Knauß kontert: Die Bildungsökonomie bringt der Bildungsnation Deutschland den Ruin

kolumneKnauß kontert: Die Bildungsökonomie bringt der Bildungsnation Deutschland den Ruin

Kolumne von Ferdinand Knauß

Josef Kraus kann es nicht lassen. Der frühere Präsident des Lehrerverbands rechnet in seinem neuen Buch wütend mit den Bildungsreformern ab. Recht hat er.

Die Zeit eifriger Debatten in Lehrerzimmern ist vorbei. Die seit rund 20 Jahren andauernde Phase fiebriger Reformeritis im deutschen Bildungswesen hat mittlerweile bei vielen Lehrern zu erschöpfter Resignation geführt: Sie wollen einfach nur endlich in Ruhe ihren Job machen dürfen, ohne ihre Schulen und den Unterricht alle Jahre wieder umorganisieren zu müssen.

Von den seit Wilhelm von Humboldt bewährten Strukturen und pädagogischen Paradigmen der einst führenden Bildungsnation Deutschland ist ohnehin nicht viel geblieben. Auch CDU-Bildungspolitiker (mittlerweile gibt es die fast gar nicht mehr) haben schon lange auf organisierten Widerstand gegen den pädagogischen Reformeifer einer unheiligen Allianz linker Gleichheitsideologen und ökonomistischer Effizienzapostel weitgehend verzichtet. Auf kaum einem Politikfeld hat diese Allianz mit ihren vollmundigen Heilsversprechen größeres Unheil angerichtet als im deutschen Bildungssystem.

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Josef Kraus hat diese traurige Geschichte in seinem höchst lesenswerten neuen Buch „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ nacherzählt. Der Präsident des Lehrerverbands nennt es treffend „eine – bisweilen grimmige – Untersuchung der Trümmer und Ruinen, die deutsche Bildungspolitik und deutsche Bildungswissenschaften hinterlassen haben“.

Können Sie diese PISA-Aufgaben lösen?

  • Mathe-Frage

    An Manuelas Schule führt der Physiklehrer Tests durch, bei denen 100 Punkte zu erreichen sind. Manuela hat bei ihren ersten vier Physiktests durchschnittlich 60 Punkte erreicht. Beim fünften Test erreichte sie 80 Punkte. Was ist Manuelas Punktedurchschnitt in Physik nach allen fünf Tests?

    a) 64 Punkte
    b) 72 Punkte
    c) 68 Punkte

  • Würfel-Frage

    Fünf Seiten eines Würfels von drei Zentimetern Kantenlänge werden rot angestrichen, die sechste Fläche bleibt ohne Anstrich. Wie viel Prozent der Würfeloberfläche sind rot?

    a) Etwa 60 Prozent
    b) Etwa 83 Prozent

  • Geographie-Frage

    Wie tief ist der Tschadsee heute?

    a) Etwa 15 Meter
    b) Etwa fünfzig Meter
    c) Etwa zwei Meter

  • Gewicht-Frage

    Wie verändert sich das Gewicht auf der Waage wenn man beim Wiegen schwungvoll in die Knie geht?

    a) Es ändert sich gar nichts an der Gewichtsangabe
    b) Das Gewicht wird für diesen Moment höher angezeigt
    c) Das Gewicht wird kurzzeitig geringer angezeigt

  • Grand-Canyon-Frage

    Die Temperatur im Grand Canyon reicht von unter 0 Grad bis über 40 Grad. Obwohl es sich um eine Wüstengegend handelt, gibt es in einigen Felsspalten Wasser. Wie beschleunigen diese Temperaturschwankungen und das Wasser in den Felsspalten die Zersetzung des Gesteins?

    a) Gefrierendes Wasser dehnt sich in Felsspalten aus
    b) Gefrierendes Wasser löst warmes Gestein auf
    c) Wasser kittet Gestein zusammen

  • UV-Frage

    Wie wirkt es sich aus, wenn Sie eine dunkle Sonnenbrille ohne UV-Schutz tragen?

    a) Es gelangen mehr UV-Strahlen ins Auge als ohne Brille.
    b) Es gelangen weniger UV-Strahlen ins Auge als ohne Brille.
    c) Es gelangen genau so viele UV-Strahlen ins Auge wie ohne Brille.

  • Das sind die richtigen Antworten

    Frage 1: a

    Frage 2: b

    Frage 3: c

    Frage 4: c

    Frage 5: a

    Frage 6: a

Zu den interessantesten Kapiteln zählt das über die Ganztagsschule, die „wie ein ultimatives Wundermittel und Füllhorn“ daherkomme. In den frühen Nullerjahren unter Bildungsministerin Edelgard Bulmahn konnte, wie Kraus schreibt, „sich das entfalten, was alle möglichen gesellschaftlichen »Kräfte« seit Jahr und Tag gefordert hatten, zum Beispiel bereits im Jahr 1991 in seltener Einmütigkeit ein Aktionsbündnis aus Deutschem Gewerkschaftsbund und Arbeitgeberverbänden. Oder eine bayerische SPD, die im März 2001 mit Blick auf Ganztagsschule dichtete: »Auf Dauer schlauer«. Oder Olaf Scholz (SPD), der im März 2002 »eine kulturelle Revolution« ausgerufen hatte, um »die Lufthoheit über den Kinderbetten zu erobern«, und der eine Ganztagsbetreuung »von der Geburt bis zum Ende der Schulzeit« wollte.“

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