Staatliche Subventionen tragen erheblich zum Erfolg der regenerativen Energieträger bei. Zudem sichert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) durch einen festen Vergütungssatz für die Einspeisung des erzeugten Biostroms ins Netz die wirtschaftliche Rentabilität der Anlagen. Das EEG soll dazu beitragen, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf einen Anteil zwischen 25 und 30 Prozent zu erhöhen.

„Das EEG ist ein sehr gutes Signal“, sagt daher auch Ulf Gerder vom Bundesverband Windenergie (BWE). Allerdings dürfe nicht übersehen werden, dass der Zubau an Windkraftanlagen, die derzeit noch den größten Anteil der in Deutschland genutzten erneuerbaren Energieträger ausmachen, bei Weitem noch nicht ausreicht, um die Klimaschutzvorgaben zu erfüllen. „Zurzeit liegt der Ausbau unter 2000 Megawatt jährlich“, so Gerder. „Um die Klimaziele zu erreichen, wären mindestens 3000 Megawatt zusätzliche Leistung im Jahr notwendig.“ Neue leistungsstarke Windparks vor der Küste könnten die benötigte Leistung erbringen. Die Pläne liegen zwar schon in der Schublade, doch noch fehlt es an Investoren und an den technischen Voraussetzungen, um den Strom auch ins Netz einspeisen zu können.

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