Klimaschutz-Index: Deutschland im Klima-Ranking nur Mittelmaß

Klimaschutz-Index: Deutschland im Klima-Ranking nur Mittelmaß

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Trotz Energiewende liegt Deutschland beim weltweiten Klimaschutzindex nur auf Platz 22. Schuld ist vor allem der hohe Braunkohleanteil.

Deutschland sieht sich beim Thema Energie-Umbau gerne als weltweiten Vorreiter - landet aber im neuen Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch erneut nur im Mittelfeld. Ein Grund: die Kohleverbrennung.

Der Ausbau erneuerbarer Energien hat in vielen Ländern zweistellige Zuwachsraten erreicht. Deutschland liege dabei zwar noch relativ gut, aber andere Länder holten rasch auf, schreiben Germanwatch und das Climate Action Network (CAN) im Klimaschutzindex 2016.

„Weltweit sehen wir in wichtigen Sektoren starke Anzeichen für einen beginnenden Umbau der Energiesysteme“, sagte der Hauptautor Jan Burck von Germanwatch bei der Veröffentlichung des Berichts am Dienstag auf dem Klimagipfel in Paris. So seien 2013 und 2014 mehr Kapazitäten an erneuerbarer Energien aufgebaut worden als in der Kohle-, Öl-, Gas- und Kernenergie zusammen. „Der Klimagipfel hat nun die Chance die Weichen dafür zu stellen, dass aus diesen Anzeichen eine tatsächliche weltweite Trendwende wird.“

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Zugleich hat sich die Anzahl der angemeldeten Erfindungen in der Klimaschutztechnik weltweit von 1995 bis 2011 von 11 000 auf 51 000 nahezu verfünffacht, wie aus einer Studie des Europäischen Patentamtes (EPA) und des UN-Umweltprogramms (Unep) hervorgeht, die ebenfalls in Paris veröffentlicht wurde.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde

  • Das Bevölkerungswachstum

    Die Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung.

  • Wirtschaftswachstum

    Trotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU.

  • Automobile

    Während Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Benzinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die Eine-Milliarde-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren.

  • Kohle, Kohle, Kohle

    Der seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren.

  • Abholzung

    Das Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid.

  • Rindfleisch

    Rinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen.

  • Wegwerfgesellschaft

    Nicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus.

  • Flugzeuge

    Flugzeuge stoßen CO2, Stickoide, Wasserdampf, Ruß, Sulfat und andere Partikel aus und verpesten so die Umwelt. Die größte Klimawirkung hat laut atmosfair.de das reine CO2, das immer beim Verbrennen von Benzin oder Kerosin entsteht. Außerdem die Bildung von Schleierwolken und Kondensstreifen, der Aufbau vom Treibhausgas Ozon in einem sensiblen atmosphärischen Stockwerk sowie der Abbau von Methan.

Beim Klimaschutzindex habe Dänemark im fünften Jahr infolge mit erfolgreichen Programmen für Energieeffizienz und erneuerbare Energien seine Spitzenposition beibehalten, schreiben Germanwatch und CAN. Es könne diesen jedoch angesichts der neuen Regierung, die Klimafinanzen kürzen wolle, bald verlieren. Das Land liegt beim Index auf Platz 4. Die ersten drei Plätze bleiben erneut frei, weil keines der betrachteten 58 Länder in den Augen der Autoren genug zum Abwenden eines gefährlichen Klimawandels tut.

Auf Platz 5 folgt Großbritannien nicht nur wegen seiner erneuerbaren Energien, sondern auch wegen der Ankündigung, aus der Kohle auszusteigen. Schweden kommt wegen seiner Energieeffizienz auf Platz 6.

Deutschland liegt weit dahinter auf Platz 22, vor allem wegen des hohen Braunkohleanteils. Als Pluspunkt zählen die Autoren die Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Juni die G7-Staaten zu einer ambitionierten Klimaerklärung bewegt habe. Auch sei das Land weiterhin gut bei den erneuerbaren Energien, deren Anteil sich von 2008 bis 2013 um über 40 Prozent erhöht habe.

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Weit führend ist Deutschland innerhalb Europas bei Erfindungen zum Klimaschutz. Fast die Hälfte aller Innovationen in diesem Bereich stamme aus der Bundesrepublik, berichten EPA und Unep. Selbst, wenn man die Erfindungen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sehe, stehe Deutschland an Europas Spitze vor Schweden, Frankreich und Finnland.

Der Klimaschutzindex bewertet unter anderem den CO2-Ausstoß 2013, die Entwicklung der Emissionen der jeweiligen Länder sowie die Klimaschutzpolitik. Die 58 Länder sind zusammen für 90 Prozent der energiebedingten Kohlendioxidemissionen verantwortlich.

Die USA kletterten wegen „ambitionierter Klimaschutzmaßnahmen“ um 12 Plätze nach oben auf Rang 34. Auch China verbesserte sich leicht und landete auf Platz 47 vor allem wegen der „relativ guten“ Klimapolitik und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Schlusslicht ist wie gewöhnlich Saudi Arabien, dessen Monarchie stark abhängig vom Öl sei.

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