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Kommentar: Die zehn Pünktchen des Peter A.

von Jürgen Klöckner

Mit zehn Punkten wollte Umweltminister Altmaier die Energiewende wieder auf Kurs bringen. Die sind in weiten Teilen weitsichtig, doch auch gefährlich unkonkret.

Unionsfraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier ist seit Jahren einer der wichtigsten Männer an der Seite der Kanzlerin. Jetzt rückt das Schwergewicht ins Kabinett. Er soll als Nachfolger des über die NRW-Wahl gestolperten Norbert Röttgen das Amt des Umweltministers bekleiden.

Bild: dapd

Drama ist sonst nicht seine Sache, aber in seinen zehn Punkten fährt Umweltminister Peter Altmaier davon alles auf, was so ein Papier gebietet. Misslingt die Energiewende, hätte das erhebliche Folgen für Wohlstand, Wachstum und Beschäftigung, heißt es darin. Gelingt sie, festigt Deutschland seine starke wirtschaftliche Stellung für die nächsten Jahrzehnte. Schon deswegen waren die Erwartungen an Altmaiers zehn Punkte hoch, sie sollten die von seinem Vorgänger Norbert Röttgen beschädigte Energiewende wieder fit machen. Fit für die Wahl 2013, fit für die Zukunft.

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Gemessen daran sind sie mindestens enttäuschend, wenn nicht sogar gefährlich bedeutungslos. Ohne Frage, der Plan enthält gewichtige Vorschläge. Aber vor dem, was die Energiewende gerade ernsthaft gefährdet, drückt sich Altmaier in seinem Masterplan: Das Erneuerbare Energien Gesetzt (EEG), das dringend reformiert oder gar abgeschafft werden muss, weil es mit unverantwortlichen Subventionen zu Preissteigerungen und instabilen Netzen führt.

Finger weg von Kraftwerksstilllegungen!

Die Warnung der Bundesnetzagentur ist eindeutig: „Stilllegungen weiterer konventioneller Kraftwerke ist derzeit in Deutschland nicht vertretbar.“ Bundestag und Bundesregierung müssten entsprechende Vorschriften verabschieden, um Kraftwerksstilllegungen im Bereich der konventionellen Erzeugung zu unterbinden.

Bild: dpa

Auch Altmaier sieht diese Probleme, doch Abschaffen kommt für ihn nicht in Frage und mit Reformvorschlägen will er sich bis Herbst Zeit lassen. Konkrete Vorschläge nannte er nicht. „Schnellschüsse“ seien nicht seine Art, weil eine umfassende Reform nur Sinn mache, wenn Kommen und Bundesländer mitziehen würden. Doch  diese Hinhaltetaktik ist gefährlich.  

Schon jetzt ist dem Volk kaum zu vermitteln, wieso Großkonzerne an den Strombörsen rekordniedrige Strompreise erzielen können, gerade weil es immer mehr Ökostrom gibt – der Endverbraucher allerdings drauf zahlen muss. Wer soll ihnen das erklären, wenn nicht der Umweltminister?

Diesen Vorstoß blieb Altmaier schuldig – er nimmt damit in Kauf, dass die ohne Zweifel immens wichtige Energiewende an Rückhalt in der Bevölkerung und Wirtschaft verliert. Jeder Subventionseuro, der mit EEG-Siegel gestapelt wird, gefährdet  die Glaubwürdigkeit der Energiewende.

So groß die rhetorischen Geschütze des Umweltministers auch sein mögen, so bedeutend die Wende auch ist – am Ende ist sie für ihn nur eines: ein undankbares Thema. Eins, bei dem er eigentlich nur verlieren kann, wenn er nicht den ganz großen Wurf wagt.

Schwierige Löschung von Windrad-Bränden

Die schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein).

Bild: dpa

Denn  auf internationaler Ebene steht er mit seinen ambitionierten Zielen ziemlich alleine da, viele interessieren sich hierzulande nur für die steigenden Preise, wenn sie sich überhaupt dafür interessieren: Neben der alles und alle dominierenden Schuldenkrise erblasst sogar die Energiewende. Und selbst auf diesen Schützengraben kann sich Altmaier nicht verlassen, denn wenn er patzt, dann wird die Energiewende 2013 wahlentscheidend sein.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.08.2012, 13:36 UhrPatzer

    90 Tage im Amt und 10 Punkte liegen noch bevor. Also ab nun jeden tag eienen Punkt präsentieren und nach 100 Tagen wird abgerechnet. Er erntet schon Kritik seitens SPD, obwohl die Punkte noch nicht bekannt gegeben sind. "wenn er patzt, dann wird die Energiewende 2013 wahlentscheidend sein": es soll heißen, dann ist Energiewende geplatzt (;-)).

  • 17.08.2012, 12:03 UhrMaxito

    Ich bin dafür, dass diejenigen, die die Energiewende vehement gefordert haben (125% der Deutschen), diese bitteschön auch bezahlen sollen.

    Nach dem Motto:
    Wer a(bschalten) sagt, muß auch b(ezahlen) sagen.

    Bitte korrigieren Sie mich, aber mir ist kein Unternehmen bekannt (von Subventionsprofiteuren mal abgesehen), dass sich selbst in's Knie geschossen hat und eine instabile Stromversorgung zu höheren Preisen gefordert hat.

    Bitte mal die Umfrageergebnisse und Statistiken der letzten Monate checken, denn vermutlich haben mal wieder alle "Erinnerungslücken"
    wenn's an's Bezahlen geht, oder? Würde mich nicht wundern.

  • 17.08.2012, 00:27 UhrLBraren

    Sehr guter Beitrag!
    Welche fadenscheinigen Argumente werden eigentlich von der Regierung noch unternommen, um Ideologien durchzusetzen.
    Diese gesamte Energiewende ist durch nichts zu rechtfertigen - sie kann physikalisch nicht funktionieren.

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