Kommentar: Bleib, wo der Pfeffer wächst!

Kommentar: Bleib, wo der Pfeffer wächst!

, aktualisiert 29. November 2011, 18:22 Uhr
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Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

von Oliver StockQuelle:Handelsblatt Online

Nach Auftritt in Kanada, Einstellung des Strafverfahrens und Interview kommt heute Guttenbergs vierter Aufschlag: Sein Buch landet im Handel. Doch der Mann kann uns gestohlen bleiben. Ein Kommentar.

Neun Monate. Neun Monate braucht ein Kind, um auf die Welt zu kommen. Neun Monate hat sich Karl-Theodor zu Guttenberg Zeit gegeben, um die Plagiatsaffäre durch seinen Rücktritt als Verteidigungsminister zu beenden, in Amerika ab- und in Hallifax wieder aufzutauchen, die juristischen Scharmützel durch die Zahlung einer Geldauflage aus dem Weg zu räumen und den Neubeginn in Deutschland durch goldene Worte und ein großes Interview in der „Zeit“ einzuleiten. Sein Outfit hat er verändert. Ist da der neue Guttenberg geboren?

Leider nein. Und leider ist das die nächste Enttäuschung, die mir der Freiherr da bereitet. Es ist meine persönliche Enttäuschung, mit der ich aber vermutlich nicht allein dastehe. Denn, Hand aufs Herz, dieser Politiker hatte uns beeindruckt. Er hatte bis zu seiner Entzauberung den Politikbetrieb in Berlin und anderswo überstrahlt. Ihm war es zwar mehr durch Auftreten und Wortwahl und weniger durch Taten und Inhalte gelungen, Eindruck zu hinterlassen – aber immerhin: Wir waren bereit, ihm zuzuhören. Wir waren beeindruckt von seinem Tatendrang. Und wir waren gespannt, ob er Ergebnisse bringen würde, die seinen Worten annähernd gerecht geworden wären. Sein Waterloo war für uns ein Wermutstropfen und wir haben eine Pietätsminute verstreichen lassen, bevor auch wir in die Meute derjenigen einfielen, die ihn schließlich zur Strecke gebracht haben.

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Und nun kommt er schon wieder. Sein Empfinden für Pietät ist kurz. Napoleon verschwand nach seinem missratenen Russlandfeldzug immerhin elf Monate auf Elba, Guttenberg schaffte nur neun. Und seine Großspurigkeit hat er wieder mitgebracht. Dabei geht es nicht darum, Fehler zu benennen, und sich dafür bei all denen, die er enttäuscht hat, zu entschuldigen, sondern es wäre für Guttenberg auch darum gegangen, aus Fehlern zu lernen. Der wichtigste Lernerfolg, den Guttenberg hätte vorweisen müssen, wäre Demut gewesen. Doch diese Regung kennt er nicht. Von mir aus kann er bleiben, wo der Pfeffer wächst.

Quelle:  Handelsblatt Online
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