Koalitionen: Trittin: "Es graut mir vor der Schwäche der SPD"

Koalitionen: Trittin: "Es graut mir vor der Schwäche der SPD"

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Jürgen Trittin distanziert sich im Interview auch von einer Jameika-Koalition

Jürgen Trittin, designierter Spitzenkandidat der Grünen für die nächste Bundestagswahl, fürchtet, dass eine denkbare Ampelkoalition auf Bundesebene an einer dauerhaft geschwächten SPD scheitern könnte.

„Wenn die SPD nicht bald aus den Puschen kommt, dann sind alle Dreierbündnisse obsolet. Dann regiert 2009 Schwarz-Gelb“, sagte Trittin in einem Interview mit der WirtschaftsWoche.

„Es graut mir vor der Schwäche der SPD.“ Obwohl die Grünen ohne Koalitionsaussage in den Bundestagswahlkampf gehen wollen, hält Trittin die SPD für den besten Bündnispartner. „Es wird eine Wahlaussage geben, dabei genügt ein flüchtiger Blick auf den Themen-Mix – Klima, Mindestlohn, Atomausstieg, Bildungspolitik –, um zu wissen, dass die Schnittmenge der Grünen mit der SPD größer ist als mit der Union.“ Dennoch ist Trittin zufrieden, dass es den Grünen in Hamburg gelungen ist, eine große Koalition zu verhindern. „Ich bin doch froh, wenn es nicht auf eine große Koalition rausläuft. Schwarz-Grün bleibt eine Ausnahme – und eine mögliche Alternative zur großen Koalition.“

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Kaum vorstellen kann sich Trittin dagegen eine Jamaika-Koalition mit Union und FDP, weil die Grünen dann in eine zu starke Minderheitenposition geraten. „Bei einer Koalition aus CDU, FDP und Grünen verläuft die Konfliktlinie klar: Zwei gegen einen – und die einen, das wären wir. In Jamaika können wir grüne Inhalte gleich in einem großen Joint rauchen.“

Scharf grenzt sich Trittin von der Linken ab, mit der es auf dem Papier zwar eine große Schnittmenge gebe, die er aber nicht für regierungsfähig hält. „Ich sehe zurzeit keine realistische Chance, dass die Linke ihre doppelte Selbstblockade – nicht regierungsfähig und regierungswillig zugleich zu sein – auflösen kann. Die Linken feiern ihre Wahlerfolge aus dem Versprechen heraus, nicht regieren zu wollen. Die Linken sind eine Protestpartei, die vom ehemaligen Trotzkisten bis zum ehemaligen Schill-Sympathisanten gewählt wird, gerade weil sie nicht regieren will.“

Die Linke sei unseriös, so Trittin. „Man kann schlecht für Klimaschutz sein – und Ausnahmeregelungen für die ostdeutsche Braunkohle verlangen. Man kann schlecht acht Euro Mindestlohn fordern – und in Berlin nur 5,30 Euro zahlen. In der Realpolitik ist die Linke weder sozial noch ökologisch.“

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