Klimawandel: Falsche Versprechen - Seite 3

Klimawandel: Falsche Versprechen

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Doch welche das im Einzelfall ist, können Laien kaum erkennen. Schließlich kommen in Deutschland, dem Weltmarktführer im Bereich Umwelttechniken, ständig neue Innovationen dazu. Damit Klimaschutz möglichst effizient funktioniert, schlägt die Mittelstandsexpertin vor, Energie-Contracting auch im privaten Bereich zu stärken. Dabei plant, errichtet, finanziert und betreibt ein darauf spezialisiertes Unternehmen Energieerzeugungsanlagen und trägt die Verantwortung für deren Erfolg. Für Dött eine „marktwirtschaftliche Lösung mit enormem Potenzial“. Auch die Liberalen sehen im Klimaschutz eine Chance für neue Technologien. Sie wollen jedoch nicht jeden Hausbesitzer, sondern die gesamte Volkswirtschaft dazu bewegen, beim Heizen mehr auf erneuerbare Energien zurückzugreifen. „Welcher Hausbesitzer dann mit welcher Technologie welche Wärmemenge produziert, wollen wir dem freien Markt überlassen“, sagt Michael Kauch, umweltpolitischer Sprecher der FDP. Um den Marktanreiz zu setzen, sollen Großhändler von Öl und Gas verpflichtet werden, anteilig zu ihrer Absatzmenge eine bestimmte Menge erneuerbarer Energieträger zu verkaufen. Ersatzweise können sie diese Quote auch durch den Handel mit Zertifikaten auffüllen. Diese wiederum stammen von Hausbesitzern, die über das geforderte Ausmaß hinaus Anlagen erneuerbarer Energien für die Wärmeproduktion einsetzen. Der Preis, den die Hausbesitzer dafür von den Brennstoffhändlern erhalten, wäre ein wirksamer Investitionsanreiz. So wird der ökologische Effekt sicher erreicht – ohne Bürokratie und hohe Kosten. Denn Klimaschutz muss gar nicht teuer sein – wenn man den richtigen Hebel bedient. Meist sind das Maßnahmen, die in der öffentlichen Debatte wenig Aufmerksamkeit finden – wie der Bereich energieeffizienter Produkte. Ein Vergleich: Ein hocheffizienter Kühlschrank ist 50 Euro teurer als ein konventioneller, die Stromersparnis beträgt jährlich elf Euro. Der Kauf rechnet sich also nach vier bis fünf Jahren. Das Dämmen einer Kellerdecke in einem Einfamilienhaus dagegen kostet 2000 Euro und spart Heizkosten von 150 Euro im Jahr. Die Investition macht sich erst nach etwa zehn Jahren bezahlt. Was den Geldbeutel freut, ist auch für den Klimaschutz optimal: Energieeffiziente Produkte führen zwar zu Zusatzkosten von 210 Millionen Euro im Jahr 2020, ihre CO2-Ersparnis beträgt aber 4,2 Milliarden Euro. Dies bedeutet einen Gewinn von 266 Euro je eingesparter Tonne CO2 – das mit Abstand beste Ergebnis aller geplanten Maßnahmen im Klimaschutzpaket. „Wir sollten die bereits vorhandenen Techniken zu einem effizienteren Umgang mit Energie besser nutzen“, sagt auch Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes. Doch seit dem SPD-Parteitag hat die Debatte einen neuen Dreh: Jetzt steht auch das Tempolimit wieder im Raum – und damit die Frage, ob Einschränkungen und Verzicht die beste Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels sind. Selbst Bundesverkehrs- und Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), ansonsten eher auf der Seite von Wirtschaftsminister Michael Glos, schwenkt bei Themen rund ums Bauen auf die Linie von Gabriel ein. Nur Sozialdemokrat Peer Steinbrück tritt als Finanzminister auf die Kostenbremse. Allerdings stellt auch er, mit sanftem Nachdruck aus dem Kanzleramt, im nächsten Haushaltsjahr 2,6 Milliarden Euro für die Klimapolitik zur Verfügung – immerhin mehr als dreimal so viel wie im Jahr 2005. Und die Grünen? Die Partei mit der Kernkompetenz in Umweltfragen freut sich darüber, dass ihr Thema ganz oben auf der Agenda steht. Doch ganz so herzlich ist die Freude nicht. „Die Spielregeln ändern sich, alle wollen Klimakompetenz beweisen“, sagt Reinhard Bütikofer, Parteivorsitzender der Grünen. Und während die anderen Parteien den Grünen die Klimapolitik streitig machen, ist ihm das alles noch nicht genug. „Der Durchbruch von Heiligendamm war wohl eher eine optische Täuschung“, wettert Bütikofer und wirft Angela Merkel „grünes Leuchten auf roten Teppichen“ vor. Doch von der Umsetzung ihrer Ideen sei er schwer enttäuscht. Der „neue Kontinent ökonomischer Chancen“ sei längst nicht vollends entdeckt, die Wirtschaft und ihre Lobby meist von gestern, ihre Reden von der grünen Zukunft bis auf wenige Ausnahmen meist nur Lippenbekenntnisse. „Green Washing“, nennt Bütikofer das. Seine Parteifreundin Künast hat jedenfalls dazugelernt. Seit sie für ihre Lobeshymne auf den Hybridantrieb von der Autoindustrie abgestraft wurde, gibt sie keine leichtfertigen Tipps mehr zum Autokauf. Stattdessen lobt sie – nicht weniger verdächtig – inzwischen die großartigen Vorzüge deutscher Karossen.

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